GSi DMC-122: Ein außergewöhnlicher Controller

07.08.2019 18:33 | Testberichte, Klavier und Keyboard

Der Hersteller GSi ist bekannt für seine Sound-Engine VB3, eine der besten und beliebtesten Tonewheel-Orgel-Simulationen, die unter anderem den Sound der Crumar-Mojo-Orgeln erzeugt. Der DMC-122 ist im Prinzip wie eine solche Orgel aufgebaut, nur hat er keine eingebaute Klangerzeugung. GSi bewirbt den DMC-122 als soliden und dabei tragbaren MIDI-Controller mit zwei Manualen und einer Oberfläche im Orgelstil. Der DMC-122 soll mit einer ganzen Reihe von Funktionen aufwarten, die in keinem anderen Controller zu finden sein sollen. Wir haben dieses ausgefallene Tasteninstrument für Sie getestet.

GSi DMC-122
Mit seinen zwei Manualen und physischen Zugriegeln ist der DMC-122 von GSi ein MIDI-Controller besonderer Art. © GSi

Was ein Controller-Keyboard ist, betrachten wir einmal als allgemein bekannt: Ein Keyboard, das „Etwas kontrolliert“. Dieses „etwas“ kann eine Software sein, zum Beispiel eine DAW, die von außen angesteuert wird. Klar, irgendwie braucht man ja ein Einspielkeyboard, das der DAW die notwendigen musikalischen Informationen liefert. Ein Controller-Keyboard kann aber nicht nur Musik-Noten in Form von MIDI-Daten von sich geben, sondern darüber hinaus auch noch eine Menge weiterer Funktionen (diverse Controller) steuern, sodass man in Echtzeit und intuitiv Zugriff auf sie hat und sie nicht per Maus am Bildschirm drehen oder einzeichnen muss.

Das zu steuernde „Etwas“ kann aber neben einer DAW mit den dort gehosteten Plug-ins, vornehmlich im Studio, natürlich auch eine standalone, also eigenständig, betriebene Software sein, etwa auf einem Laptop, da heutzutage auch immer mehr Musiker mit virtuellen Instrumenten auf die Bühne gehen. Es bedarf dann tatsächlich nur noch einer Controller-Tastatur, die die gewünschten Klangerzeuger steuert.

Schließlich gibt es auch noch sogenannte Expander, externe Hardware-Klangerzeuger, sozusagen Instrumente ohne Tastaturen. Die sind zwar in den letzten Jahren weniger geworden, aber es gibt sie noch. Keyboarder haben sie dann oftmals in mehr oder weniger hohen Racks neben sich eingebaut und steuern sie von einer zentralen Tastatur-Einheit aus, eben einem Controller. Die häufig synonym verwendeten Begriffe „Masterkeyboard“ und/oder „Controller-Keyboard“ mögen dabei durchaus verwirrend sein, weil sie sich in ihrer Bedeutung überlappen und dasselbe meinen. Ihr Sinn und Zweck ist also das Ansteuern von Klängen über MIDI, wobei sie in der Regel keine, oder wenn, dann nur ganz wenige einzelne eigene Sounds besitzen. Ihr Fokus liegt stattdessen auf einer gut spielbaren Tastatur und Knöpfen und Reglern zur MIDI-Steuerung.

GSi und Crumar

Der hier vorgestellte Controller GSi DMC-122 sprengt in mehrerlei Hinsicht manche Grenzen. Doch der Reihe nach: Wer ist eigentlich der Hersteller? Sucht man das Gerät im Internet, stößt man sowohl auf die Firmenbezeichnung GSi als auch Crumar. Auch einem Insider ist nicht zwangsläufig klar, wer jetzt eigentlich was ist, und selbst beim Recherchieren findet man darüber sehr schwer etwas. Des Rätsels Lösung ist dann schließlich eine ganz einfache: GSi ist schlicht ein Schwesterunternehmen von Crumar. Beispielsweise liefert es die Soundsoftware zu einigen Crumar-Produkten. Crumar wiederum sagt wahrscheinlich auch vielen „älteren“ Lesern noch einiges, aber die Geschichte ist wahrscheinlich den Wenigsten vor Augen.

In den späten 60ern wurde Crumar als ein italienischer Instrumentenhersteller gegründet. Aus den zwei Namen „Crucianelli“ und „Marchetti“ setzte sich der Firmenname zusammen. Letztlich ging die Firma aus der Crucianelli-Akkordeonfabrik hervor, und auch Akkordeons wurden weiter unter beiden Namen gebaut. Vor allem aber Keyboards und Synthesizer baute man in den 70ern und 80ern. Auch als Orgelhersteller war man in den 70er Jahren, den guten alten „Hochzeiten“ der elektronischen Orgel, präsent und bekannt. In den frühen 80ern gründete man eine Design- und Vertriebs-Kooperation, die bis nach New York reichte, zum Vertrieb der berühmten „Bell Labs Digital Synthesizer“, die sicher einigen noch ein Begriff sind. Doch 1987, eigentlich kurz bevor man einen neuen High Quality-Sampler zum erschwinglichen Marktpreis veröffentlichen wollte, scheiterte das Unternehmen, und man musste schließen.

Erst 2008, aber immerhin auch schon wieder gut ein Jahrzehnt her, wurde die Marke Crumar von einem neuen italienischen Unternehmen übernommen, das unter demselben Namen neue Keyboards herstellt. Für einige Furore sorgte und sorgt zum Beispiel das „Mojo“, das es in seiner „XT“-Variante auch als quasi zweimanualige Orgel gibt (wenngleich auch nur als Oberteil ohne das Orgel-typische klassische Untergestell und ohne Pedal) – und das dem hier getesteten DMC-122 übrigens zum Verwechseln ähnlichsieht.

