Was lief schief bei Gibson?

12.09.2018 16:29 | News, Gitarre

Kaum ein Thema aus der Musikinstrumenten-Industrie hat je so viel Medienaufmerksamkeit erzeugt wie die Insolvenz von Gibson. Nun hat sich scheidende Gibson-CEO Henry Juszkiewicz in einem Interview ausführlich geäußert.


Die Restrukturierungspläne, die den Gerichten übergeben wurden, implizieren, dass Gibson plant aus dem Insolvenzverfahren nach Chapter 11 als eine Firma hervor zu gehen, die sich primär auf Gitarren fokussiert. Können Sie uns eine Vorstellung geben, wie das neue Gibson aussehen wird? Werden Sie die Gitarren-Fabriken in Nashville, Memphis und Bozeman behalten?

Henry Juszkiewicz: Ich kann die Frage nicht wirklich beantworten, weil wir gerade das Insolvenzverfahren durchlaufen und uns in einer Art Schwebezustand befinden. Die Firma hat zur Zeit keine Besitzer. Jede Entscheidung hängt von einem Richter ab, der nur auf sehr kurzfristige Erwägungen fokussiert ist. Alle Entscheidungen müssen dem Richter präsentiert werden und eine Million Menschen mit konkurrierenden Interessen dürfen ihre Meinungen dazu äußern. Ich erwarte, dass Gibson Ende September das Insolvenzverfahren abschließen wird und der Prozess mehr oder weniger nach dem Plan ablaufen wird. Wenn wir das Verfahren abschließen, wird KKR der größte Anteilseigner sein. Weitere Anleiheninhaber und Banken werden ein gewisses Mitspracherecht haben. Es wird einen neuen Vorstand geben und die Form der Firma wird von KKR bestimmt werden. Dies ist nur meine Meinung, keine Tatsachenaussage. Aber ich denke, dass KKR das Gitarren-Business wirklich liebt und die langfristige Entwicklung im Blick hat. Noch mal, das ist nur eine Meinung, aber ich denke, dass es keine radikalen Änderungen geben wird.

Gibson CEO Henry Gibson CEO Henry Juszkiewicz (Foto: shutterstock)

Hat das Verfahren nach Chapter 11 einen schädigenden Einfluss auf das Gitarren-Geschäft? Wenn ja, was tun Sie, um das zu bewältigen?
Henry Juszkiewicz: Anders, als die viele negative Presse es glauben lässt, war es nicht so schädigend. Was die Leute nicht verstehen, ist, dass das Insolvenzverfahren nichts mit der Geschäftsbasis zu tun hat. Ich fliege regelmäßig mit American Airlines, als sie in der Insolvenz steckten, flogen sie immer noch nach Plan, die Menschen arbeiteten und es gab nach Außen keine Veränderung. Genauso ist es bei Gibson. Das Management besteht weiter, unsere Fabriken produzieren und wir arbeiten an den Budgets, die vor der Winter NAMM eingesetzt werden. Es gibt sicherlich Bedenken unter unseren Mitarbeitern, über das, was passieren könnte, und viele Andeutungen in den Medien und Online. Fakt ist aber: Dem Business geht es gut.

Was wird Ihre zukünftige Rolle in der Firma sein?
Henry Juszkiewicz: Ich werde kein CEO mehr sein. Das weiß ich schon seit langer Zeit. Offen gesagt, wenn ich weiter machen würde, wäre das eine Anomalie, in der Art, wie diese Dinge ablaufen. Ich werde das Unternehmen weiter beraten und mit vielen Menschen zusammenarbeiten, um einen guten Übergang sicherzustellen. Sie hören mir zu, was nicht bedeutet, dass sie mit mir einer Meinung sind. Aber wir haben sinnvolle Gespräche und die Dinge bewegen sich in eine positive Richtung. Ich denke, die Dinge werden viel besser werden, wenn die Aufregung nachlässt.

Welche Idee hatten Sie ursprünglich, als Sie die Unterhaltungselektronik-Sparte von Philips übernahmen?
Henry Juszkiewicz: Ich war davon getrieben, das führende Unternehmen im Musik-Lifestyle-Business aufzubauen und dabei Instrumente und Audio zu kombinieren, um sowohl Musiker als auch Musikbegeisterte gleichermaßen einzuschließen. Ich dachte, wir könnten das mit dem Kauf des Philips Elektronik-Geschäfts erreichen. Es war ein mutiger aber riskanter Schritt, dessen war ich mir zu der Zeit bewusst. Wir haben Schulden aufgenommen, um ein viel größeres Unternehmen zu kaufen. Aber die Philips-Elektronik-Sparte machte genug Geld um die Schulden zu bedienen. Die Aufnahme von Fremdkapital bedeutet, dass selbst geringe, unerwartete Rückschläge große Konsequenzen nach sich ziehen können. Wenn wir es hätten durchziehen können, wäre es ein großer Gewinn für Gibson und für mich persönlich gewesen.

Das vollständige Interview lesen Sie in der September-Ausgabe von das musikinstrument.

 

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