Arturia Microfreak: Hybrid-Synthesizer

01.08.2019 13:14 | Testberichte, Klavier und Keyboard, Musikproduktion

Der Mix verschiedener Syntheseformen, kräftiger Filter und umfangreicher Modulationsmöglichkeiten der kleinen Brute-Modelle von Arturia hat viele Freunde gefunden. Auch der neue Microfreak setzt auf ein Kompaktformat, das hier um ein Sensorkeyboard mit polyphonem Aftertouch ergänzt wird. Das klingt definitiv interessant ...

Arturia MicroFreak
Die einzelnen Sektionen des Microfreak sind übersichtlich auf der Oberfläche angeordnet. © Arturia

Der Microfreak kommt in einem erfreulich kompakten und leichten Gehäuse. Neben den obligatorischen Audio- und MIDI-Schnittstellen werden auch CV-, Gate- und Pressure-Ausgänge sowie Clock-Ein- und -Ausgänge für die Einbindung in Modularsysteme bereitgestellt, jedoch kein Audioeingang.

Herzstück des vierfach parafonen Micro­freak ist ein digitaler Oszillator, dessen Betriebsarten über die Regler Type, Wave, Timbre und Shape eingestellt werden. Type bietet Zugriff auf zwölf Synthesemodelle, während die anderen Regler oszillatorspezifische Parameter justieren. Alle Änderungen werden dabei in einem kleinen OLED-Display angezeigt. Die erzeugten Signale durchlaufen nachfolgend ein 12-dB-State-Variable-Filter, das sich charakterlich an Oberheims SEM anlehnt. Die Filtermodi sind Tief-, Band- und Hochpass. Von hier gelangt das Signal schließlich in den VCA, der durch die Haupthüllkurve (ADSR) gesteuert wird, die zusätzlich mit variablem bipolaren Hub mit dem Filter verbunden ist. Obwohl der Microfreak nur einen VCA hat, können bei mehrstimmigem Spiel Duplikate der Hüllkurve erzeugt werden (Amp Mod On), die bei jeder Note separat ausgelöst werden. Schaltet man die Parafonie aus, kann der Microfreak auch unisono gespielt werden.

Mit einer frei zuweisbaren, automatisierten zweiten Hüllkurve betritt man schon das umfangreiche Gebiet der Modulationsquellen. Diese sogenannte Cycling Envelope wird erneut ausgelöst, wenn sie den eingestellten Signalverlauf komplett durchlaufen hat. Sie wird zu einem komplexen LFO. Dabei gibt es drei Betriebsarten: das klassische einmalige Durchlaufen der Hüllkurve und die verwandten Run- und Loop-Modi, bei denen die Hüllkurve automatisch zurückgesetzt wird. Die Loopgeschwindigkeit wird dabei durch den Parameter Rise bestimmt. Je kürzer der eingestellte Zeitwert ist, um so schneller wird die Hüllkurve durchlaufen. Im Run-Modus wird der MIDI-Startbefehl nach Durchlaufen der Hüllkurve automatisch ausgelöst. Im Loop Mode geschieht das durch einen externen Trigger, etwa durch den Arpeggiator/Sequenzer. Schließlich besitzt der Microfreak auch einen echten LFO, der mit sechs Wellenformen (Sinus, Dreieck, Sägezahn, Rechteck, Random, Slew Random) und möglichem Tempo-Sync aufwartet.

Berühren erwünscht

Ein frei zuweisbarer, kapazitiver Touchstrip, der ein reguläres Pitchwheel ersetzt, bringt uns nun der coolsten Funktion des Microfreak näher: Das kapazitive Keybed mit polyfonem Aftertouch.
Der Microfreak hat tatsächlich keine normale Klaviatur, sondern vielmehr 25 berührungsempfindliche Tastenfelder, die aus hunderten Kontaktpunkten bestehen. Die Auflagefläche des Fingers bestimmt als Hauptwiderstand die Stärke der Steuersignale, die als Aftertouch oder Velocity-Werte interpretiert werden. Bekannt ist diese Technik beispielsweise vom Buchla Easel. Dabei ergibt sich ein vollkommen anderes Spielgefühl. Hier ist das Keyboard nicht mehr nur Auslöser elektroakustischer Ereignisse, sondern wird durch die Sensorik und die Spielweise zum festen Bestandteil der Klangerzeugung. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit funktioniert das vollkommen problemlos und fordert regelrecht zum Experimentieren auf.

Spielwiese

Weitere Sensorschaltflächen im Bereich des Keybed stellen Funktionen, wie etwa Key-Hold zum Halten von Akkorden oder einzelner Noten bereit. Im Sequenzerbetrieb (Step-Record- oder Echtzeitaufnahme-Modus) sind dazu weitere Funktionen hinterlegt. Vier ergänzende Taster stellen Funktionen für den Arpeggiator (Up, Order, Random und Pattern) oder den Sequenzer (Sequenz A, Sequenz B, Stop und Start) bereit. Im Aufnahmebetrieb des Sequenzers kommt auch der erwähnte Hold-Taster ins Spiel, mit dem hier nun über Pausen und Gate-Verlängerungen in die Sequenz eingebaut werden können. Eine besondere Funktion ist hierbei die Möglichkeit, sowohl im Step-Recording-Modus als auch während der Echtzeitaufnahme Modulationen aufzunehmen.

Es gibt 17 Parameter, darunter das Oszillatormodell und die Filter. Oder die LFO-Frequenz, deren Modulation aufgezeichnet werden kann. Pro Sequenz gibt es hierzu vier Modulationsspuren. Die Methoden der Aufzeichnung sind abhängig von der Aufnahmeart einer Sequenz. So kann man im Step-Recording-Modus jeder einzelnen Note einen anderen Modulationswert zuordnen und zudem extreme Sprünge glätten. Dem bereits erwähnten Touchstrip sind drei Schaltflächen Spice, Dice und Bend zugeordnet.

Den vollständigen Test lesen Sie in KEYS 09/2019 – die Ausgabe können Sie direkt hier im Shop bestellen.

Text: Bernd Kistenmacher

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