Einige Besonderheiten

Der DMC-122 ist also zunächst ein Controller-Keyboard. Die erste von mehreren Besonderheiten ist schon einmal, dass es sich um einen zweimanualigen Controller handelt. Hört man „Keyboard“, denkt man automatisch an einmanualige Instrumente. Aber dieser Controller sieht schon auf den ersten Blick nach Orgel aus. So lässt er sich auch spielen. Zwar müsste man sich, will man richtig Orgel spielen, separat um ein passendes Untergestell bemühen, auch wäre noch zu überlegen, wie man sich mit einem MIDI-Pedal weiterhelfen kann, aber insgesamt kommt man dem Orgel-Feeling schon recht nahe, insbesondere auch angesichts der hochwertigen Waterfall-Tastaturen mit Aftertouch in beiden Manualen, die mit je fünf Oktaven (61 Tasten) beide voll ausgebaut sind. Man kann darauf authentisch und ohne Abstriche „Orgel spielen“.

Äußerlich präsentiert sich der Controller in einem robusten Metallgehäuse, und die Verarbeitung macht einen sehr soliden Eindruck. Das Gehäuse wirkt kompakt und optisch modern. Auch das Transportgewicht ist sehr angenehm aufgefallen. Mit 18 kg ist es offiziell angegeben, wir haben es nicht nachgewogen, aber das Instrument lässt sich locker unter den Arm nehmen und ganz bequem allein tragen.

Kommen wir nach und nach zum „Innenleben“ und weiteren Besonderheiten: Ein Controller ist eigentlich ein „Instrument“ ohne Sound. Man hört also zunächst einmal nichts, wenn man auf den Tasten spielt, sondern der Sound kommt von anderen angeschlossenen Quellen. Anders beim DMC-122. Anders als andere ist er nämlich kein „stummes“ Keyboard. Zum Controller wird eine Editor-Software für den Computer geliefert, die sowohl unter Windows als auch unter Mac-OS (Apple) lauffähig ist. Über diese Software lassen sich, knapp zusammengefasst, alle nur denkbaren Funktionen steuern. Mit nur einem Knopfdruck aber passiert etwas Besonderes: Die Software lässt sich sozusagen umschalten und wird von der Editor-Software zur Sound-Engine des DMC-122. Sie stellt dann die Sounds der berühmten und beliebten VB3-II-Software aus demselben Haus bereit, die sehr überzeugend eine Hammond B3 emuliert, also eine sehr hochwertige Tonewheel-Orgel-Simulation. Somit haben wir hier ein Controller-Keyboard - oder besser gesagt eine Controller-Orgel, die nicht nur Controller ist, sondern gleichzeitig auch ein richtiges Instrument mit eigenem Sound.
Separates Soundmodul

Wem das aber noch nicht genug ist, der kann sogar noch einen Schritt weiter gehen, womit wir gleich zur nächsten Besonderheit kommen: Es gibt die – allerdings für knapp 700 Euro separat zu erwerbende – Erweiterungskarte Gemini DMC-122 Expansion, die aus dem Controller gar eine vollwertige Orgel macht! Das ist ein wahrlich innovativer Ansatz. Irreführend ist dabei vielleicht der Begriff Erweiterungs-„Karte“, denn rein äußerlich sieht sie eigentlich eher aus wie in PC-Netzteil.

Dieses Bauteil – nennen wir es einmal so – wird einfach auf der Rückseite des Controller-Keyboards eingebaut (in einen dafür vorgesehen Slot eingeschoben) und außenseitig am Gehäuse verschraubt. Es fügt sich dann komplett in die Rückwandblende ein, man sieht es dann quasi überhaupt nicht mehr bzw. nimmt es nicht als hinzugefügtes Erweiterungs-Bauteil wahr. Es spendiert dem Controller-Keyboard dann eine virtuell analoge Orgel-Klangerzeugung sowie 15 verschiedene Synthese-Algortihmen für die unterschiedlichsten Klangfarben, von Orgeln über Strings bis zu verschiedenen Pianos und Synth-Sounds.

Zwei voneinander unabhängige DSPs stehen dann zur Verfügung, von denen jeder elf Effekte bereithält. 128 Presets sind speicherbar, und nicht nur ein (weiterer) USB-Port ist in der Erweiterung vorhanden, sondern sogar ein Wi-Fi-Modul zur Kontaktaufnahme mit einer externen Editor-App sowie ein Stereo-Line-out. Wem also ein Controller-Keyboard für externe Klangerzeuger nicht genug ist, oder wer vielleicht im Studio damit zufrieden ist, gleichzeitig aber auch auf die Bühne geht und kein weiteres Equipment durch die Gegend schleppen will, der kann mit dieser Erweiterungskarte gut nachlegen – wenngleich dafür natürlich nochmal ein höherer dreistelliger Betrag berappt werden muss. In unserem Testgerät war diese Erweiterungskarte eingebaut. Natürlich waren wir neugierig darauf und haben die somit „eingebauten“ Sounds einmal gespielt. Sie gehen völlig in Ordnung und klingen durchaus „amtlich“.

Den vollständigen Test lesen Sie in Tastenwelt 5/2019 – die Ausgabe können Sie direkt hier im Shop bestellen.

Text: Angélica del Carmen

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