Die sagenumwobene Moderne

26.11.2018 11:04 | Gitarre

Heute begeben wir uns auf einen kleinen Ausflug in die Welt der Mythen, denn die Geschichten, welche die Gibson Moderne umranken, gehören zu den mit Abstand mysteriösesten Erzählungen der gesamten Gitarrenhistorie. Man fühlt sich auf der Suche nach der Wahrheit über die Moderne nicht selten wie Indiana Jones in Jäger des verlorenen Schatzes.

Wie die Explorer und die Flying V war die Moderne Teil von Gibsons Ende der Fünfziger entstandenen Modernistic-Serie – nur das Flying V und Explorer schlussendlich in die Massenproduktion gingen, von der Moderne fehlt bis auf eine Patentzeichnung bis heute jede Spur.

Zu den bekanntesten Vertretern, die die Legende um die Existenz zumindest eines originalen 1957er Moderne-Prototyps anheizen, gehört niemand Geringerer als ZZ Tops Billy Gibbons. Gibbons behauptet bis heute, dass sich in seiner Sammlung einer dieser Prototypen oder gar die Moderne befinden. Die Gitarre, die auf ein paar Fotos zusammen mit dem bärtigen Frontmann der „kleinen Blues-Band aus Texas“ zu sehen ist, kann echt sein – allerdings weigert sich Billy bis heute, sie auf ihre Authentizität prüfen zu lassen.

Den Bildern zufolge gehen einige Experten jedoch davon aus, dass es sich bei dem Sechssaiter, der ein simples „G“ auf der Kopfplatte trägt, um ein 1975 in Japan von Ibanez hergestelltes „Lawsuit“-Modell handelt, das etwas modifiziert wurde, um den Zauber um die Moderne anzufeuern.

Auch der ehemalige Gibson- und heutige Heritage-Mitarbeiter Ren Wall gießt mit einer Geschichte Öl ins Feuer der urbanen Legende. Ren gibt zu Protokoll, dass er in den frühen 1960ern eine Moderne an die lokale Bühnenadaption des Musicalfilms Bye Bye Birdie verliehen habe. Als sie wieder bei Gibson eintraf, verschwand sie im Archiv der Firma und wurde nie mehr gesehen. Fast schon selbstverständlich ist, dass Wall keinerlei Fotos oder andere Beweise für seine Geschichte besitzt.

Erzählungen, Mutmaßungen oder Räuberpistolen dieser Art gibt es wie Sand am Meer. Joe Bonamassa, der wohl eine der beeindruckendsten Gibson- und Fender-Sammlungen des Planeten besitzt, ist sich bei all dem „Saitengarn“, das um die Moderne gesponnen wird, ziemlich sicher, dass es maximal einen Prototyp gab und alle vermeintlich „echten“ Exemplare schlichtweg Fälschungen sind. Sollte tatsächlich irgendwann eine originale Moderne auftauchen, wird das die wahrscheinlich teuerste Vintage-Gitarre der Welt.

Die komplette Geschichte der Moderne sowie ihrer Schwestern aus der Modernistic-Serie gibt es anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Serie in unserem großen Special in der neuen guitar 12/18 – die gibt’s natürlich direkt bei uns im Shop zu bestellen!

Text: Chris Franzkowiak
Foto: Christopher Przybilla

PS: In den Achtzigern wurde die Moderne in kleiner Auflage von Gibson schließlich doch noch gebaut. Daher stammt auch das Modell, das ihr auf den Fotos hier und im Heft seht.

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