Tobsüchtig und genial

22.01.2020 14:37

So schwierig bis zerstörerisch sich Ginger Baker im Zwischenmenschlichen zeigte, so genial und mitreißend spielte er Schlagzeug. Wir erinnern uns an Leben und Werk des am 6. Oktober 2019 verstorbenen Cream-Drummers.

Noch als Greis holte Ginger Baker zum Schlag aus. Erbost darüber, dass der Filmemacher Jay Bulger auch Bakers Angehörige für eine geplante Dokumentation interviewen wollte, brach er dem Amerikaner kurzerhand mit einem Krückstock die Nase. Es war nur eine von vielen jähzornigen Attacken.

In den Sechzigern griff er Jack Bruce, seinen späteren Bandkollegen bei Cream, mit einem Messer an. Er beschimpfte seine Fans, war ein Heroin-Junkie, katastrophaler Ehemann und erbärmlicher Vater. Aber eben auch: ein begnadeter Drummer.

1939 in London geboren, wuchs Peter Edward Baker, der wegen seiner roten Haare „Ginger“ genannt wurde, in einer Londoner Arbeiterfamilie auf. Sein Vater fiel im Zweiten Weltkrieg. Als Kind erlebte Ginger die Bombenangriffe der deutschen Luftwaffe mit. Später schloss er sich Straßenbanden an und heckte kleinere Straftaten aus.

Die Dämonen des Ausnahmeschlagzeugers werden umso begreiflicher, je tiefer man in seine Biografie blickt: „Benutze deine Fäuste“ soll in einem Brief gestanden haben, den Bakers Vater seinem Sohn hinterließ, „das sind oft deine besten Freunde.“

Dass er seine Hände auch sinnvoller einsetzen konnte als in Raufereien, lernte Baker seinen eigenen Worten zufolge unverhofft: „Auf einer Party spielte diese Band“, erzählte er 2009 der englischen Tageszeitung The Independent. „Alle Kids riefen mir zu: ‚Spiel Schlagzeug!‘ Ich hatte noch nie an einem Drumkit gesessen, aber ich versuchte es trotzdem – und ich konnte spielen! Einer der Musiker drehte sich um und sagte: ‚Verdammte Scheiße, wir haben einen Drummer.‘ Und ich dachte mir: ‚Verdammte Scheiße, ich bin ein Drummer.‘“

Heute gilt Baker als einer der einflussreichsten Schlagzeuger überhaupt. Für viele steht er auf einer Stufe mit Legenden wie Keith Moon oder John Bonham. Als integraler Bestandteil der Supergroups Cream und Blind Faith schrieb Baker Rockgeschichte. Ihn selbst inspirierten aber vor allem Jazz-Drummer: Max Roach, Art Blakey und Elvin Jones sind einige der Namen, die fielen, wenn er über seine Einflüsse sprach. Auch der britische Jazzer Phil Seamen, bei dem er einige Stunden Unterricht nahm, hinterließ bei ihm einen bleibenden Eindruck ...

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