Allzweckwaffe im Retro-Look

06.06.2019 15:01 | Testberichte

 

Rein optisch besticht das Model 24 schon beim ersten Anblick. Retro-Freunde, die auf echte Regler und analoge Anzeigen stehen, kommen mit dem neuen Tascam-Interface voll auf ihre Kosten. Doch hinter dem Vintage-Look verbirgt sich eine ganze Menge moderner Technik: Das Tascam Model 24 ist ein analoges Mischpult mit 12 Mono- und 5 Stereo-Kanälen, insgesamt stehen 22 Kanäle zur Verfügung.
Neben den für „klassische“ Mischpulte typischen EQ-Potis, inklusive parametrischer Mitten, verfügt das Pult über einen integrierten SD-Karten-Recorder. So sind mobile Aufnahmen, zum Beispiel von Konzerten oder Proben, ohne großen Aufwand und zusätzliches Equipment möglich.


Herzstück für das Home-Studio
Seine ganz große Stärke aber zeigt das Model 24 beim Einsatz in kleinen oder mittleren Home-Studios: Denn dank einer USB-Schnittstelle fungiert das Pult auch noch als Audio-Interface, das mit allen gängigen DAWs ansteuerbar ist. Beim Anschluss an den PC ergeben sich erfreulicherweise keine größeren Probleme – das Model 24 gibt sich allen gängigen DAWs sofort zu erkennen, die Installation läuft reibungslos und unkompliziert, sodass man keinen PC-Experten zu Rate ziehen muss, um das Pult in Betrieb zu nehmen. Durch die USB-Schnittstelle gelangen die separaten Signale aller 22 Kanäle in den Aufnahme-PC und können dort weiterverarbeitet werden. Die hohe Anzahl der Kanäle ist dabei ein wesentliches Argument für das Model 24: 22 verschiedene Signale reichen für die allermeisten Recording-Anwendungen im Pop- und Rock-Bereich aus; gerade unter Hobby- und semiprofessionellen Recording-Fans dürfte es kaum Unzufriedenheit mit der Kanalzahl geben.


Die 22 Kanäle können außerdem  aus der DAW wieder zurück ans Pult gesendet werden, wo man sie – ganz analog – abmischen und als Stereomix wieder per USB aufnehmen kann. Im Vergleich zu vielen Konkurrenz-Produkten werden bei der Aufnahme die vorher eingestellten EQs sowie Pannings oder Low-Cuts mit in die Aufnahme gespeist  Dadurch lässt sich der Grund-Sound ganz klassisch am Mischpult selbst einstellen, bevor es in die Recording-DAW geht. Durch zusätzliche Features – etwa integrierte Kompressoren für die ersten 12 Kanäle oder Hall-Effekte – bietet das Model 24 schon vor der DAW viele verschiedene Möglichkeiten zur Sound-Bearbeitung.
Die Mikrofon-Vorverstärker klingen absolut sauber und detailreich und bieten Gain bis zu +50 Dezibel. Das Zuschalten der Phantomspeisung ist ebenso auf allen Kanälen möglich. Außerdem verfügt das Model 24 über zwei hochohmige Inputs zum Anschluss von E-Gitarren oder Bässe. Zusätzlich bieten diese zwei Kanäle Inserts, also einen Einschleifweg für Effekte wie Overdrives, Reverbs, oder Booster.

 

Robuste Retro-Optik
Dank all dieser Eigenschaften macht das Pult nicht nur als flexibler Live-Mixer mit zahlreichen Zusatzfunktionen eine gute Figur, sondern dürfte sich ganz besonders unter ambitionierten Recording-Fans schnell großer Beliebtheit erfreuen. Die Verarbeitung des Model 24 ist dennoch robust genug, um auch „on the road“ zu bestehen. Die Fader und Regler sind absolut robust und erlauben feine, detaillierte Einstellungen – hier wurde nicht gespart. Bei 100 mm Fader-Weg lassen sich genaue Mixings vornehmen, die für ein beeindruckendes Gesamtbild sorgen. Die Potis bewegen sich gleichmäßig und geben in der Mittelstellung deutlich Signal. Gerade für Studiobetreiber auch nicht ganz unwichtig ist die Optik des Model 24. Hier kann das Tascam-Pult auf ganzer Strecke punkten: Die Farbgebung ist klassisch, der Holzrahmen um das Pult herum lässt kaum erahnen, dass man es mit einem Produkt aus dem Jahr 2019 zu tun hat. Besondere Erwähnung finden muss auch die Verarbeitung.


Fazit
Mit dem Model 24 stellt Tascam ein Produkt vor, das schon sehr bald seinen festen Platz im Markt haben wird. Die Technik des Pults ist absolut am Puls der Zeit, die Verarbeitung lässt keine Wünsche offen, und die Optik tut ihr Übriges, um zu überzeugen. So macht das Model 24 sowohl in einem Live-Setting als auch im Studio-Umfeld eine gute Figur. Die intuitive Bedienung, sein klassisches Flair und der konkurrenzfähige Preis von um die 1.000 Euro dürften dem Pult schon bald viele Fans bescheren.


Dominik Sauter

 

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