50 Jahre Miyazawa

29.03.2019 15:30 | News, Blog

1969 gründete Masashi Miyazawa seine gleichnamige Firma. Sein Traum war es hochwertige Flöten zu bauen und dabei bewährte Instrumentenbau- mit moderner Fertigungstechnik zu vereinen. Anlässlich des runden Jubiläums haben wir mit Christian Bach, Prokurist der Miyazawa Flutes Europe GmbH, über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Unternehmens gesprochen.

Was macht das Unternehmen Miyazawa seit einem halben Jahrhundert so erfolgreich?
Christian Bach: Dafür gibt es mehrere unterschiedliche Faktoren. Wir haben immer den Kontakt zu Spitzenmusikern gesucht, um unsere Instrumente stetig neu zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen. Selbstverständlich handhaben wir dies bis zum heutigen Tag so. Sich verändernde Klangvorstellungen, andere technische Möglichkeiten, Trendentwicklungen und die Varianten, welche sich aus unterschiedlichen Materialen ergeben, lassen uns immer wieder kritisch auf unsere Instrumente schauen. Kulturell bedingte charakteristische Eigenschaften in Japan sind ein weiterer wichtiger Baustein des Erfolges. Man schätzt eine verlässliche Beständigkeit, lange Partnerschaften und vor allem wird bis ins kleinste Detail so lange daran gearbeitet, bis es wirklich perfekt ist. Das zeichnet Miyazawa im Besonderen aus.
Ebenfalls sehr entscheidend ist der Enthusiasmus und die gelebte Leidenschaft für den Flötenbau. In allererster Linie ist hier sicher Masashi Miyazawa zu nennen. Harte Arbeit über Jahrzehnte hinweg ist garantiert die wichtigste Komponente des Erfolges. Ohne die Unterstützung unserer Händler jedoch würde es uns in dieser Form nicht geben. Unsere engagierten Händler stehen jeden Tag im Geschäft und beraten mit Fachkompetenz, Passion und Liebe zum Detail jeden interessierten Kunden. An dieser Stelle gilt es, ein großes Dankeschön auszusprechen.

In wie weit ist Gründer Masashi Miyazawa noch in sein Unternehmen involviert?
Christian Bach: Masashi Miyazawa ist Ehrenpräsident und auch heute immer noch die gute Seele in vielen Situationen. Wenn man mit ihm in der Fabrik unterwegs ist, spürt man den Respekt der Mitarbeiter ihm gegenüber in jeder kleinen Situation. Er ist der Gründer unserer Firma und bis heute auch in Sachen Produktion und Produktentwicklung der erste Ansprechpartner. Das operative Geschäft obliegt seit mehr als zehn Jahren seinem Sohn, unserem Präsidenten, Kazunari Miyazawa, in dessen Händen alle Fäden zusammenlaufen. Er ist in der ganzen Welt unterwegs, um auf Messen, Festivals und anderen Veranstaltungen über die Instrumente seiner Firma zu sprechen und um die Feinheiten und Bedürfnisse der einzelnen Märkte betreffend auf dem Laufenden zu bleiben.

Was waren die Meilensteine der 50-jährigen Firmengeschichte?
Christian Bach: Der Beginn im Jahr 1969 legte den Grundstein unserer Firma. Mitte der Siebziger Jahre wurde gemeinsam mit P. L. West eine Flötenserie speziell für den Nordamerikanischen Markt entwickelt, welche großen Erfolg hatte. Einen sehr großen Meilenstein konnten wir im Jahr 2005 verzeichnen. Die Einführung und Patentierung des Brögger Systems und der Brögger Daumenklappe hat eine ganz neue Ära des Flötenbaus für uns eingeleitet. 2013 konnten wir eine Schülerflöten-Serie auf dem internationalen Markt vorstellen. Auch dies war ein großer Schritt. Im Jahr 2017 gründeten wir die Firma Miyazawa Flutes Europe GmbH. Dies ist die erste Tochterfirma der japanischen Mutterfirma Miyazawa Flutes MFG., Co., LTD..

