Keyboarder Christian Besch im Interview

24.06.2019 12:25

Nachdem er schon mit der Band Luxuslärm große Erfolge gefeiert hat, spielt Keyboarder Christian Besch nun seit 2018 in der Band von Rea Garvey, mit dem er auch dieses Jahr wieder auf Tour geht. Neben seiner Bandtätigkeit tritt Besch auch als Musikproduzent, Hochschuldozent oder Business-Trainer in Erscheinung. Außerdem hat er in Köln eine eigene Musikschule gegründet. Wie er dort hinkam, wo er heute ist, erzählt der sympathische Vollblutmusiker in einem interessanten Gespräch mit Tastenwelt-Autor Detlef Gödicke.

Christian Besch
Christian Besch begann schon mit sechs Jahren Klavier zu spielen. © Katja Irion

Es ist eher selten, dass sich Musiker beruflich derart breit aufstellen wie Christian Besch, derzeit in Lohn und Brot als Keyboarder in der Band des irischen Top-Sängers Rea Garvey. So arbeitet der umtriebige Kölner mittlerweile auch als Musikproduzent, Produktspezialist für Ableton, Leiter einer Musikschule, als Dozent an der Kölner Universität und als Business-Trainer.

Wie kamen Sie zur Musik?

Christian Besch: Im Alter von sechs Jahren begann ich Klavier zu spielen. Wir sind eine große Familie, ich habe noch drei Brüder, allerdings bin ich der einzige Musiker darunter. Meine Eltern förderten mich, kauften mir ein Klavier, später sogar einen Konzertflügel, und schickten mich zum klassischen Klavierunterricht an eine Musikschule

Wie entdeckten Sie die Popmusik für sich?

CB: Mit 14 Jahren hörte ich für einige Zeit mit dem Unterricht ganz auf, da ich mit meinem Lehrer nicht zurechtkam. Per Zufall geriet ich in eine Musikschule um die Ecke und traf dort auf Werner Dräger, einen Klavierlehrer, der viel im Gala-Bereich spielte, unter anderem für Ingrid Peters. Ich nahm bei ihm Unterricht und er führte mich neben der Klassik auch zur Musik von Elton John und anderen Klavierhelden der Neunzigerjahre. Bei ihm begriff ich, dass ich mit einer guten Klaviertechnik aus der Klassik auch in der Lage bin, gut Popmusik spielen zu können.

Spielten damals schon elektronische Geräte für Sie eine Rolle?

CB: In der Tat. Am Atari-Computer meines Lehrers machte ich mit seiner Unterstützung erste Gehversuche im Songwriting. Ich fuhr dann voll auf Eurodance-Musik ab und kaufte mir später selbst einen Atari.

Beschreiben Sie Ihre ersten Banderfahrungen.

CB: Als ich 16 war, fragte mich Werner Dräger, ob ich ihn in seiner Gala-Band ersetzen wolle. Die Band hatte bis zu drei Auftritte jede Woche und ich benötigte dafür vernünftiges Equipment. Ich übernahm einen Ferienjob in der Firma meines Onkels, wofür dieser mir den Kauf eines Yamaha SY99 ermöglichte – für mich damals ein sündhaft teurer Synthesizer. Durch die Einsätze in der Gala-Band konnte ich ihn natürlich relativ schnell abbezahlen.

Beschreiben Sie Ihre Rolle in der Band.

CB: Es war eine klassische Gala-Band. Wir begleiteten viele Künstler, mussten daher auch vom Blatt spielen können, machten Dinnermusik, Tanzmusik – das ganze Programm. Die Band nannte sich „Eurodancing-Band“. Ich konnte zunächst mit der Musik nichts anfangen, wuchs aber sehr schnell hinein und letztendlich wurde das Ganze eine hervorragende Schule für mich.

Ging Ihnen das denn als 16-jähriger locker von der Hand?

CB: Es war zunächst sehr schwer und bedeutete viel Arbeit. Ich musste mir in kurzer Zeit 180 Titel erarbeiten, Leadsheets lesen und deuten lernen, ein Gefühl für das Zusammenspielen entwickeln – es war ja meine erste Band überhaupt. In der Zeit entwickelte sich dann mein Wunsch, Musik zu studieren.

Beschreiben Sie Ihr Musikstudium.

CB: Ich studierte Schulmusik in Saarbrücken mit Hauptfach Klavier und Nebenfach Gesang. Dazu gab es natürlich die klassischen Fächer wie zum Beispiel Harmonielehre, Partiturspiel oder Arrangierlehre. Den Klavierunterricht hatte ich bei der gleichen Professorin wie die reinen Klavier-Studierenden.

Besteht ein Unterschied zwischen einem Schulmusik- und einem Instrumentalmusik-Studium?

CB: Ja, die Schulmusiker haben auch Fächer wie Germanistik oder Musikwissenschaft und daher nicht so viel Zeit, den Fokus voll auf das Hauptinstrument zu richten. Ich war zu der Zeit zweigleisig unterwegs, denn ich machte immer auch Live-Musik in meiner Band.

Christian Besch (rechts) auf der Bühne mit Rea Garvey
Durch seine Arbeit mit Rea Garvey (links) wurde Christian Besch einem breiten Publikum bekannt.

Wie ging es weiter?

CB: Ich machte meinen Abschluss inklusive Referendariat und war anschließend über sieben Jahre an einem Gymnasium als Musiklehrer tätig. Meine Verbeamtung kündigte ich erst im Juli 2017.

