Mit Online-Gaming-Technologie zur Traumgitarre

26.11.2018 15:10 | Allgemein, Blog, Gitarre

Der deutsche Gitarrenhersteller Lakewood aus Gießen bietet auf seiner Webseite seit zehn Jahren einen 3D-Konfigurator für Customshop-Gitarren an. Dieses Jahr hat das Online-Tool ein umfangreiches Update erhalten. Markus Hoppe, Distribution & Marketing Manager, stellte uns den überarbeiteten Konfigurator und das Lakewood-Customshop-Konzept im Detail vor.



Auch andere Hersteller bieten Customshop-Konfiguratoren an. Was ist das besondere am Lakewood-Konfigurator?

Markus Hoppe: Lakewood bietet als einziger Hersteller einen Online-Konfigurator, der in Echtzeit ein 3D-Modell rendert. Es gibt viele Gitarrenhersteller, die einen Konfigurator haben. Auch gute. Aber keinen, der in Echtzeit 3D rendert. Den ersten Anstoß zu unserem Konfigurator hat Geschäftsführer Martin Seeliger gegeben. Auf einer Architektur-Seite hat er gesehen, dass sie online mit 3D-Objekten arbeiten und diese im Internet-Browser mit der Maus freidrehbar waren. Das gab uns den Anstoß, so etwas auch für Gitarren zu realisieren. Wir haben den Konfigurator komplett in Eigenleistung entwickelt. Es hat über ein Jahr gedauert bis wir ihn fertig hatten. Damals – vor ziemlich genau zehn Jahren – dachten wir, dass andere große Hersteller das schnell nach machen würden.

Aber das war nicht so?
Markus Hoppe:  Keiner hat es gemacht. Zuerst haben wir gar nicht verstanden warum. Dann ist es uns langsam klar geworden. Das Geld ist dabei weniger das Thema, aber sie haben gar nicht die 3D-Zeichnungen all ihrer Instrumenten. Für unsere CNC-Fräsen und den Vorrichtungsbau haben wir alles mit einem CAD-Programm dreidimensional gezeichnet. Dafür haben wir seit Anbeginn mit unserem Zeichne Moritz Sattler einen echten Experten in der Firma. So hatten wir schon mal einen sehr guten Grundstock. Die Herausforderung war es, das ganze internetfähig zu machen. Bei unserem ersten Konfigurator musste man noch ein Plug-In installieren. Das muss man bei der neuen Version nicht mehr. Wir verwenden die 3D-Rendertechnologie WebGL. Diese 3D-Darstelung kommt eigentlich aus dem Online-Gaming-Bereich. Es ist eine JavaScript-Anwendung und man braucht somit kein Plugin mehr. Früher ging es auch noch nicht auf Apple-Geräten. Jetzt funktioniert der Konfigurator endlich komplett plattformübergreifend.

Was ist noch neu?
Markus Hoppe:  Wir habe alles komplett überarbeitet. Auch das, was im Hintergrund abläuft. Besonders die Datenbankanbindung, die die Ausstattungsoptionen beinhaltet. Was die Datenbankstruktur betrifft, sind wir mittlerweile richtig gut aufgestellt. Komplett neu ist unter anderem auch die Darstellung der Lackierungen. Wenn ich beispielsweise eine offenporige matte Lackierung habe, kann man in der Darstellung einzelne Poren darauf erkennen. Dazu wird eine Relief in die Textur mit glatter Fläche von der Grafikkarte des Computers eingerechnet. Es kann also sein, dass es auf einem älteren Rechner etwas langsamer oder träger ist. Außerdem kann man nun wechselfarbig markieren. Wenn die Funktion angewählt ist und man beispielsweise eine andere Decke wählt, blinkt sie kurz auf. Durch das Blinken sieht man vor allem bei kleinen Teilen besser, wo sich etwas verändert.



Wie kann der Kunde eine Customshop-Gitarre im Konfigurator erstellen?

Markus Hoppe: Zum Start wählt man zwischen unseren vier Modellformen aus, ob Rechts- oder Linkshandmodell, ob Zwölf-Saiter, Sechs-Saiter oder Bariton, und ob man als Optionen alle Hölzer oder nur heimische Hölzer möchte. Bei heimischen Hölzern zeigt der Filter nur Hölzer aus Europa an. Bei allen Hölzer zeigt er auch die Tropenhölzer. Anschließend kann man über die Reiter Korpus Basisauswahl, Hals Basisauswahl, Ränder & Späne, Perlmutteinlage, Hardware, Lackierung und Zubehör nahe zu jedes Detail nach seinen Wünschen anpassen und verändern. Wenn man fertig ist, erhält man über den Button Ausstattungsübersicht ein PDF, in dem alles drin steht, zum Abspeichern auf dem eigenen Computer. Dieses PDF benötigt man auch, um schließlich zu bestellen. Zur Erklärung gibt es auf dieser Seite noch eine Box „Wie bestelle ich meine Gitarre?“. Dort ist ganz einfach beschrieben, wie man für eine Bestellung vorgehen soll.

Wie läuft der Bestellvorgang ab?
Markus Hoppe: Das PDF schickt der Kunde zum Händler seiner Wahl, um sich ein Angebot machen zu lassen und zu bestellen. Der Händler kann das PDF wiederum mit seinem Händler-Login auf unserer Seite wieder ganz einfach einlesen und erhält die Übersicht zur Customshop-Gitarre in unserem System. Er muss also nicht die ganzen Ausstattungsoptionen erneut selbst eingeben. Auf dem PDF befindet sich außerdem ein QR-Code. Wenn der Kunde mit dem ausgedruckten PDF in den Laden kommt, kann der Händler diesen Code scannen und erneut ein PDF generieren. Zur Bestellung schickt der Händler das PDF dann wiederum an uns, wo wir es ebenfalls einfach wieder auslesen können. Mit dem PDF gibt es keine Übertragungsfehler bei der Bestellung. Und wenn der Kunde einen Kommentar reingeschrieben hat, wie beispielsweise „Bitte, schön dunkles Palisander auswählen“, sehen wir das auch. Wenn das beim Abtippen vergessen würde, wäre die Information weg. Am Ende schreiben wir ganz klassisch eine Auftragsbestätigung und hängen noch mal die Ausstattungsliste an, die der Händler wiederum dem Kunden als Bestätigung weiterleiten soll. Wenn alles OK ist, fangen wir an die Gitarre zu bauen. Die Lieferzeit beträgt immer rund zwölf Wochen; Plusminus zwei Wochen können bei einer Customshop-Gitarre immer sein.

Mehr lesen Sie in der November-Ausgabe von das musikinstrument.

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