Qualität, oder was?

30.10.2018 11:19 | Gitarre

Manchmal kommt es dann doch anders, als es ursprünglich geplant war. Das hat sich aller Wahrscheinlichkeit nach jeder schon mal gedacht. Beim vermeintlichen Gütesiegel „Made in Germany“ wird sich das vor allem so mancher Brite gedacht haben. Denn als Großbritannien die auf unserem Titel prangende Herkunftskennzeichnung einführte, hatten die Herrschaften von der Insel ein diametral anderes Ansinnen, als Waren aus deutschen Landen und deren Qualität zu empfehlen. Im Gegenteil, man wollte die Untertanen Ihrer Britischen Majestät vor dem Billigkram warnen, der im Kaiserreich auf dem Festland zusammengeschustert wurde.

Das war 1887, als die legendäre britische Queen Victoria als Namensgeberin eines ganzen Zeitalters noch über ein komplettes Weltreich herrschte und der deutsche Reichskanzler Bismarck seinen Kaiser Wilhelm II. – immerhin den letzten seiner Art – gerade noch so in Zaum hielt. Die Kennzeichnung war deutschen Herstellern dummerweise ein Ansporn zur Qualitätsoffensive, und so verkehrte sich die als Warnung verpackte Schmähung rasch ins Gegenteil, überstand zwei Weltkriege und wurde nach 1949 vor allem in der westdeutschen Wirtschaftswunderwelt dank modernster Produktionsstätten endgültig zum Exportschlager.

„Blöd gelaufen“, ist man versucht, aus heutiger Warte über die Inselbewohner zu spotten. Doch Häme gehört sich nicht, und deswegen tun wir’s auch nicht. Stattdessen lehnen wir uns zufrieden in unserem schwedischen Sofa zurück, schmeißen die Stereoanlage aus chinesischer Produktion an, mampfen genüsslich unsere echt italienische Tiefkühlpizza und lesen in guitar 11/18 staunend, wie viele und welche Hersteller tatsächlich aus Deutschland stammen. Und dass etliche nationale wie internationale Künstler deren Gitarren, Amps und Zubehör verwenden.

Merke: US-amerikanischer Rock’n’Roll und britischer Beat klingen bestens über Equipment Made in Germany!

Kommentar eingeben

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.