Native Instruments Komplete Kontrol S88 MK2

14.01.2019 16:12

Inzwischen ist auch die 88er-Version der renovierten Komplete-Kontrol-Serie im Handel verfügbar. Sie bietet sämtliche Vorteile der MK2-Modelle, soll aber mit einer Hammermechnik auch Pianisten adressieren. Was sich gegenüber dem Vorgängermodell getan hat, haben wir uns angesehen.

Native Instruments Komplete Kontrol S88 MK2

Ende 2017 hat Native Instruments die USB-Controller-Komplete-Kontrol-Serie einer Generalüberholung unterzogen (KEYS 01/2018). Die neue Serie zeichnet sich durch ein verändertes Angebot an Spielhilfen, ein überarbeitetes Layout der Bedienelemente sowie durch zwei Farb-Displays aus. Im Unterschied zu den kleinen Modellen wurde hier jedoch auch die Hammermechanik-Klaviatur mit monophonem Aftertouch optimiert.

Rundgang

Das elegante Design ist stimmig und überschaubar. Das stabile mehrheitlich aus Hartkunststoff gefertigte bühnentaugliche Chassis mit den Maßen 139 x 34 x 11 cm ist mit 13,2 kg kein Leichtgewicht und verlangt nach einem stabilen Keyboard-Stativ. An Spielhilfen bietet das S88 MK2 Pitch- und Modulationsräder, zwei Pedalanschlüsse und einen horizontalen Touch Strip. Blickfang des Flaggschiff-Controllers sind die großen Farb-Displays, die aufgrund möglicher grafischer Darstellungen deutlich aussagekräftiger als im ersten S88 (KEYS 1/16) ausfallen und dank hoher Auflösung Abkürzungen hinfällig machen. Noch besser hätte mir übrigens eine leicht linkslastige Asymmetrie gefallen, um rechts auf dem Keyboard Desktop-Synthesizer oder ein Laptop abstellen zu können. Unter- und überhalb der mittig platzierten Displays stehen acht berührungsempfindliche, ungerasterte Encoder und ebenso viele beleuchtete Taster bereit. Über weitere Taster und einen multifunktionalen X/Y-Push-Encoder auf der rechten Seite ruft man den Browser, Plug-ins und DAW-Instanzen auf und wechselt zur DAW-Steuerung. Links finden sich neben den Spielhilfen DAW-spezifische Funktionen wie die Transportsteuerung, die Preset-Umschaltung und fünf Maschine-spezifische Tasten. Der Rechneranschluss erfolgt über USB, wobei das mitgelieferte Netzteil unerlässlich ist. Standalone lassen über die MIDI-Ein- und Ausgänge auch externe Klangerzeuger spielen, wobei man das S88 MK2 nicht als klassisches Master-Keyboard einordnen sollte: Die dedizierte computerunabhängige Steuerung von Hardware ist nicht das Ziel dieser Controller.

Klaviatur

Einen genauen Blick ist die neue gewichtete Fatar-Hammerklaviatur wert. Das S88 MK2 wendet sich an Musiker mit Klaviererfahrung. Aber der Umfang von über sieben Oktaven mag manchem Anwender gefallen, immerhin finden sich in etlichen Libraries neben den eigentlichen Tönen auch Tasten zur Umschaltung der Artikulationen. Das Spielgefühl unterscheidet sich von einer gewöhnlichen Synthesizer-Klaviatur durch schwergängigere Tasten. Im Unterschied zur ersten Version hat die Klaviatur aber für meine Begriffe eine verbesserte Federung. Erste war zwar funktional überzeugend, wies aber einen leicht trägen Rücklauf auf. Das S88 MK2 reagiert zackiger und ermöglicht eine verbesserte Umsetzung schneller Läufe. In dieser Preisklasse ist die Klaviatur völlig überzeugend – vom Spielgefühl bis zur Dynamikumsetzung. Wer höhere pianistische Ansprüche hegt, muss zu einer Holzklaviatur greifen, wie sie etwa bei Kawai zu finden ist. Letztlich ist aber bei jedem Controller der Repititionsmechanismus der Mechanik nicht mit einem echten Flügel identisch. Allerdings handelt es sich hier ja auch um einen MIDI-Controller für die moderne Produktionumgebung.
Natürlich verzichtet Native Instruments nicht auf den sogenannten Light Guide. Diese Tastenbeleuchtung in Form mehrfarbiger LEDs ermöglicht eine übersichtliche Visualsierung diverser Funktionen. So werden gespielte Noten, belegte Sample-Bereiche, Artikulationen und Splits gezeigt. Hinzu kommt eine Skalenfunktion, bei der die Klaviatur in spezifischen Tonarten und Skalen agiert und „falsche“ Noten ignoriert oder umlenkt. Schließlich fehlen auch Arpeggiator, Akkordspeicher und Tasten zur Transponierung und zum Spiel mit fester Dynamik nicht.

Native Kontrol Standard und DAW-Steuerung

Im Fokus steht natürlich die NKS-Funktionalität (Native Kontrol Standard), die über die Software Komplete Kontrol abgewickelt wird. Diese sorgt als Plug-in-Host innerhalb der DAW (VST2, AU, AAX oder Standalone) für die Kommunikation zwischen S88 und Rechner und koordiniert den Aufruf der Plug-ins mitsamt Bildvorschau und Vorhörfunktion und einhergehenden automatischen Parametersteuerung über die Bedienelemente des Controllers. Vollen Nutzen zieht man dabei aus kompatibeln Instrumenten, die in immer größerer Auswahl auch von Drittanbietern verfügbar sind. So lassen sich Plug-ins und Sounds wählen und unmittelbar editieren, ganz ohne Mauseinsatz.

Den vollständigen Test lesen Sie in der KEYS 02/2019 – die Ausgabe können Sie direkt hier im Shop bestellen.

Text: Ulf Kaiser
Foto: Native Instruments

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