Richtcharakteristiken im Überblick

29.01.2018 14:48 | Musikproduktion

Richtcharakteristiken Aufmacherbild

Die Richtcharakteristik ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Mikrofons, denn sie bestimmt, wie stark Schallquellen abgenommen werden, die aus verschiedenen Richtungen auf die Kapsel trefen. Wir erklären euch, welche Unterschiede es gibt. 

Niere

Die Niere ist die häufigste und auch am universellsten einsetzbare Richtcharakteristik. Das Mikrofon nimmt Töne, die von vorne auf die Kapsel auftreffen, am lautesten auf, während von der Seite und von hinten kommende Signale bedämpft werden. Die Niere wird immer dann verwendet, wenn das Mikrofon auf ein bestimmtes Signal fokussiert werden soll. Daher werden auf der Bühne praktisch ausschließlich Nieren eingesetzt, da sie die beste Rückkopplungssicherheit bieten. Neben der traditionellen Niere gibt es die Superniere (auch Hyperniere genannt), die noch etwas schmaler bündelt, sowie die breite Niere, die ein wenig mehr in Richtung Kugel tendiert.

Kugel und Acht 

Die Kugel nimmt theoretisch alle Schallquellen völlig unabhängig von der Einsprechrichtung auf. Wie gut das in der Praxis tatsächlich funktioniert, hängt vom Mikrofontyp ab. Bei der Acht werden von vorne und von hinten auf die Kapsel auftreffende Signale gleich laut abgenommen während seitliche Signale stark bedämpft werden. Zwischen den dargestellten Charakteristiken gibt es beliebig viele Abstufungen. Eine Niere nimmt immer etwas mehr Schall von hinten als von der Seite auf; je schmaler die Niere wird, desto deutlicher kommt dieser Effekt zum Tragen. Daher wird eine Niere, wenn man sie immer schmaler gestaltet, zur Acht, während andersherum bei immer breiter werdenden Charakteristik allmöglich eine Kugel entsteht. Folgerichtig gibt es einige Großmembran-Kondensatormikrofone, bei denen sich die Richttcharakteristik von Kugel über Niere bis hin zur Acht stufenlos regeln lässt.

Richtcharakteristik in Abhängigkeit von Frequenz

Ganz wichtig ist es zu verstehen, dass sich die Richtcharakteristik (englisch polar pattern) nie bei allen Frequenzen gleich verhält. Die allermeisten Mikrofone bündeln zu hohen Frequenzen hin stärker, im Bassbereich wird jedes Mikrofon zur Kugel. Daher stellen seriöse Mikrofonhersteller für ihre Modelle sogenannte Polardiagramme bereit, auf denen man mittels einer 360-Grad-Skala ablesen kann, wie hoch die Empfindlichkeit bei welchem Schall-Einfallswinkel ist. Die Diagramme geben meist drei Kurven für die Frequenzen 100 Hz, 1kHz und 10 kHz an. In der Praxis gibt es natürlich unendlich viel mehr Frequenzen mit unterschiedlichen polar patterns. Die Richtcharakteristik in Abhängigkeit von Frequenz ist ein ganz wesentlicher Faktor für den Klang eines Mikrofons, der messtechnisch nur sehr ungenau beschrieben wird. 

Wenn ihr mehr zu diesem Thema erfahren möchtet, könnt ihr einen Blick in die RecMag-Ausgaben 01/2018 und 02/2018 werfen. In den Workshops Mikrofonpraxis 1 & 2 erhaltet ihr umfassendes Know-How über Mikrofone und deren Eigenschaften. 

Viel Spaß beim Lesen!

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