Billy Gibbons: Seine Gitarren, Verstärker und der Sound

12.06.2019 10:25

Was macht den Sound von Billy F Gibbons aus? Ist es der klare Humbucker-Sound für reichlich Pinch-Harmonics, sind es die dünnen Saiten für extravagante Bendings oder die Menge an schmatzendem Crunch-Sound der runtergeht wie eine eiskalte Margherita in einem texanischen Nachtclub... Egal, der Mann hat Geschmack! Erfahrt hier alles über seinen besonderen Sound!

Es kann nur eine geben

Billys Hauptgitarre ist eine 1959er Gibson Les Paul Standard mit leicht überwickelten Pickups. Der Legende nach verkaufte er ein Auto für die Anschaffung der Gitarre, welche ein Farmer unter dem Bett eines leerstehenden Hauses entdeckte und ihm für schlappe 250 Dollar anbot. Dies sei im Jahr 1968 geschehen. Fest steht: Das Instrument ist der definitive Grundpfeiler von Gibbons’ Sound – alle anderen Gitarren sind lediglich Experimente im Terrain dieser Gitarre.

Die Pickups von Pearly Gates sind an sich schon eine Legende – auch im Katalog des Herstellers Seymour Duncan, der sie seit gut 30 Jahren im Programm hat. Das Besondere an diesen Tonabnehmern gestaltet sich wie folgt: Ein hoher Anteil an Hochmitten in Verbindung mit dem äußerst luftigen Charakter der in alten PAFs üblichen Alnico-II-Magnete sorgen für einen singenden, aber stets klaren Ton. Billys Spielweise ist also besonders stark von diesem Sound geprägt. Wenn man es genau nimmt, spielt Gibbons geradezu mit dem stets in Obertöne kippenden Schmatz-Sound dieser Pickups.

Aber auch alles andere an dieser Gitarre scheint perfekt zu sein: das natürliche Sustain, ihr ebenso wuchtiger wie knackiger Sound. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Gibbons den Frequenzgang seiner Pearly-Gates-Les-Paul computergestützt auslesen ließ und sämtliche anderen Gitarrenmodelle durch einen parametrischen EQ-laufen lässt um sie diesem Sound anzupassen.

Bruzelnde Amps

ZZ Top verwendeten zu Anfangszeiten Fender-Tweed-Amps, die nicht mehr den Leistungs- anforderungen der Sixties entsprachen und daher sehr günstig zu bekommen waren. Diese Brüllwürfel ließ er stets am Rande des Röhrenmöglichen gnadenlos übersteuern, um einen saftigen und rotzigen Sound zu erzeugen. Es handelte sich um die Modelle Deluxe, Champ, Dual Professional oder Tremolux.

Billy ist allerdings auch Fan und treuer Anhänger des Marshall-Sounds. Er hatte bereits mit dem seligen Jimi Hendrix – für den Gibbons mit den Moving Sidewalks in den späten Sixties im Vorprogramm spielte – ausgiebig die Klangpalette der britischen Rauhbeiner erkundet. In vielen Schilderungen spricht er davon wie Hendrix und auch Jeff Beck ihn das Potenzial dieser Verstärker erschließen ließen. Wie Gibbons ebenfalls immer wieder gerne erzählt, ergatterte er sein bis heute favorisiertes Marshall-Stack aus dem Bestand der Jeff Beck Group – ein Roadie hatte es ihm vermittelt.

Seit gut dreißig Jahren hat Gibbons seine Plexis ausschließlich für den Studio-Einsatz abgestellt und verwendet live stattdessen Valvestate-Racksysteme von Marshall. Denn es ist das Ansinnen Gibbons seinen Sound in jeder Location singend, druckvoll und crunchig rüber zu bringen. Dafür hat er sich Anfang der '90er Jahre einmal ganz schön auf den Hosenboden gesetzt und ein Konzept entwickelt, von dem er bis heute schöpfen kann. Das passt bestens zu Gibbons Mentalität – er pflegt seine Traditionen, denkt aber stets fortschrittlich und langfristig.

Sein lässiger Mojo

 

Gibbons spielt dünne Saiten, sehr dünne Saiten. Seine Signature-Sätze von Dunlop verfügen über eine .007er- oder .008er-Saite für das hohe E. Außerdem experimentiert Gibbons mit tieferen Stimmungen und extrem langsamen Bendings, die am Rande eines falschen Tons stehen – gerne „bendet“ er auch gegen den Strich – also per Release-Bend nach unten. Für besonders knallige Pinch-Harmonics verwendet Gibbons derweil mexikanische Peso-Münzen oder Metall-Plektren.

Das wichtigste Mojo-Motto heißt bei Gibbons aber: Nie den Spieltrieb verlieren und nie aufhören progressiv zu denken. Gibbons holte und holt aus seinem Equipment nur aufgrund seiner gewitzten jugendlichen Art solch lebendige und originelle Sounds und Ideen heraus. Blues heißt nicht automatisch Rückwärtsgewandtheit - was im derzeitigen Vintage-Wahn gerade völlig übersehen wird. Manche Gourmet-Blueser sind in heutiger Zeit geradezu missionarisch bemüht den Blues-Rock von der Unterhaltungs- in die Ernsthaft-Musik zu hieven, ihn also mit klassischen Konzerterlebnissen gleichzusetzen. Halten wir einen Moment inne und danken Mr. Gibbons, dem Jungbrunnen des Blues-Rock.

Neugierig geworden? In guitar 07/2019 findet ihr alles über die Spieltechniken und den Mojo des Reverends. Ab jetzt im Handel und im PPV-Shop.

Newsletter
Immer aktuelle Informationen zu Neuerscheinungen, Angeboten & Produkten.

* Abmeldung jederzeit möglich

Einverstanden!

Diese Webseite verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Mehr Informationen