Mötley Crüe – Dr. Feelgood, Masterpiece Workshop

19.12.2019 10:13

Ohne Dröhnung geht’s auch: Für Dr. Feelgood entsagen Mötley Crüe dem wilden Leben und konzentrieren sich auf die Musik. Raus kommt das erfolgreichste Crüe-Album mit einem Sahnesound von Bob Rock, der sogar Lars Ulrich zum Wechsel seines Produzenten beim Black Album bewegte. Am 1. September 1989 ist Dr. Feelgood erschienen.

Nüchtern im Studio

Während der Achtziger kann man Mötley Crüe schon als veritable Könige des Hardrock bezeichnen. Nur wenige Bands des Genres verkaufen mehr Platten (Bon Jovi und Def Leppard etwa), und noch weniger Kollegen leben den Hedonismus dieser Ära heftiger aus als die vier Typen aus Hollywood. Doch ein Kronjuwel fehlt noch: Platz eins der Billboard-Charts. Das gelingt Mötley Crüe mit ihrem fünften Album Dr. Feelgood. Und die Burschen stehen dafür sogar zum ersten Mal nüchtern im Studio



Rock'n'Roll-Klische per excellence

Wein, Weib, Gesang, oder internationaler: Sex, Drugs, Rock’n’Roll. Für eine Band vom Sunset Strip der Achtziger reicht das durchaus als Arbeitsplatzbeschreibung. Leider hätte dieser Lebensstil die vier Chaoten von Mötley Crüe beinahe umgebracht, insbesondere Nikki Sixx schießt den Vogel ab und sich gleich mit, als er sich Weihnachten 1987 mit einer Heroin-Überdosis kurzzeitig auf den Weg ins Jenseits macht. Weil das so nicht weitergehen kann, entscheidet sich das Quartett für einen kollektiven Entzug. Zumal sie noch eine Rechnung offen haben, nachdem ausgerechnet Whitney Houston dem damals aktuellen Crüe-Album Girls, Girls, Girls den Weg an die Chartspitze verbaut hatte.

Es wird rangeklotzt

Also begeben sich Bassist Sixx, Drummer Tommy Lee, Sänger Vince Neil und Gitarrist Mick Mars nach Vancouver ins Little Mountain Studio. Es soll richtig rangeklotzt werden, fernab der Party-Homebase in Kalifornien. Nur die Musik zählt. Drei Monate arbeitet sich die Band zusammen mit Produzent Bob Rock „den Arsch ab“, wie der später in den Liner-Notes berichtet. „Als ich die Jungs getroffen habe, waren sie clean und trocken, und bereit, hart zu arbeiten. Es sollte das beste Album werden, zudem sie im Stande sind. Vermutlich wussten sie im Grunde ihres Herzens, dass sie diesen Schritt gehen mussten, um erfolgreich zu bleiben.“ Es zahlt sich aus: Die zehn Songs (plus Intro) gehören zum Besten, was Mötley Crüe im Laufe ihrer Karriere hervorbringen. Dr. Feelgood bietet mitreißende Party-Rock-Nummern mit XXL-Refrains, dicken Rockriffs und noch dickeren Grooves. Denn Bob Rock schneidert für die Platte einen sagenhaften Sound zusammen: groß, breit, stark, lebendig und rund. Mick Mars sagt später im guitar-Interview: „Ja, Bob und ich haben da ein paar schöne Gitarrenwände hochgezogen.“ Lars Ulrich findet die Produktion so gut, dass er für das schwarze Album seiner kleinen Band Metallica ebenfalls Bob Rock anheuert – und explizit Dr. Feelgood als Referenz nennt.

In guitar 1/20 könnt ihr den ganzen Masterpiece-Workshop mit Noten, Tabs und Songbeispielen nachlesen und nachhören.

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