Der 2. Düsenjäger der Welt kam aus Italien

15.08.2017 09:12 | Luftfahrt

Die Luftfahrtindustrie Italiens war zwischen den Weltkriegen innovativ und italienische Flugzeuge hielten viele Weltrekorde. Der luftfahrtbegeisterte Diktator Benito Mussolini förderte die Fliegerei, sein Sohn und Schwiegersohn waren Piloten der italienischen Luftwaffe. Mit der Entwicklung eines Strahlantriebs wollte Italien eine Spitzenposition unter den Techniknationen erreichen.

caproni campini cc2 erstes strahl-flugzeug italiens


Das italienische Konzept sah den Antrieb des Luftverdichters, nicht wie heute durch eine Verbrennungsturbine am Ende des Triebwerks vor. Der Verdichter sollte durch einen leistungsstarken Kolbenmotor angetrieben werden.
Gegen die Verwendung einer Verbrennungsturbine als Antrieb für den Kompressor hatten viele Luftfahrtingenieure in aller Welt große Vorbehalte. Damalige Turbinen waren große Treibstoffschlucker. Es stand zu befürchten, dass ein Flugzeug mit einem durch eine Verbrennungsturbine angetriebenen Verdichter nur wenige Minuten würde fliegen können. Zusätzlich ergab sich ein Materialproblem. Wenn die Turbine effektiv arbeiten sollte, musste die Verbrennungstemperatur sehr hoch liegen, dies würde die Schaufeln der Turbine extrem belasten und aus Festigkeitsgründen auch sehr schwer machen. Wird die Welle mit dem Kompressor dagegen durch einen Kolbenmotor angetrieben, sieht die Treibstoffbilanz völlig anders aus. Es könnte durchaus etwas aus der Idee  werden. Im italienischen Luftfahrtministerium sah man hier Entwicklungspotenzial.

caproni campini cc2 benito mussolini 1941

(Abbildungen: Sammlung Wurster)
Benito Mussolini, dem der Entwurf später vorgelegt wurde, war deswegen begeistert, weil er damit gegenüber seinem deutschen Verbündeten Adolf Hitler angeben wollte. Von den bereits in Deutschland laufenden, natürlich geheimen Entwicklungen war in Italien damals ja nichts bekannt. Der erste Düsenjäger der Welt, die Heinkel He 178 war im August 1939 erstmals geflogen.
Am 27. August 1940 startete das Versuchsflugzeuge Caproni-Campini C.C.2 bei Mailand zum Jungfernflug. Es war damit das zweite Düsenflugzeug der Geschichte. Die militärische Lage Italiens verschlechterte sich zusehends, sodass von einer Weiterentwicklung dieses interessanten Antriebskonzeptes abgesehen wurde.
Mehr zu diesem ungewöhnlichen Flugzeug, seiner Entwicklung und den Testflügen lesen Sie in der FliegerRevue X Nr. 66.

Kommentar eingeben

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.