Gibson vor dem Aus?

12.03.2018 14:58 | Allgemein

 

Im Februar gab Gibson eine kurze Mitteilung heraus: „Gibson Brands, Inc. teilen hiermit mit, dass man heute einer Zinszahlung von 16,6 Millionen Dollar an Kreditgeber von 375 Millionen Dollar nachgekommen ist. Dies sind 8,875 % der Anleihen ersten Ranges im Jahr 2018.“

 

Dieses kurze Statement in einem business-as-usal-Ton von Gibson nahmen die Journalisten der Nashville Post ´zum Anlass, um darzustellen, in welcher prekären Situation sich das Traditionsunternehmen tatsächlich befindet. Neben den bereits genannten Zahlen sprach man auch mit Kevin Cassidy, seines Zeichens Senior Credit Officer der Ratingagentur Moody’s. Um den nahenden Bankrott von Gibson abwenden zu können, sieht er für Gibson-CEO Henry Juszkiewicz nicht viele Optionen. Eine mögliche Option sei die Abgabe von Anteilen anderer zu Gibson Inc. zugehörigen Firmen an die Gibson-Gläubiger zwecks Schuldendeckung, bevor Juszkiewicz zu dieser Maßnahme gezwungen sei. Eine andere Option sei es, mit den restlichen Kreditgebern neue Schuldenkonditionen auszuhandeln, was aber laut Cassidy kaum zu reellen Konditionen für Gibson verhandelbar sei.

 

Weiter sprach die Post mit Reshim Basu, Reporter der Finanz-News- Plattform Deptwire. Er sagte: "Am Ende des Tages wird jemand die Kontrolle der Firma übernehmen. Das hat sich lange angekündigt.“ Weiter berichtete Basu von Beschwerden der Anteilseigner, die Gibson Unklarheit vorwerfen. Diese Situation habe sich mit dem Auftreten der privaten Investmentfirma GSO Capital Partners nicht verbessert, die Gibson vor einem Jahr ein Darlehen von 130 Millionen Dollar gewährte. Die Anteilseigner hätten sich laut Basu Finanz- und Rechtsberater engagiert, um ihre Interessen zu schützen.  

 

Gibson reagiert auf die Öffentlichkeit

Durch die hohe Aufmerksamkeit sah sich Gibson-CEO Henry Juszkiewicz gezwungen mit einer beschwichtigenden Pressemitteilung zu reagieren. Darin heißt es, man befinde sich in einem Prozess eine neue Kreditfazilität vorzubereiten, um die Anleihen zu ersetzen. Gibson Brands, Inc. erwarte die Anleihen im normalen Geschäftsbetrieb refinanzieren zu können. Gemeinsam mit der Investment Bank Jeffries arbeite man daran den Refinanzierungs-Prozess umzusetzen. Die Firma konzentriere sich mit der Marke Philips auf das Consumer-Audio-Geschäft und auf Produkte, die eine größeres Potenzial aufweisen. Zeitgleich werden Produktsegmente, die nicht den Erwartungen entsprechen, aussortiert. Gerade die Einkaufs- und Diversifikationspolitik Gibsons in den vergangenen zehn Jahren sehen Beobachter als einen Grund für die aktuelle Lage des Unternehmens. Seit 2010 kaufte Gibson unter anderem KRK Systems, TASCAM, Cerwin-Vega!, Stanton, Integra, TEAC, TASCAM Professional Software und Cakewalk. Dass die finanzielle Schieflage aber nicht aus dem Gitarren-Geschäft herrührt, unterstreicht Juszkiewicz in zahlreichen Statements. In der Pressemitteilung lässt sich Juszkiewicz folgendermaßen zitieren: „Obwohl die Segmente Musikinstrumente und Pro-Audio profitabel sind und wachsen, befinden sie sich unter dem Erfolgsniveau, das wir vor einigen Jahren erwartet haben.“ Dies deckt sich auch mit der Aussage von Cassidy: „Das Kerngeschäft ist sehr stabil und verlässlich, aber es gibt ein Bilanz- und operatives Problem.“  

 

Droht Gibson der Ausverkauf?

Weiter sagt Juszkiewicz: „Wir monetaresieren Vermögenswerte wie Aktienbeteiligungen, Immobilien und Geschäftsbereiche, die nicht den Erfolg erreichen konnten, den wir erwartet haben. Indem wir dieses Kapital monetaresieren, können wir Schulden reduzieren und Mittel generieren, um sie in Geschäftsbereiche zu investieren, die florieren. Es ist wichtig für unser Geschäft, zu unserem früheren finanziellen Erfolg zurückzukehren, um die besten finanziellen Rahmenbedingungen für die Refinanzierung unserer Firma zu schaffen. Mit der Refinanzierung und der Verbesserung der operativen Performance durch unsere Maßnahmen, erwarten wir, dass das Unternehmen auf Erfolg und Wachstum für die kommenden Jahre ausgerichtet sein wird.“

 

Monetarisieren konnte Gibson Ende Februar die Marke Cakewalk. Im November hatte das Unternehmen mit der Einstellung von Cakewalk die Szene in Aufruhr versetzt. BandLab, eine Online-Plattform und App für den kreativen Austausch von Musikern, kauft laut Pressemitteilung „gewisse Posten“ und das gesamte geistige Eigentum von Cakewalk Inc.. Summen wurde nicht genannt. Aus dem Immobilienbestand wurde für 6,4 Millionen bereits ein altes Baldwin Piano Lager verkauft. Zudem versucht Gibson das Valley Arts Gebäude für 11 Millionen zu verkaufen. Für das größte Aufsehen sorgte die Ankündigung im Dezember, dass auch die Gibson-Fabrik in Memphis, Tennessee, für 18 Millionen zum Verkauf steht. Dass dadurch aber ausreichend Kapital generiert werden kann, um die Gesamtschuld zu begleichen, bleibt zu bezweifeln.

 

Zuletzt berichtete die Website digitalmusicnews.com nun, dass ein „Konsortium chinesischer Investoren derzeit nach strategischen Investitionsmöglichkeiten im Bereich der Musikinstrumentenherstellung“ suche. Laut einer weiteren Quelle solle ein möglicher „Buy-out“ erst in einigen Monaten erfolgen, da die Investorengruppe dann aufgrund des Fälligkeitsdatums der ausstehenden Kreditrückzahlungen besonders niedrige Preise erwarte.

 

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