Das Delay – Eine kurze Geschichte eines Effektklassikers

17.07.2017 15:31 | Musikproduktion

Im Laufe der Zeit hat sich das Delay ziemlich weiterentwickelt. In den Anfangstagen realisierte man den Delay-Effekt über zwei Bandmaschinen, die zeitlich leicht versetzt liefen. Einer der ersten Anwender war Les Paul (ja genau, der mit der Gitarre), der dies in den 1950ern mitentwickelte.

Aus diesem Verfahren entstand das Tapedelay. Spezielle Geräte, die ein Signal über einen Aufnahmekopf aufnahmen und über einen Wiedergabekopf abspielten. Aus der Distanz (in cm) und der Bandgeschwindigkeit (m/s) ließen sich verschiedene Verzögerungszeiten generieren. Über mehrere Wiedergabeköpfe durchaus auch komplexere Rückwurfmuster.  Die Klangqualität dieser auf magnetischen Verfahren (weil das ist letztlich eine Tonbandaufzeichnung) basierenden Kisten war zwar alles andere als Hi-End, aber die Sounds hatten Charakter und damals gab es keine Alternativen. Wer ein Delay wollte, musste ein Tape-Delay kaufen. Gleichlaufschwankungen, Höhenverlust, Bandsalat und Wartungsaufwand gab es gratis oben drauf. Diese Vintagepatina ist heute wieder sehr angesagt, weshalb die Gebrauchtmarktpreise geradezu durch die Decke gegangen sind.

Hall und Echokammern waren ebenfalls sehr früh am Start. Tonstudios hatten spezielle Räume. Diese waren leer und mit glatten Wänden ausgestattet. In Ihnen wurde ein Lautsprecher sowie ein Mikrofon platziert. Der Produzent gab das mit Delay oder Hall zu versehende Signal auf den Lautsprecher und zeichnete das Ergebnis mit dem Mikrofon wieder auf. Art der Echos, Delays oder Hallzeiten waren durch die Architektur vorgegeben und nur extrem aufwändig zu variieren. Die Capitol Studios (Los Angeles, Kalifornien) verfügen z.B. über mehrere Hallkammern und auch hier hatte Les Paul seine Entwicklerfinger drin. Einen einzelnen Rückwurf, ein simples Delay, bekommt man mit einer Hallkammer aber nicht hin, ein anderer Weg musste beschritten werden.

Analoge Delays (Eimerkettendelays) waren der nächste Schritt in der Audiowelt. Weniger störanfällig, kleiner und leichter wurden Delays sowohl im Studio wie auch bei Beschallungsanwendungen auf breiter Basis verfügbar.

Digitale Delays stellten den folgenden Entwicklungssprung dar. Man sampelte das Signal ab, speicherte es im RAM und spielte es verzögert wieder aus. Da zu Beginn der Digitaltechnik die AD/DA-Wandler alles andere als lupenrein waren und die Bitrate/Samplefrequenz aus Speicherplatzgründen reduziert wurde, haben ältere Digitaldelays ebenfalls ihren eigenen Soundcharme. Reine digitale, algorhythmische Delays, wie wir sie heute in DAWs und Mischpulten finden, sind natürlich frei von den teils gehassten, teils geliebten Artefakten.

 

Mehr zu diesem Thema könnt ihr in der SOUNDCHECK 02/2017 nachlesen.

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