Black Sabbath: Von blau zu schwarz - Workshop-Special

20.02.2020 09:26

Eins vorneweg: Natürlich sind Black Sabbath nicht die alleinigen Erfinder des Heavy Metals. Mit Deep Purple und Led Zeppelin haben sie mindestens zwei weltbekannte Mitstreiter, die mit Songs wie „Speed King“ beziehungsweise „Achilles' Last Stand“ ihre Proto-Metal-Ansprüche in Sachen Riffs, Geschwindigkeit und Verzerrung gelten machen – dazu kommen geschätzt einige hundert unbekannte. Gerade Psychedelic-Bands der Sechziger wie Coven, Blue Cheer oder Black Widow schielten auch was die Songtexte anging gerne mit mehr als nur einem Auge ins Okkulte. Und das Konzept des „Riffs“ (also einer kurzen, sich wiederholenden musikalischen Idee) ist schon bei den Klassikern zu finden – ich sag' nur Beethovens Fünfte.

Alles neu
Heute wollen wir es aber simpel halten, und deshalb haben Black Sabbath jetzt einfach mal den Metal erfunden. Basta. Die Frage, die uns umtreibt, ist: Wie? Schaut man sich in der Musikgeschichte um, so entsteht ein neues Genre meist aus der Weiterentwicklung bereits vorhandener, bekannter Sounds und kompositorischer Eigenheiten. Die Betonung des Offbeats ist dem Ska zum Beispiel ebenso eigen wie dem Reggae, und basslastige Synths und Drums findet man in quasi allen EDM-Spielarten.
Am besten lässt sich dieses Erneuern musikalischer Ideen vielleicht am Blues und Rock'n'Roll nachvollziehen. Letzterer ist seinem Vorfahren oft so ähnlich, dass frühe Rock'n'Roll-Aufnahmen schlicht wie ein äußerst flotter Blues klingen. Das oft beschworene 12-taktige Bluesschema (im ursprünglichsten Blues übrigens auch nicht immer gegeben) taucht hier ebenso auf wie die klassische Gitarre-Bass-Drums-Instrumentierung der meisten elektrischen Blues-Stile, die ihrerseits eine Weiterentwicklung der akustischen Urform darstellen.
Was hat das jetzt alles mit Black Sabbath zu tun? Tja, vergleicht man diese Jahrzehnte-lange Entwicklung mit den wenigen Jahren Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger, fällt auf, in welch kurzer Zeit Sabbath & Co. die seit Dekaden gewachsenen Musiktraditionen auf den Kopf zu stellen suchten. Aufbruch und Experimentierfreude lagen in der Luft, gefragt war, wer Neues schaffen konnte. Nur ist das nicht so einfach. Wie bei dem bekannten Gedankenspiel mit den Farben, kann man zwar beliebig viele mischen, es ist aber unmöglich, sich eine neue auszudenken.

Mythologie & Coversongs
Die „Farben“ die Tony, Geezer, Bill und Ozzy zusammen mischen sollten, sind vielfältig. Sowohl Rare Breed als auch Mythology (die beiden Bands, in denen die Mitglieder vor ihrem Zusammenschluss aktiv waren) können wir grob als aggressiven Bluesrock mit Psychedelic-Einschlag „einschubladisieren“ – einem Jimi Hendrix nicht unähnlich. Ozzy steht total auf Soul und die Beatles, Butler und Ward nennen Jazzer als ihre Einflüsse, und Tony Iommi bezieht seine frühe Inspiration nicht nur aus dem Blues sondern auch von Gypsy-Meister Django Reinhardt und Shadows-Gitarrist Hank Marvin. Nachdem das „British Blues Revival“ in den Sechzigern Bands mit einem härteren Sound wie Led Zeppelin oder Cream hervorgebracht hat (die Melodie des „Sunshine Of Your Love“-Riffs taucht übrigens in abgeänderter Weise in mehr als nur einem Sabbath-Song auf), finden sich die vier Birminghamer unter dem Moniker Earth Blues Company – später kurz Earth – zusammen, um Blues- und Rock-Cover zu spielen – damals die verlässlichste Art, an lokale Gigs zu kommen.
Gecovert wird, was das Publikum hören will. Elvis' „Blue Suede Shoes“ zum Beispiel, von dem es sogar eine frühe Filmaufnahme der Band gibt. Aber auch die ersten zaghaften Schritte ins Songwriting geben Aufschluss, wie aus Earth Sabbath wurde. „The Rebel“, „When I Came Down“ und „Early One Morning Blues“ geistern alle als, meist auf 1969 datierte, Demoaufnahmen durchs Netz und zeigen deutlich, dass der Band vor ihrer Hinwendung zum düsteren Klang- und Textideal noch eine klare Identität fehlte. „The Rebel“ ist eine hoffnungsvolle Hippie-Hymne, für die sich Iommi anscheinend trotzdem nicht überreden ließ, das Gain zurückzufahren, „Early One Morning Blues“ eine kompromisslose Bluesrock-Nummer der flotteren Sorte, die ordentlich zur Sache geht und einen guten Anhaltspunkt gibt, wie Pre-Sabbath ihre Covernummern anging. „When I Came Down“ klingt am ehesten nach einem Mythology-Song – nicht etwa Riffs sondern Akkorde bilden die Grundlage des Stücks, Tonys Licks und die kleinen Läufe, die Bass und Gitarre gemeinsam vollziehen, deuten aber bereits an, wie Sabbath ihre Kompositionen künftig arrangieren werden.

Mit welchen gitarristischen Mitteln Sabbath den Heavy Metal prägten erfahrt ihr im kompletten Workshop-Special mit Noten, Tabs und Songbeispielen in der guitar 03/2020.

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