War denn ein Engagement wie bei der Band „Luxuslärm“ mit dem Schulbetrieb vereinbar?

CB: Ich hatte als Lehrer nur eine halbe Stelle, zudem unterstützte die Schulleitung mich sehr gut und bei meinen Schülern hatte ich als praxisorientierter Musiklehrer ebenfalls immer ein gutes Standing. Meine vielen Fernsehauftritte taten dann ihr Übriges. Der Wochenrhythmus bedeutete in der Regel: Montag bis Mittwoch – Schule, Donnerstag bis Sonntag – Band.

Warum begeisterten Sie sich für den Musikstil Eurodance?

CB: Mich haben elektronische Sounds fasziniert – das gilt bis heute. Bei meinem Lehrer damals arbeiteten wir mit Logic an seinem Atari. Später entdeckte ich den internen Sequenzer des SY99 und spielte viel damit herum. Die Sounds waren erheblich druckvoller als die der ersten Software-Synthesizer.

Wie lange spielten Sie in der Gala-Band.

CB: Bis 2010. Ich hörte auf, als ich beschloss, nach Köln zu ziehen. Die Hauptzeit in der Band war von 1996 bis 2004. Danach nahm die Zahl der Auftritte ab, da auch der Hype um Gala-Bands abnahm.

Warum zogen Sie nach Köln?

CB: Von 2008 bis 2010 machte ich noch im Saarland mein Referendariat bis zum zweiten Staatsexamen. Dann bot sich mir ein Lehrerjob mit Verbeamtung in Köln. Da mir damals die Anstellung als Beamter sehr wichtig war, entschied ich mich zum Umzug.

War das die richtige Entscheidung?

CB: Mit Sicherheit, denn in Köln ging quasi meine musikalische Karriere los. Es war natürlich auch Glück im Spiel, denn im Saarland bekam ich keine Stelle. Mehr oder weniger aus Trotz schaute ich mich dann woanders um und wurde am Rhein fündig. Für mich ist es lustig, denn Auslöser für den Umzug war ja der Lehrerjob. Ein Jahr später ging es dann dort mit „Luxuslärm“ los. In Saarbrücken wäre das wahrscheinlich nicht möglich gewesen.

Wie kamen Sie zu „Luxuslärm“?

CB: Ich spielte im Saarland in mehreren Bands, viel im Trierer Raum und bei der Coverband „Challengers“ in Luxemburg. In der Zeit hatte ich einen sehr guten Draht zu Michael Brettner, derzeit Gitarrist bei Matthias Reim.

Wie kam dieser Kontakt zustande?

CB: Michael Brettner wohnte in einem Nachbarort. Dort gab es eine Band namens „Gimme Five“, in der auch der erste Bassist der Heavytones spielte. Michael zog wie ich nach Köln und dort traf ich ihn zufällig nach meinem eigenen Umzug. Wir tauschten unsere neuen Kontakte – zum Glück, denn er kannte den Produzenten von „Luxuslärm“. Die Band war auf der Suche nach einem Keyboarder. Michael wiederum war es dann, der mich dort ins Gespräch brachte, und man lud mich zu einer Audition ein.

Bitte beschreiben Sie die Anforderungen bei der Audition.

CB: Ich hatte nur drei Tage Zeit bis zu dem Termin und war noch mit einer ABBA-Coverband unterwegs. Der Schlagzeuger von „Luxuslärm“, gleichzeitig auch Livemanager der Band, nannte mir bei der Kontaktaufnahme fünf Titel, die ich vorbereiten sollte. Ich interpretierte sie dann bei der Audition auf die Art, wie ich sie spielen würde, und hatte den Job.

Christian Besch (links) auf der Bühne mit Rea Garvey
Seit 2018 begleitet Christian Besch (l.) als Keyboarder Rea Garvey (vorne mitte) auf dessen Konzerten. © Rocketchris

Wie kamen Sie dann zu Rea Garvey?
CB: Gute Frage. Zunächst kam ich über Patrick Fa, den Drummer von Rea, in einen Castingpool. Patrick ist nämlich auch der Musical Director von Rea, er ist von Beginn an dabei, und ich spielte zuvor mit ihm gemeinsam für Stefanie Heinzmann. Sie war als musikalischer Gast bei „Luxuslärm“ eingeladen, brachte Patrick als Drummer mit, wir standen zusammen auf der Bühne, fanden uns sympathisch und tauschten die Kontakte.

Wann wurde es konkret?
CB: Im Dezember 2017 rief mich Patrick an, ob ich nicht Lust hätte, 2018 mit ihm zusammen Musik zu machen. Es kam dann zu einer längeren Audition für Rea. Ich war der letzte der Keyboarder, die vorspielten, und auch der Neuling, denn die anderen Kollegen kannte Rea bereits. Wir probten eine Woche und spielten auch einige Shows – das erste Konzert war direkt eine TV-Produktion für das ZDF. Anschließend folgte die Entscheidung von Rea, dass ich auch die Tour spielen dürfe.

Haben Sie selbst denn Sub-Keyboarder, die für Sie spielen, falls Sie verhindert sind?
CB: Im Augenblick nicht. Ich kann nicht sagen, was passiert, sollte ich krank werden. Bislang ergab sich diese Situation zum Glück noch nie.

Das vollständige Interview lesen Sie in Tastenwelt 4/2019 – die Ausgabe können Sie direkt hier im Shop bestellen.

Text: Detlef Gödicke

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