AC/DC Highway To Hell, Masterpiece-Workshop

20.11.2019 11:29

Selbst für englische Verhältnisse ist der März 1979 in London ungewöhnlich nass und grau. Mehr als einen Kerosinheizer, einen dreckigen Boden und ein paar Steckdosen gibt es nicht in dem Proberaum, in dem sich AC/DC hier eingenistet haben. Ein krasser Kontrast zu dem luxuriösen Studio im sonnigen Miami, von wo aus die Band kurz zuvor eingeflogen war. Hier, im nasskalten England, müssen Angus, Malcolm, Bon, Phil und Cliff teils Wintermäntel anziehen, während sie ihre neuen Songs durchspielen.

In Arbeit ist ein Album, das AC/DC den internationalen Durchbruch verschaffen und 40 Jahre später zu den Großtaten der Rockgeschichte zählen soll: Highway To Hell. Darauf kann man im Londoner Proberaum natürlich maximal hoffen. Alles was die Band zu diesem Zeitpunkt weiß: Sie ist froh um ihren Ortswechsel.

Krasser Kontrast

Die Wochen zuvor hatten sie vergeblich versucht, mit Produzent Eddie Kramer in Florida das Nachfolge-Album zu Powerage von 1978 auszuarbeiten. Kramer ist schon damals ein legendärer Hardrock-Produzent, hatte bereits mit Led Zeppelin, Jimi Hendrix und Kiss gearbeitet. Doch bei AC/DC beißt der 36-Jährige auf Granit. Zum einen sind vor allem die Young-Brüder sauer, dass die Plattenfirma das altgediente Produzenten-Team George Young und Harry Vanda nicht mehr mit an Bord haben will. Zum anderen gibt es handfeste künstlerische Differenzen. „Keine Idee von Eddie schien uns zu inspirieren“, erzählte Angus Young der Guitar World. „Ich weiß nicht warum, aber er hörte nicht auf, über Pianos zu reden. Das war definitiv das falsche Wort für uns.“

Dabei ist es für AC/DC essentiell, für ihr neues Album mit dem richtigen Produzenten zu arbeiten. Highway To Hell ist spezifisch dafür gedacht, den unbarmherzigen US-Markt zu erobern und die Band damit in die Oberliga des Rock’n’Roll zu katapultieren. Die australische Heimat hatten AC/DC sowieso schon lang im Sturm erobert und auch im Punk-affinen Vereinigten Königreich kamen die rau produzierten Vorgänger-Alben Powerage (1978) und Dirty Deeds Done Dirt Cheap (1976) hervorragend an. Nur auf der anderen Seite des Atlantiks war die Band mit ihrem dreckigen Sound bisher gnadenlos bei Radio-DJs und Publikum durchgefallen. Um diese Lücke zu schließen, hatte sich die Plattenfirma Atlantic über die Brüder Young hinweggesetzt und ihren Bruder George, der bisher bei allen Produktionen Regie führte, den Laufpass gegeben.

Zum Glück gezwungen

Nach drei Wochen Frust mit Eddie Kramer geht ein wütender Anruf von Gitarrenchef Malcolm Young bei Manager Michael Browning in New York ein. Malcolm macht in unmissverständlichen Worten klar, dass die Arbeit mit Kramer zu nichts führe und verlangt, die Band auszufliegen. Wie der Zufall es will, wohnt Browning zu dieser Zeit mit einem jungen Produzenten zusammen, der sich kurz zuvor einen Namen mit dem Nummer-1-Hit „I Don’t Like Mondays“ von den Boomtown Rats gemacht hatte. Noch während er den aufgebrachten Malcolm am Telefon hat, zischt der Manager diesem zu: „Kumpel, du musst diese Platte machen!“

Der Beginn einer Freundschaft

Kurz darauf betritt Robert „Mutt“ Lange den heruntergekommenen Proberaum in London. Die Band, immer noch skeptisch gegenüber jeglichen Fremdeinflüssen, ist nicht gerade beeindruckt. „Mutt kommt mit seinem riesigen Lockenkopf und grünen Stiefeln rein, und alle so zu mir: Wer zu Hölle ist das?“, erinnert sich Tourmanager Ian Jeffrey. Hätten sie von dem Hit mit den Boomtown Rats gewusst, erzählt Malcolm später – vermutlich nur halb im Spaß – „hätten wir ihn gar nicht erst durch die Tür gelassen.“

Der Rest ist Geschichte, Highway To Hell wird das bis dato erfolgreichste Album von AC/DC und das letzte Album mit Sänger Bon Scott. In guitar 01/20 könnt ihr den ganzen Masterpiece-Workshop mit Noten, Tabs und Songbeispielen nachlesen und nachhören.

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