Line-Arrays – Die Sound-Bananen

28.02.2019 10:06



Zu Beginn des Zeitalters der großen Musikveranstaltungen in den 50er- und 60er-Jahren standen die Musiker und Veranstalter vor einem großen Problem: Wie beschallt man eine große Halle oder ein Open-Air-Gelände mit Rock- und Popmusik? Bisher nutzten die Musiker bei Konzerten im kleineren Rahmen ihre Gitarren-, Bass- und Keyboardverstärker – Daher sind z.B. auch die Retro-Gitarrenverstärker mit für aktuelle Bühnen viel mehr als ausreichender Leistung versehen.

Als die Rolling Stones, Beatles und Co riesige Fan-Massen mobilisierten, ging diese Philosophie sehr schnell nicht mehr auf. Da es physikalische und elektrotechnische Grenzen gibt, können Lautsprecher nicht mit unendlich viel Leistung gebaut werden.

Man musste also etwas tricksen, um den nötigen Schalldruck für ein Großkonzert zu erreichen. Man behalf sich damit, möglichst große Lautsprecher zu bauen und jede Menge davon nebeneinander zu stellen und aufeinander zu stapeln. Die Firma Hanley Sound um den Beschallungs-Pionier Bill Hanley baute eigens für das Woodstock-Festival Boxen mit den Maßen 180 x 90 x 100 cm, mit einem Gewicht von 500 kg pro Stück – die unter dem Namen "Woodstock-Bins" bekannt wurden.

Wall of Sound

Bands wie The Grateful Dead setzten auf die “Wall of Sound”, eine Wand aus Lautsprechern, die auch gleich den Bühnenhintergrund bildete. So wurden tatsächlich hohe Schalldrücke erreicht. Da sich die Schallwellen der einzelnen, oft sehr verschiedenen Lautsprecher überlagerten, war der Sound dieser Systeme nicht wirklich High-End. Es war ein Kompromiss. Lieber höre ich die Band mit verwaschenem Sound als gar nicht.


Die riesigen "Woodstock-Bins" auf dem berühmten Woodstock-Festival.  Foto: Woodstock Whisperer

Natürlich wurde die Lautsprecher-Technik immer weiterentwickelt und es gibt bis heute klassische Lautsprecher-Systeme, die sehr gut "gestackt", also nebeneinander und übereinander funktionieren. Und auch fantastisch klingen.

Allerdings blieb es schwierig, große Flächen ordentlich zu beschallen. Auch High-End-Lautsprecher verlieren bei großen Distanzen schnell an Schalldruck. Darum waren weiterhin jede Menge Lautsprecher nötig, die jedoch nicht mehr unbedingt auf einen Haufen geworfen wurden, sondern in optimalen Abständen zur Haupt-PA als Stütz-Beschallung, sogenannte Delay-Lines eingesetzt wurden. Allerdings wurden so auch Bereiche beschallt, die nicht unbedingt beschallt werden sollten. Wie beispielsweise Wände von Hallen oder die Nachbarschaft von Open-Airs.

Die Lösung: Das Line-Array

Anfang der 80er-Jahre kamen die ersten Line-Arrays auf den Markt und veränderten die Welt der Großbeschallungen auf einen Schlag. Line-Arrays sind auch nichts anderes als viele kleine Lautsprecher, die untereinander befestigt werden. Diese speziellen Lautsprecher haben jedoch die Eigenschaft, dass die einzelnen Schallquellen akustisch koppeln und sich nicht gegenseitig stören. Das bedeutet ein Array mit vielen kleinen Lautsprechern funktioniert akustisch wie ein einzelner, riesiger Lautsprecher. Da sich auch die Leistung dabei addiert, sind diese Systeme äußerst leistungsstark.

Außerdem sind Line-Arrays optimal skalierbar. Für kleinere Gigs nimmt man einfach ein paar Lautsprecher weg, für große Anwendungen hängt man einfach Lautsprecher dazu. Das ist für Veranstaltungstechnik-Firmen natürlich optimal.

Doch Line-Arrays können sogar noch mehr. Durch die zylindrischen Schallwellen, die solche Systeme erzeugen, geht auf Distanz weniger Schalldruck verloren. Man muss also nicht mehr vorne brachial laut machen, um hinten noch etwas zu hören.

Line-Arrays strahlen die Schallwellen sehr gerichtet ab. Die oberen Lautsprecher sind in die Ferne gerichtet und die unteren in den Nahbereich vor der Bühne. Aus diesem Grund sind die unteren Lautsprecher auch nach unten gekrümmt angebracht, was dem Array die Bananenform gibt. Der Fachmann spricht dabei von „curved“.

Durch die gezielte Beschallung werden auch nur die Bereiche beschallt, die beschallt werden sollen. Das verringert die störenden Schallreflexionen von Wänden ebenso wie die Anrufe der Nachbarn bei der Polizei wegen Ruhestörung.

Line-Arrays sind also Problemlöser, die für optimale Beschallung mit perfektem Sound sorgen können. Allerdings benötigt man etwas mehr Fachwissen beim konfigurieren eines Line-Arrays, als wenn man nur ein paar Lautsprecher aufeinander stellt. Man sollte das den Profis überlassen oder sich wirklich umfassend mit dem Thema beschäftigen.


Wer sich für das Thema Line-Arrays interessiert, bekommt einen tiefergehenden Einblick in diese Technologie in der Sonderbeilage Line-Arrays, die der pma Ausgabe 2/2019 beiliegt.

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