Tone-Trademarks: Albert King - Bendings vom anderen Stern

23.01.2020 14:24

Albert King lernte den Blues in den Vierziger Jahren in Mississippi und Indiana von der Pike auf. Seine Vorbilder waren nach eigenen Angaben Blind Lemon Jefferson, Elmore James und Lonnie Johnson. In seiner Heimat versuchte er im Fahrwasser einer lokalen Berühmtheit mitzuschwimmen – niemand anderes als B.B. King. Wie dieser erzählt, habe Albert sich als sein Bruder ausgegeben und den Namen King nur angenommen, um Gigs abzustauben. King missfiel dieses Vorgehen damals natürlich sehr, aber die beiden schlossen einige Jahrzehnte später Freundschaft und zollten einander Respekt.

Auf nach Chicago

Nachdem es im Süden nicht so recht wurde und King sich als Baumwollpflücker und Baustellenarbeiter, ja sogar als Bulldozerfahrer, durchschlug, verlegte er seinen Standort nach Chicago – das als kulturell etablierte Blues-Hochburg galt. Doch auch hier folgten zehn harte Jahre, in denen King immerhin bei der Band Jimmy Reeds unterkam – als Schlagzeuger. Jimmy Reed, der mit seinem groovenden Boogie der Wegbereiter für Chuck Berry oder den Groove solcher britischen Blues-Klassiker wie „Midnight Rambler“ war, habe einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Kings Spiel gehabt, so heißt es. Mitte der Sechziger Jahre bricht King abermals auf, diesmal nach Memphis, um bei Stax-Records endlich den geeigneten Sound und die richtige Band zu finden, die für ihn alles ins Rollen bringt: die Rede ist von Booker T. and the MGs. Damals bereits vierzig Jahre alt, nimmt die Karriere Albert Kings endlich richtig Fahrt auf.

Kein Ton zuviel

Mit seinem Album Born Under A Bad Sign veröffentlicht King eines der knackigsten und groovendsten Blues-Alben der ganzen Dekade. Die Scheibe voller Drei-Minuten-Songs enthält nicht einen Ton zu viel und lässt bei keinem Takt auch nur das Gefühl von „schon mal gehört“ aufkommen. Kein Wunder, denn die Band besteht aus Steve Cropper an der Rhythmusgitarre, Donald Duck Dunn am Bass, Al Jackson Jr. am Schlagzeug, sowie Booker T. und Isaac Hayes an den Pianos und, zu guter Letzt, den berühmten Memphis Horns. Selbst heute klingt dieses Album so sehr nach Sixties, wie man eine Blues-Gitarre nur klingen lassen kann. Oder liegt es vielleicht auch daran, dass das Vokabular von Leuten wie Peter Green, Alvin Lee, Steve Marriott und nicht zuletzt Eric Clapton hierin begründet liegt?

Giganten auf den Schultern des Giganten

Vor allem Eric Clapton hat sich dieser Albert-King-Licks bedient – sein Solo in „Strange Brew“ könnte man als lupenreine Anwendung eines Albert-King- Lick-Bausatzes bezeichnen. Hört euch den Song und danach einmal Albert-King-Songs wie „Crosscut Saw“ an. Auch die Licks die Clapton in seinem berühmten und sehenswerten Inter- view auf der Farewell-Cream-TV-Ausstrahlung (DVD-Titel: Cream Farewell Concert, Royal Albert Hall London) zum Besten gibt, triefen vor Albert King – da wirkt seine obsessiv vorgelebte Robert-Johnson-Verehrung im Nachhinein, als ob uns Slowhand auf die falsche Fährte führen wollte. So ähnlich wie dass Eddie Van Halen nach eigener Aussage immer nur Clapton-Licks geübt und nie etwas von Jeff Beck abgekupfert habe ... Aber das sind natürlich nur spaßige Spekulationen und in diesem Fall auch nicht wirklich ernst gemeint. In den USA beeinflusste Albert King jedenfalls Gitarristen wie Michael Bloomfield, Doyle Bramhall II., Albert Collins, Jimi Hendrix, Otis Rush, Stevie Ray Vaughan und Joe Walsh, die sich allesamt als große Verehrer zu erkennen gaben und bei denen sich immer wieder stolz, die erlernten King-Licks raushören lassen - allen voran Vaughan und Walsh.

Doch was macht die Albert-King-Magie aus? Was ist es, das Gitarristen seit 50 Jahren so an ihm fasziniert und inspiriert? In guitar 2/20 könnt ihr den ganzen Tonetrademarks-Workshop mit Noten, Tabs und Songbeispielen nachlesen und nachhören.

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