Cargo-Kult: Flugzeuge als Götter

07.08.2018 14:24 | Luftfahrt

Ab 1943 begannen die amerikanischen Truppen auf einsamen Inseln im Pazifik Stützpunkte für den Kampf gegen Japan zu errichten. Dabei wurde Land gerodet, eine Startbahn für Flugzeuge und Gebäude für die Technik und zur Unterkunft gebaut. Während Flugzeuge den Nachschub brachten, standen Eingeborene am Zaun und staunten über das Treiben der weißen Menschen. Die Flugzeuge mussten nach ihrem Verständnis Götter sein, da sie durch die Luft fliegen konnten. Nach der Landung öffnete sich der Leib der Götter und viele interessante Gegenstände wurden herausgeholt. Bei Kontakten zu den Soldaten nach diesen Gegenständen gefragt, erhielten die Einwohner zur Antwort, dies sei Cargo (Fracht). Einige Geschenke gaben die Soldaten den Eingeborenen mit, andere holten diese sich von Müllbergen. So brachten die Kundschafter mal ein Kleidungsstück, Essbesteck oder interessanten Abfall mit ins Dorf. Es gibt ein Foto, welches einen Häuptling stolz mit einer leeren Fischkonservendose als Kopfschmuck zeigt.

Die Landebahn der Eingeborenen mit einem Tower (Abbildungen: youtube.com)

Irgendwann kam der Gedanke auf, die fliegenden Götter anzulocken und so die ganze Ladung an Geschenken zu erhalten. Wenn man sich also genauso benimmt, wie die Fremden, würden die Götter auch beim Stamm landen. So entstand das, was als Cargo-Kult bezeichnet wird: Die Nachahmung von Verhaltensweisen ohne den Sinn dahinter zu verstehen. Die Eingeborenen legten eine kleine Landebahn an, bauten einen kleinen Tower, steckten Stöcke als Antennen in die Erde und Männer gingen mit einem Stock über den Schultern auf Wache auf und ab. Um den Göttern zu zeigen, dass es hier sicher ist, wurden Flugzeug-Attrappen aus Holz und Blättern angefertigt. Natürlich landete kein Gott auf der kleinen Landebahn der Eingeborenen und die Enttäuschung muss nach all dem Aufwand für den Bau groß gewesen sein. Die Amerikaner zogen bald wieder ab, aber es blieben die Erzählungen von den fliegenden Göttern, die Cargo gebracht hatten.

Der Cargo-Kult zeigt, dass bei wichtigen Éreignissen, die sich der Erklärung entziehen, Nachahmung eine Form der Annäherung an das Geschehen sein kann.

Das Cargo-Kult-Argument wird heute gerne von Vertretern eines Besuchs von außerirdischen Astronauten auf der Erde in der Vorzeit gebracht. Überall auf der Welt finden sich Bilder oder Figuren, die, je nach der Voreinstellung des Betrachters, als Raumfahrer identifiziert werden könnten. Die damaligen Eingeborenen hätten sich die Erinnerung an die gottgleichen Besucher erhalten und versucht, die Gestalt dieser Außerirdischen darzustellen, so das Cargo-Kult-Argument.

Auf der Internetseite von Erich von Däniken findet sich folgende Geschichte. Im Norden Brasilien an einem Nebenfluss des Amazonas lebt abgeschieden der Stamm der Kayapo. Der erste dauernde Kontakt mit Außenstehenden soll 1952 stattgefunden haben, obwohl schon viel früher ein Reisebericht von 1857 über den Stamm veröffentlicht wurde. Das Volk feiert jährlich ein Fest zu Ehren ihres Lehrmeisters Bep-Kororoti, der einst vom Himmel herabstieg, unverwundbar durch Pfeile oder Speere war und dem Volk der Kayapo Wissen brachte. Dann flog er wieder zum Himmel zurück. Ein Mann läuft bei dem Fest als Lehrmeister durch das Dorf und trägt einen aus Stroh geflochtenen Anzug (Foto), der aussehen soll, wie einst Bep-Kororoti.

Ein anderes Beispiel, welches oft bei der Diskussion um vorgeschichtliche Astronauten angeführt wird, sind die japanischen Dogu-Figuren, die aus einer Periode von 1000 bis 400 Jahre vor Christi Geburt stammen. Sie sollen himmlische Götter darstellen und darin sind selbst bei wohlwollendem Betrachten nur extrem abstrahierte Menschen zu sehen.

Uwe W. Jack

 

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