Bühnenmikrofone: Welches Mikro ist das richtige?

30.05.2017 12:19 | Veranstaltungstechnik

Buehnenmikrofone

Welches Mikro nimmt man am besten für die Bassdrum? Wie kommen die Toms knackig und wuchtig rüber? Und wie überträgt man die akustische Gitarre optimal? Was im Studio gut funktioniert, ist live nicht unbedingt der Kracher.

So hat man es auf der Bühne in der Regel mit Bodenmonitoren, Drumfills und Sidefills zu tun, falls kein In-Ear-Monitoring-System (IEM) zur Verfügung steht. Aus diesem Grund ist das Rückkopplungsproblem eines der zentralen Themen bei der Mikrofonauswahl und deren Positionierung auf der Bühne. Während man sich bei der Mikrofonwahl im Studio ausschließlich auf den Klang konzentrieren kann, spielen live auch andere wichtige Faktoren eine Rolle.

Die Mikrofonauswahl auf der Bühne ist also immer ein Kompromiss, mit dem man alle Anforderungen möglichst gut unter einen Hut bekommen muss. Gerade der Club- oder Kneipengig in einer relativ kleinen Location ist diesbezüglich eine echte Herausforderung, da die unterschiedlich lauten Schallquellen auf der Bühne zu einem homogenen Klangbild zusammengefügt werden sollen.

Dynamische Mikrofone

Nach wie vor werden auf der Bühne vorwiegend dynamische Mikrofone eingesetzt. Dynamische Mikros funktionieren im Grunde genommen wie ein Fahrraddynamo. Die Mikrofonmembran und die auf der Rückseite angebrachte Spule werden vom Schalldruck zu Schwingungen angeregt. Ein Permanentmagnet erzeugt das Magnetfeld, in das die Spule eintaucht. Dadurch wird in der Tauchspule eine Spannung induziert, die als Nutzsignal am Ausgang des Mikros zur Verfügung steht.

Tauchspulenmikrofone haben ein deutlich höheres Membrangewicht, wodurch die Impulsübertragung leidet. Anders ausgedrückt: Ein dynamisches Mikro überträgt hochfrequente Schallimpulse schlechter als ein Kondensatormikro – wird aber eben auch nicht von jedem kleinen Schallimpuls angeregt. Deshalb sind viele dynamische Mikros unter nicht optimalen Beschallungsbedingungen etwas gutmütiger als Kondensatormikrofone und koppeln nicht ganz so schnell. Nicht ohne Grund hat sich das Shure SM58 mit dynamischer Kapsel als Standard-Bühnenvokalmikro durchgesetzt.

Kondensatormikrofone

Kondensatormikrofone hingegen werden auf der Bühne immer mal wieder eingesetzt, zum Beispiel für die Abnahme der Becken oder als Vocalmikro für den anspruchsvollen Sänger – gerade auf großen Bühnen. Kondensatormikrofone, wie das AKG C 391 oder das Sennheiser e 914 werden auch auf der Bühne gern für die Abnahme der Hi-Hat oder der Schlagzeugbecken genommen.

Beim Einsatz eines Kondensatormikros sollte man jedoch darauf achten, dass das Mikro eine frequenzstabile Richtcharakteristik hat, da es sonst schnell zu Rückkopplungen kommt. Einige günstige Kondensatormodelle erfüllen diese Anforderung nicht zufriedenstellend und erzeugen dadurch schnell Feedbacks.

Richtcharakteristik

Die Rückkopplungsempfindlichkeit eines Mikrofons hängt nicht nur vom Wandlerprinzip ab – auch die Richtcharakteristik spielt eine entscheidende Rolle. Die meisten Mikros, die im Live-Bereich eingesetzt werden, haben entweder Nieren- oder Supernierencharakteristik. Mikrofone mit Nierencharakteristik nehmen den Schall von vorn sehr laut auf und bedämpfen rückwärtig einfallende Signale am stärksten.

Demgegenüber liegen bei Supernierenmikros die Winkel maximaler Bedämpfung bei 125°, bzw. 235° - also von schräg hinten links und rechts. Die Bodenmonitore sollten bei Super- oder Hypernieren immer auf die Seite des Mikrofons ausrichten, welche die stärkste Bedämpfung aufweist. In diesem Fall wird das Monitorsignal vom Mikro sehr stark bedämpft, wodurch sich Rückkopplungen vermeiden lassen.


Mehr zum Thema:

Wer mehr über Bühnenmikrofone erfahren möchte, dem empfehlen wir den Artikel „pma Basics – Bühnenmikrofone“ in der pma Ausgabe 3/2017.

Wie man das richtige Mikrofon für Live- und Studioanwendungen auswählt und das abgenommene Signal optimal im Mix platziert, erklärt das Buch „Mixing Workshop – Leitfaden für Beschallung und Homerecording“.

 

 

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