Porträt John Bonham/Led Zeppelin Teil 1

17.10.2017 11:35 | Schlagzeug

Bonzo's best beats

Mit zehn die erste Snare

John Henry Bonham wurde am 31. Mai 1948 in Redditch, Worcestershire, einer kleinen Stadt etwa zehn Meilen südlich von Birmingham geboren. Sein Vater Jack betrieb ein kleines Baugeschäft, seine Mutter Joan hatte einen Zeitschriftenkiosk, mit dem sie versuchte das recht karge Familieneinkommen der Firma Bonham im Nachkriegs-England der 1950er-Jahre aufzubessern. Seine Geschwister Michael und Deborah waren beide jünger. Michael, genannt Mick, musste als kleiner Bruder oft herhalten, wenn John auf der Suche nach dem ultimativen Bonham-Sound seinen Schädel mit seinem ersten Paar Sticks bearbeitete. Wohl aus Mitleid zu ihrem Zweitgeborenen kaufte Mama Bonham ihrem Sohn John mit 10 Jahren eine richtige Snaredrum. Sein erstes Set erhielt er mit 15 von seinem Vater. Ein Premier-Kit, das Bonham in einem Interview in den Siebzigern als „prähistorisch“ und „zum Großteil aus Rost bestehend“ beschrieb. Aber es war sein größter Schatz, denn er hatte sich fest vorgenommen, nach Beendigung der Schule den einzig wahren Beruf zu ergreifen: Profidrummer in einer Rockband!

Johns Bruder Michael arbeitete nach der Schule auf dem Bau, wurde nach dem gigantischen Erfolg von Led Zeppelin einer von Bonzos Assistenten, machte sich einen Namen als Rockfotograf und verstarb leider auch viel zu früh im Januar 2000. Er ist der Verfasser des Buches „Bonham by Bonham“ (Icarus Publications, England), das sehr viele familiäre Geschichten enthält, Anekdoten von Kollegen und Freunden sowie tonnenweise Insiderwissen für Led-Zeppelin und Bonzo-Fans. Das kleine Schwesterherz Deborah „Debbie“ Bonham tourt mit ihrer Band durch England und die USA und veröffentlicht regelmäßig CDs mit eigenem Material.

Paradiddle und Besen

Zurück zu John: Seinen ersten Gig spielte „Bonzo“ im zarten Alter von 11 Jahren mit der Charlie Atkins Band. Charlie, der Drummer und Bandleader der regional bekannten Tanzkapelle verbrachte seine freien Tage auf einem Wochenendgrundstück, wo auch Familie Bonham ihren Wohnwagen stehen hatte. Als freundlicher Nachbar erzählte er dem kleinen John stundenlang von Paradiddeln und Besentechniken. Eines Tages schenkte er John ein Paar Jazzbesen, was Brüderchen Mick sehr freute. Denn mit Besen verprügelt zu werden verursachte wesentlich weniger Schmerzen als mit Hickory Sticks. So saß dann der kleine John Bonham Samstag abends mit Pomade in den Haaren beim „Caravans Club Members Dance“ hinter den Drums, gab sein Bestes und strahlte ins Publikum. Als zweites Idol seiner Jugend kristallisierte sich bald Gene Krupa heraus. Papa Jack Bonham, der sehr gerne Bigband-Jazz hörte, nahm John mit ins Kino. Sie besuchten gemeinsam den 1956 entstandenen Film „The Benny Goodman Story“, in dem Krupa sein legendäres „Sing, Sing, Sing“-Solo zum Besten gab, welches Bonzo komplett vom Hocker riss. Er wollte wie Gene als Drummer auch ein Showman, beinahe ein Frontman sein. Nicht nur der Typ im Hintergrund, der der Band das Timing gibt. Gleichberechtigter Musikerzu sein, dafür beneidete er auch in den 60ern Ginger Baker (Graham Bond Organization, Cream) und Keith Moon, von The Who, der einige Jahre später zu einem seiner liebsten Sauf- und Radaukumpanen werden sollte. Das Trinken machte dem guten John schon als Teenager viel Spaß. Tagsüber arbeitete er bei seinem Vater, abends hatte er meistens einen Gig, da er sich langsam rund um Birmingham in der Amateurszene einen guten Namen „ertrommelt” hatte. Bereits mit 17 heiratete er Pat Phillips, eine hübsche blonde Frau, die er nach einem Auftritt in Kidderminster kennen gelernt hatte. Ruckzuck war das Mädel schwanger, und kurz darauf kam Jason Bonham zur Welt. Er sollte in den Neunzigern mit seiner eigenen Band „Bonham“ als Drummer und Legendensohn Furore machen und später auch mit der Supergroup „Black Country Commuion” um Gitarrist Joe Bonamassa, Bassist und Sänger Glenn Hughes große Erfolge feiern. 

Mehr über John Bonham im zweiten Teil des Porträts. Wenn ihr die Hits von Led Zeppelin nachspielen wollt, schaut doch einfach mal in die DrumHeads!!-Ausgabe 2/2017 rein. Die Ausgabe findet ihr hier.

Foto: Getty Images

Kommentar eingeben

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.