Gibson: ein Fakten-Check

19.04.2018 16:10 | Gitarre


Was hat die Meldung vor einigen Wochen doch für Wellen geschlagen: Gibson ist pleite. Aus offenen Krediten wurden in Windeseile Zahlungsschwierigkeiten, und von dort war’s nur ein kleiner Schritt zum Insolvenzgerücht. Seither ist es kaum ruhiger geworden, und die Diskussionen in der Gitarristengemeinde nehmen kein Ende. Selbst in der breiten Öffentlichkeit wurden und werden der Gitarrenhersteller und sein Schuldenberg thematisiert – ein sicheres Zeichen für den Stellenwert der Firma.

Ohne Wirtschaftsstudium tut man sich ja nicht immer leicht, Vorgänge aus der Welt der großen Finanzen adäquat einzuordnen. Immerhin stellt man jedoch auch als Amateur fest, dass Übernahmen im ganz großen Business, wenn nicht an der Tagesordnung, so doch auch nicht gerade die absolute Seltenheit sind. Und dass ein Unternehmen noch nicht so richtig insolvent ist, wenn Zahlungsverpflichtungen Monate später fällig werden. Und dass es im Falle Gibsons nicht die Instrumentensparte ist, die für Zahlungsverpflichtungen in schwindelerregender Höhe sorgt, sondern der massive Zukauf branchenfremder Unternehmen.

Wir haben die Fakten der Akte Gibson für unsere Leser zusammengetragen und verständlich aufbereitet – und dabei die Meldungen aus der Gerüchteküche ausgesondert. Vor einem Dreivierteljahr wurde im Übrigen Slash zu „Gibson’s First Global Brand Ambassador “ gekürt – zu einem Markenbotschafter in Sachen absoluter Klassiker. In Anbetracht seiner Verdienste für die Marke verwundert dies nicht, hat der Guns-N’-Roses-Gitarrist doch ab Ende der ’80er massiv mitgeholfen, Gibson-Instrumente weltweit zurück ins Bewusstsein der Gitarristen und in die Läden zu bringen.

Angesichts der momentanen Schlagzeilen ist das vielleicht das Zeichen, das in die richtige Richtung weist: Dass die Marke Gibson nicht nur von einer Unternehmensführung vertreten wird, sondern dass die Marke lebt, weil sie von zahllosen bekannten und unbekannten Gitarristen gespielt wird. Und dass Gibsons ominöse Zahlungsprobleme, wie auch immer sie enden mögen, nicht dazu führen werden, dass keine Gibson-Gitarren mehr gebaut werden – verbunden mit der innigen Hoffnung, dass der 2018 wieder erreichte Qualitätsstandard auch künftig gehalten wird …

Den Artikel zum Thema Gibson und viele weitere Themen finden Sie in guitar 5/2018.


Dr. Jürgen Ehneß

(Foto: Bryan Steffy/Getty Images for Gibson Brands)

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