Was zeichnet die Flöten von Miyazawa im Allgemeinen aus?
Christian Bach: Die von und für Miyazawa patentierte Brögger System Mechanik und Brögger Daumenklappe sind hier als erstes zu nennen. Johann Brögger hat die erste Generation dieser Mechanik bereits in den Achtzigern entwickelt. Nach Überarbeitung und Weiterentwicklung durch Herrn Brögger und Herrn Miyazawa wurde die Mechanik und die spezielle Daumenklappe Anfang der 2000er dann zum Patent angemeldet. Die Mechanik der rechten und linken Hand ist hierbei stiftlos. Dadurch ergibt sich ein deutlich einfacheres Handling bei einer Reparatur. Die Brögger Brücke, welche die Bewegung der Achse komplett übernimmt, stellt eine sehr stabile und funktionelle Alternative zur herkömmlichen Mechanik dar. Hierbei ist der wichtigste Faktor das Spielgefühl, welches von vielen Flötistinnen und Flötisten als sehr direkt und angenehm empfunden wird. Als Musiker kann ich mich dadurch voll und ganz auf das Wesentliche konzentrieren.
Die Partial Brögger (PB)-Modelle verfügen über die Brögger-System-Mechanik in Kombination mit der Standard-Daumenklappe. Die Modelle mit der Bezeichnung BR besitzen die komplette Brögger-Ausstattung. Neben der Brögger System Mechanik ist hier nun auch die spezielle Brögger-Daumenklappe verarbeitet.Die Brögger-Daumenklappe zeichnet sich durch einen veränderten Winkel der Achse aus. Dadurch wird die Achse deutlich länger. Der Druckpunkt der Daumenklappe ist somit ergonomischer und angenehmer gelagert. Außerdem erlaubt diese Bauform der Daumenklappe den Einsatz von Nadelfedern statt der an dieser Stelle üblichen Blattfeder. Dies ermöglicht die Justierung der Federstärken der Daumenklappen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist unsere Materialauswahl. Ab der Silberrohrkategorie bieten wir unsere Instrumente immer in drei verschiedenen Silberarten an. Hierbei ist das 925er Sterling Silber das bekannteste. 958er Britannia Silber und 980er Silber runden das Trio ab. Jedes Silber hat seine eigenen klanglichen Eigenschaften. Das unterschiedliche Schwingungsverhalten der einzelnen Materialien bietet die Chance, dass jeder Spieler reichhaltige Möglichkeiten bekommt, den für sie oder ihn perfekten Klang zu finden.
Ebenfalls zu nennen ist unsere Auswahl an verschiedenen Kopfstücken. Vier Grundmodelle können in verschiedenen Silberarten und mit verschiedenen Optionen dazu genutzt werden, für sich die perfekte Kombination aus Spieler, Flöte und Kopfstück zu finden. Hier ist ein Test im Fachgeschäft unumgänglich.

Wo lässt Miyazawa fertigen und warum? Wie viele Instrumente werden pro Jahr produziert?
Christian Bach: Unsere Produktion befindet sich in Iijima. Von Tokyo aus fährt man mit dem Auto ca. 2,5 Stunden in nordwestlicher Richtung bis in die Präfektur Nagano. Seit 2011 befindet sich unsere Produktion im ca. 10.000 Einwohner fassenden Iijima, eingerahmt in eine malerische Berglandschaft. Bis 2011 befand sich unsere Produktion in Asaka, einem Stadtteil von Tokyo. Die aufgrund der Weltwirtschaftskrise zu dieser Zeit explodierenden Preise, machten einen Umzug unumgänglich. Glücklicherweise konnten wir mehr als 90 Prozent unserer Mitarbeiter in der Produktion auch am neuen Standort halten.
Wir produzieren komplett in Japan, weil wir nur dort die Präzision und Perfektion umsetzen können, die wir uns für unsere Querflöten vorstellen. Außerdem ist Miyazawa ein Familienunternehmen, welches in Japan, in Tokyo und auch in Iijima seit Jahrzehnten fest verankert ist. 2018 haben wir 2000 Querflöten in Japan produziert. Für 2019 ist eine weitere Steigerung der Produktion um ca. 200 bis 250 Instrumente geplant.
Seit 2013 haben wir eine Schülerflöten-Serie auf dem Markt etabliert. Nun kann also auch ein Anfänger oder ein Musiker mit kleinerem Budget eine Miyazawa-Flöte spielen. Diese Instrumente aus der MJ Serie werden in einem Werk in China gefertigt, welches sehr eng von Masashi Miyazawa kontrolliert wird. Auch hier ist unser Ehrenpräsident noch eine wichtige Stütze für unsere Firma. Hier produzierten wir 2018 ca. 1.500 Instrumente. Auch hier ist die Zahl deutlich steigend.

Welche Aktionen und Sondermodelle sind zum Jubiläum geplant?
Christian Bach: Auf Basis der handgemachten PB-202 gibt es im Jubiläumsjahr eine Ausführung mit MX-1 Kopfstück anstelle des Standard Kopfes MZ-10. Dieser ist in 958er Britannia Silber und hebt sich durch einen anderen Schnitt des Mundloches ab. Außerdem haben wir dem Jubiläumsmodell einen 9kt Massiv Gold Mundlochkamin spendiert. Die Platte, welche sich im Kopfstückinneren vor dem Korken befindet, nennt man Reflektor. Dieser ist bei unserem Sondermodell ebenfalls aus 9kt Massiv Gold.
Eine Handgravur der Mundlochplatte rundet das Sondermodell ab. Erhältlich ist es in limitierter Stückzahl mit C-Fuß und H-Fuß. Mitte des Jahres werden wir noch eine handgemachte Vollsilberflöte mit gelöteten Tonlöchern vorstellen. Massiv Gold Tonlochkamine, Mundlochplatte, Mundlochkamin, Reflektor und Krone werden wie neben der besonderen handgefertigten Gravur der Klappen diese ganz besondere Flöte ausmachen.

Mehr über Miyazawa sowie unter anderem ein Interview zur bevorstehenden Superbooth mit Veranstalter Andreas Schneider und vieles mehr lesen Sie in der April-Ausgabe von das musikinstrument.

 

 

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