Native Instruments Komplete 12

07.12.2018 16:57

Jetzt aber schnell noch ein paar Hundert Gigabyte auf der Sample-Festplatte freischaufeln: Nach über einem Jahr Pause landet das mittlerweile zwölfte Software-Komplettpaket aus Berlin,
diesmal sogar in vier Geschmacksrichtungen.

Native Instruments Komplete 12

Um ein mögliches Missverständnis gleich aus dem Weg zu räumen: Natürlich ist es seltsam, dass es vier Editionen einer Software namens Komplete gibt, denn ganz offensichtlich ist selbst die größte Ausgabe mit dem schönen Namen Komplete 12 Ultimate Collector’s Edition mittlerweile nicht mehr „komplett“. Schon während ich diesen Beitrag verfasse, veröffentlicht Native Instruments bereits neue Sample-Bibliotheken, die nicht mehr Bestandteil dieser Sammlung sind. Dennoch: Abseits der Maschine- und Traktor-Software-Linien bietet die Komplete-Serie einen Rundumschlag durch das schier unendliche Angebot der Klangerzeuger, Effekte und Sounds von Native Instruments.

Vom Ein- bis zum Aufsteiger

Dennoch steckt hinter der Abstufung ein Muster: Mit 199 Euro ist Komplete 12 Select die günstigste Variante und dabei sogar für Besitzer von Maschine, Maschine Studio und den Komplete Kontrol S Keyboards gratis mit an Bord. Neben Komplete Kontrol beinhaltet Select lediglich die Player-Versionen von Reaktor 6 und Kontakt 6. Hinzu kommen die Instrumente Massive, Monark, Retro Machines und Reaktor Prism, drei Expansions, sechs Kontakt-Instrumente sowie die Effekt-Plug-ins Solid Bus Compressors, Replika und Phasis. Mit schlanken 45 Gigabyte hat Komplete 12 Select dabei eine realistische Chance, auf der internen SSD eines Laptops Platz zu finden.

Hinter dem schlichten Namen Komplete 12 verbirgt sich die komplette Bandbreite des „klassischen“ Native-Instruments-Line-ups. Mehr als 60 Produkte erhält man hier zum Preis von 599 Euro. Zwar fehlen einige der neueren Effekt-Plug-ins und Reaktor-Player-Instrumente, dennoch ist die Fülle der gebotenen Klangfarben bereits derart groß, dass weniger abgebrühte Musiker und Klangforscher in akute Ekstase verfallen dürften – von virtuell-analog über FM bis hin zu den additiven und Physical-Modeling-Kunstwerken in Reaktor.

Mit Kontakt 6 ist hier bereits das wohl wichtigste Update dieser Sammlung enthalten: Mit seiner ohnehin mächtigen Script-Sprache ist Kontakt 6 die ideale Plattform zum Erstellen und Verwalten eigener Sample-Bibliotheken, aber auch zur kreativen Manipulation von Multi-Samples und MIDI-Sequenzen. Das zweite große Update betrifft den von vielen Produzenten innig geliebten Wunder-Synthesizer Massive. Das Update auf Massive X ist ab Komplete 12 und höher enthalten, allerdings muss man sich dafür aber noch bis zu dessen Veröffentlichung im Februar 2019 gedulden. Schade. Natürlich gesellen sich einige seit der letzten Komplete-Version veröffentlichten Plug-ins und Libraries hinzu, die Bestandsnutzern das Update schmackhaft machen sollen: Hierzu gehören in der „normalen“ Komplete-Version das Kreativ-Effekt-Trio Mod Pack (siehe Kasten), der Kick-und-Bass-Synthesizer TRK-01, die Sample-Bibliotheken Discovery Series: Middle East und Session Strings 2 sowie zehn Expansions. Abgesehen von einigen Effekt-Plug-ins und Unmengen von Sampler-Instrumenten fehlen im Vergleich zu Komplete 12 Ultimate eigentlich nur die Reaktor-Synthesizer Flesh, Razor und Skanner XT. Der Platzbedarf für alle mitgelieferten Bibliotheken beträgt hier bereits 220 Gigabyte. Neben dem Download lässt sich diese Version daher bereits auch mit Aufpreis als verpackte Version mit Festplatte erwerben, was natürlich auch für die größeren Versionen möglich ist, während Komplete Select mit USB-Stick zu bekommen ist.

Vollbedienung bis Luxusklasse

Mit über 600 respektive 900 Gigabyte ziehen die beiden großen Komplete-Versionen in fast schon wahnwitzige Dimensionen davon, für die der Studiorechner dann schon entsprechende Kapazitäten bereithalten sollte. Komplete 12 Ultimate verfügt über den denselben (fast) vollständigen Fundus an Kontakt-Bibliotheken wie die Collector’s Edition, wird aber „nur“ mit 20 statt 50 Expansions aufgeliefert, die so ziemlich jedes Genre mit spezialisierten fertigen Sounds abdecken. Abseits von diesem Unterschied warten beide Versionen mit nicht weniger als 101 Instrumenten und Effekten auf. Neu ist hier das zweite Kreativ-Effekt-Trio Crush Pack (siehe Kasten) sowie eine Reihe Sample-basierter Instrumente, allen voran die platzhungrige Symphony Series Collection mit ihren überzeugend spielbaren Sektionen und Solisten. Außerdem gibt es mit Thrill ein mächtiges Werkzeug zur Komposition dichter Klangteppiche, Cluster und Drones. Dabei kommen sowohl orchestrale Aufnahmen als auch hybride und konkrete Klangquellen zum Einsatz, deren Intensität und Mischung per XY-Pad geregelt werden kann.

Das Ende des Samplers

Reaktor und Kontakt bilden gewissermaßen das Rückgrat im Native-Instruments-Plug-in-Katalog. Während alle neu entwickelten NI-Synthesizer der letzten Jahre auf Reaktor basieren, gilt das gleiche für die Sample-basierten Instrumente und Kontakt. Mit anderen Worten: Das Herzstück von Kontakt bekommt man beim Musizieren eher selten zu sehen. Das liegt auch an der inzwischen in die Jahre gekommenen Factory Library. Die schicken, intuitiv bedienbaren Instrumente von Komplete 12 haben scheinbar nur recht wenig mit Kontakt gemeinsam, obwohl dessen Innenleben hier tatsächlich vollumfänglich die Arbeit leistet. Gleiches gilt auch für die zahllosen Produkte von Drittanbietern für diese Plattform. Insofern hat Native Instruments in Kontakt 6 nun eine Reihe neuer Funktionalitäten ergänzt, die sich an Entwickler Sample-basierter Instrumente wenden. Die wenigsten Anwender werden diese neuen Funktionen unmittelbar im Alltag bemerken, sondern erst, wenn diese in neuen Instrumenten zum Einsatz kommen.

Den vollständigen Testbericht lest ihr in KEYS 01/2019 – die Ausgabe könnt ihr direkt hier im Shop bestellen.
 
Text: Martin Hirsch
Fotos: Native Instruments

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