Do-it-yourself-Mastering

25.01.2019 11:35 | Musikproduktion, Blog

Mastering ist der letzte Arbeitsschritt einer professionellen Musikproduktion. Doch braucht man heute überhaupt noch einen Mastering Engineer oder kann man das selbst erledigen? Wir zeigen euch, wie das Do-it-yourself-Mastering erfolgreich gelingt.

Do-it-yourself-Mastering

Eine Frage sollte vorab geklärt sein: Sind Mastering-Studios heute überflüssig? Die Antwort lautet nein. Ein Masterer hat eine gesunde Distanz zum Track, ein frisches Ohr. Er besitzt einen akustisch optimierten Raum, hochwertige Geräte und Plug-ins zur Bearbeitung. Er macht diese Aufgabe ständig und hat einen Überblick über Trends in den einzelnen Genres.

Warum aber ist es trotzdem sinnvoll, sich mit dem Thema DIY-Mastering zu beschäftigen und fit in diesem Themengebiet zu werden? Treten wir einen Schritt zurück und sehen uns einmal an, was Mastering eigentlich ist und, genauso wichtig, was es nicht ist. Daraus folgend ergibt sich schnell, wie und wann ihr selber Hand an eure Songs legen solltet und wann ein externes Mastering-Studio angebracht ist.

Mastering vs. Mixing

Diese früher stark getrennten Stadien einer Musikproduktion verschmelzen dank moderner Software, Stem-Mastering, schrumpfender Budgets und chronischem Zeitmangel immer mehr. Trotzdem sollte jeder die Unterschiede zwischen einem Mixing- und einem Mastering-Prozess kennen.

Beim Mixing geht es darum, die einzelnen Spuren einer Produktion (Vocals, Bass, Drums, ...) zu bearbeiten und zu optimieren. EQs, Kompressoren und andere Effekte stehen in jeder DAW bereit. Die richtigen Lautstärkeverhältnisse zueinander werden festgelegt, mit Hall, Delay und Panorama wird der Mix räumlich aufgeteilt. Eine kreative, künstlerische Arbeit, die in einem Mixdown endet.

Beim Mastering dagegen wird ein guter Mixdown noch weiter veredelt. Es wird nur noch diese einzelne WAV-Datei bearbeitet. Die Eingriffsmöglichkeiten eines Mastering-Studios beeinflussen den gesamten Mixdown. Zwar kann durch geschickten Einsatz von EQ, Kompressor, MS-Matrizen (Mitte-Seitensignal-Bearbeitung) oder Multibandkompression der ein oder andere Mixdown-Fehler korrigiert werden. Besser ist es aber, wenn euer Mix in sich stimmig ist. Das ist übrigens ein Vorteil von DIY-Mastering: Ihr könnt jederzeit zurück in die Mixing-Files euer DAW und dort bei Bedarf den Mix optimieren.

Beim Mastering sollen einzelne Tracks eines Albums aneinander angeglichen und die subjektiv empfundene Lautstärke erhöht werden. Außerdem sollen Probleme bei der Dynamik oder dem Frequenzgang im Mixdown gelöst werden. Gerade Letztere resultieren häufig aus der problematischen Raumakustik vieler Home-Studios. Mastering-Studios investieren viel Geld in Lautsprecher und Raumakustik, um ein optimales Arbeitsumfeld zu schaffen.

Darüber hinaus folgt dort die Zusammenstellung eines Albums. Dies beinhaltet Titelreihenfolge, Pausen, Fades, Metadaten, Export in verschiedene Dateiformate für Presswerk und Streaming-Portale. Dabei achtet man nicht nur auf den Gesamtklang einer Produktion, sondern überwacht auch technische Standards (Pegel, Exportformate), damit das Ergebnis dem Industrieniveau entspricht.

Aktuell beliebt ist Stem-Mastering. Hierbei mastert man nicht eine Stereospur, sondern liefert einzelne Gruppenspuren. Damit steigen natürlich die Korrekturmöglichkeiten deutlich an. Leider steigt die Komplexität eines Masterings mit der Anzahl der Stems. Wer für sein Mastering 24 Einzel-Stems benötigt, der hat nicht verstanden, was ein Mixdown ist.

Selbst mastern?

Kurzum: Mastering ist eine komplexe Tätigkeit. Warum sollte man dafür nicht stets einen Profi einsetzen? Viele betreiben Home-Recording als Hobby mit hohem Anspruch. Das Budget ist aber chronisch knapp. Einfach mal ein paar Hundert Euro für ein Mastering ausgeben? Für das Geld könntet ihr  stattdessen neues Equipment anschaffen. Wenn die eigene CD in Kleinauflage hauptsächlich nach Konzerten an Fans verkauft werden soll, muss es nicht unbedingt ein High-End-Mastering sein.

