50 Jahre Weather Report

11.06.2020 20:27

Vor genau einem halben Jahrhundert erblickte Weather Report, das Fusion-Konsortium von Keyboarder und Pianist Joe Zawinul († 2007) und Saxofonist Wayne Shorter, das Licht der Welt. Wir feiern eine der bedeutendsten Jazzbands der 70er- und 80er-Jahre und lassen das Leben von Joe Zawinul Revue passieren.


Weather Report 1972 (von links nach rechts): Eric Gravatt, Dom Um Romão, Miroslav Vitouš, Wayne Shorter und Joe Zawinul.
Foto: Echoes/Redferns/Getty Images

Nach der Gründung von Weather Report im Jahr 1970 sollte nichts mehr so sein wie früher. Die Band des österreichischen Keyboarders und Pianisten Joe Zawinul und des amerikanischen Saxofonisten Wayne Shorter unter die Rubrik Jazz-Rock zu stellen, wäre mehr als leichtsinnig. Wie ein guter Wetterbericht war auch Weather Report stets seiner Zeit und Stilen voraus und setzte Akzente, die bis in die Gegenwart zu spüren sind.

Nun ist die gesamte Geschichte der Band auch ein Lebensabschnitt von Joe Zawinul, der nach der Trennung von Wayne Shorter im Jahr 1986 den musikalischen Spirit später im Joe Zawinul Syndicate fortsetzte, teilweise sogar mit Originalmusikern von Weather Report. Die Zusammenarbeit der beiden Gründungsmitglieder von Weather Report lässt sich bereits in das Jahr 1963 zurückverfolgen, als sich die beiden Musiker in der Big Band von Maynard Ferguson erstmals trafen. Später sahen sie sich in der elektrischen Besetzung von Miles Davis wieder, aus der dann schließlich 1970 Weather Report hervorging.

Mit Cannonball Adderley und Miles Davis

Doch bevor es elektrisch wurde, verbrachte Joe Zawinul circa acht Jahre im Quintett des Saxofonisten Cannonball Adderley, zunächst akustisch, später dann elektrisch. Zawinul spielte im Quintett ein Fender Rhodes und ein Wurlitzer-Piano, das er von Ray Charles erhalten hatte. Auf letzterem spielte Zawinul den von ihm komponierten legendären Song „Mercy, Mercy, Mercy“ ein, der 1966 für Cannonball Adderley ein großer Hit wurde.

Miles Davis war von Joe Zawinul und dem warmen Klang des Rhodes so begeistert, dass er seinem damaligen Pianisten Herbie Hancock ans Herz legte, sich ebenfalls dieses Instrument anzueignen. Außerdem machte der Startrompeter Joe Zawinul ein Angebot für sein Quintett, das Zawinul ausschlug mit der Begründung: „Unsere Zeit wird noch kommen“.

Und so war es dann ein paar Jahre später auch: 1969 konnte sich seine Zusammenarbeit mit Miles Davis endlich entfalten, als die historischen Meilensteine für den Rock Jazz und die Fusion Bewegung produziert wurden: „In a Silent Way“ (1969) und „Bitches Brew“ (1970). Hier traf Joe Zawinul zum zweiten Mal auf Wayne Shorter.

Weather Report im Pop-Zenit

Auf der ersten Einspielung von Weather Report von 1971 ist Zawinul lediglich auf dem Rhodes zu hören, dem er jedoch stets mit einem Echoplex und einem Wah-Wah-Pedal neue, noch nicht dagewesene Sounds entlockte. Nach einer gewissen Zeit übernahmen Herbie Hancock und George Duke diese Sounds und anschließend unzählige weitere Fusion-Keyboarder.

Die damalige Besetzung von Weather Report agierte zunächst mit allen beteiligten Musikern – Joe Zawinul am Rhodes, Wayne Shorter am Saxofon, Miroslav Vitouš am Bass, Alphonse Mouzon am Schlagzeug, Airto Moreira an den Percussions – musikalisch als Kollektiv. Das Credo lautete: „We always solo or we never solo“.

Im Laufe der Zeit und nach sehr vielen Umbesetzungen zu Gunsten einer groovigeren und kommerzielleren Konzeption setzte sich Joe Zawinul immer mehr in den musikalischen Chefsessel. Zunächst fast avantgardistisch ausgerichtet und stets mit Worldmusic angehaucht, entwickelte sich das Quintett sehr schnell zum Mega-Ensemble.

Weather Report bescherte sowohl den Musikern als auch ihrer Plattenfirma CBS und dem Management, das ebenfalls Earth, Wind & Fire und Rod Steward vertrat, gigantische Plattenverkaufszahlen und ausverkaufte Konzere in Hallen und Stadien, die normalerweise nur Rock- und Pop-Acts frequentieren.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in Tastenwelt 4/2020 – die Ausgabe können Sie gleich hier im Shop bestellen!


Text: Christoph Spendel

Die Erfassung durch Google Analytics auf dieser Website wird zukünftig verhindert.