Auch in professionellen Studios gehört es zur Pflicht, zumindest rudimentäre Mastering-Expertise zu besitzen. Häufig verlassen Mixdowns schon vor Veröffentlichung das Studio. Die Agentur plant das Artwork, der Gitarrist will ein paar Veranstalter bemustern und der Typ von der Regionalzeitung wollte ein Feature über eure Band schreiben? „Schickt mal schnell ein paar aktuelle Songs rüber.“ Unsere Hörgewohnheiten kennen aber keine ungemasterten Songs mehr. Alles, was auf CD erscheint oder bei Spotify schlummert, hat eine Mastering-Kette durchlaufen. Wer dann mit einem halbfertigen Mixdown rüberkommt, der braucht sich keine Hoffnungen auf positive Kommentare machen.

Eigentlich ist es nicht ratsam, ungemasterte Mixdowns herauszugeben. Zumindest sollte man die Stereospur mit Kompressor und Limiter bearbeiten, um bei minimalem Zeit- und Geldeinsatz auf ein annäherndes Mastering-Niveau zu kommen. Ab und an erlaubt das Produktionsbudget schlicht und einfach kein umfangreiches externes Mastering. Wenn ihr hier Know-how besitzt, dann könnt ihr sparen. Wer lernen will, muss probieren und wer regelmäßig probiert, wird konstant besser. Diese Schritte und Werkzeuge führen euch zum gelungenen Do-it-yourself-Mastering.

Vor dem Mastering

Bevor es mit dem Mastering losgeht, entfernt all eure Plug-ins aus dem Master-Bus. Viele, Anfänger wie Profis, mischen gerne in einen Summenkompressor, um beim Mixdown ein Gefühl für die Verdichtung und für das Ergebnis eines Masterings zu bekommen. Das ist gut. Allerdings sollte man den Mixdown regelmäßig ohne Stereosummen-Bearbeitung prüfen. Funktioniert der Mix in Rohform oder nur mit Glutamat (Kompressor und Limiter)? Externe Mastering-Studios werden euch immer um eine Version ohne Bearbeitung der Summe bitten. Diese Arbeitsweise empfiehlt sich auch für das Mastering at home.

Überprüft nochmal vor dem Export die Einzelspuren. Gibt es Nebengeräusche auf Spuren? Habt ihr Low-Cuts sinnvoll gesetzt? Tieffrequente Signalanteile kosten Pegel. Beim Mixdown ist das vielleicht egal: Wenn es zu leise ist, dreht ihr die Abhöre lauter, aber für den Export geht das nicht. Bei 0 dBFS ist Schluss. Also filtert Mulm und Rumpeln konsequent raus. Doch Vorsicht: Hat euer Mix durch zu hohe Low-Cuts keinen Bassanteil, keinen Druck (zum Beispiel bei Bass und Schlagzeug), dann könnt ihr den beim Mastering kaum mehr erzeugen.

Wie ist der Dynamikverlauf eures Titels? Sind laute und leise Passagen austariert? Das laute Crash-Becken, welches zu Beginn eures Refrains 10 dB über dem Durchschnittspegel liegt, mag ein beeindruckender Effekt sein. Beim Mastering werdet ihr damit Probleme bekommen, wenn ihr den ganzen Song laut machen wollt. Das richtige Maß an Dynamik ist abhängig vom Genre. Habt ihr klassische Musik aufgenommen, darf es mehr Dynamik sein, als wenn ihr peitschenden Metall macht. Bevor ihr ans Mastering geht, solltet ihr alle Optionen im Mix ausgelotet haben: Gain-Staging, Automation durch Lautstärkekurven, EQs, Kompressor (auch Parallelkompression).

Mastering – aber womit?

In Mastering-Studios findet man fast immer analoge Hardware. Sie wird häufig für Klangformung und Mix-Glue (Zusammenführung der Einzelspuren) genutzt. Plug-ins kommen für chirurgische Eingriffe zum Einsatz. Dank Plug-ins, die stetig besser werden, ist ein Mastering in the box aber gerade im DIY-Bereich denkbar. Vorteile wie Total Recall und hohe Arbeitsgeschwindigkeit nehmen wir als Vorteil mit. Dabei kann man durchaus direkt in der DAW mastern. Wer tiefer in die Materie einsteigen will oder bestimmte Features benötigt, greift auf spezialisierte Software zurück.

Den vollständigen Workshop lest ihr in Recording Magazin 2/2019 – die Ausgabe könnt ihr direkt hier im Shop bestellen.

Text: Mark Schwarzmayr
Foto: SlateDigital

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