VOX MV50: Klein, aber oho!

11.02.2019 07:49

 

Viele Gitarristen kennen die Problematik: Da hat man sich vor Jahren für teures Geld einen toll klingenden Röhren-Amp angeschafft und das schwere Teil mühevoll in den Band-Proberaum verschafft. Nun sitzt man Zuhause und möchte Zeit mit seiner Gitarre verbringen – doch der geliebte Sound aus dem Proberaum ist nicht zu bekommen. Oder: Man spielt einen Gig, der Platz auf der Bühne ist begrenzt, und die ganze Amp-Schlepperei ist nun auch nicht gerade ein Vergnügen.


Mini-Röhre
Genau in solchen Fällen erscheint die MV-Reihe von VOX als interessante Alternative. Denn die britischen Amp-Legenden haben sich bei der Entwicklung ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Der von so vielen Gitarristen geliebte VOX-Röhrensound soll mit den Mini-Topteilen jetzt auch für die Hosentasche erhältlich sein. Dabei setzt man bei VOX auf die in Zusammenarbeit mit Korg entwickelte Nutube-Technik. In Kurzform erklärt ist die sogenannte Nutube eine Art „Digitalröhre“. Wie eine traditionelle Vakuumröhre auch findet man bei einer Nutube Bestandteile wie Anode, Gitter und Kathode, und auch die Arbeitsweise ist identisch mit der von klassischen Röhren. Die Unterschiede sind dennoch riesig: Herstellerangaben zufolge braucht die Nutube nur zwei Prozent des Stroms, den eine herkömmliche Röhre frisst, und hat eine Lebensdauer von beeindruckenden 30.000 Stunden. Verstärkt wird die MV50-Serie von einer extrem leichten, aber leistungsfähigen Class-D Transistor-Endstufe. Hinzu kommt der deutlich geringere Platzbedarf: Eine Nutube benötigt 30 Prozent weniger Platz als ein analoger Kollege. Genug Gründe also, um sich die MV-Amps einmal genauer anzusehen.


Flexibilität ist Trumpf
Dabei fällt zunächst einmal auf, wie vielseitig das kleine Topteil ist: Der Anschluss für externe Speaker, schaltbar mit 4, 8, oder 16 Ohm Impedanz, ermöglicht den Anschluss verschiedenster Speaker. Daneben gibt es einen kleinen EQ-Schalter, bei dem man zwischen der Standard-Einstellung „Flat“ und einer basslastigeren Einstellung namens „Deep“ wechseln kann. Hinzu kommt ein Line-Ausgang, mit dem der Anschluss eines Kopfhörers oder die Verbindung in eine DI-Box und zu einem Mischpult möglich ist – Boxensimulation inklusive. Auf der Vorderseite setzt VOX auf die bewährte Schlichtheit: Die drei Regler Gain, Tone und Volume reichen aus, um den gewünschten Klang zu erreichen.

Erstaunlich nah dran
Dabei gibt es den MV50 in verschiedenen Ausführungen, bei denen der gewünschte Grundsound schon vorgegeben ist: Neben einer Clean-Variante bietet VOX die Modelle AC, Rock, Boutique und High Gain an. In unserem Test standen die Versionen AC und Rock im Mittelpunkt. Die Modellnamen bedürfen keiner weiteren Erklärung. Beim AC haben die Entwickler sich den bekannten VOX-Dauerbrenner als Vorbild ausgesucht. Und tatsächlich zeigt ein direkter Vergleich mit einem AC15, wie nahe der Klang des Hosentaschen-Amps am Original ist. Derselbe Crunch, derselbe warme Overdrive – lediglich die Durchschlagskraft eines „echten“ Röhrenamps fehlt und ist mit einem Topteil dieser Größe auch bei der besten Technik nicht zu reproduzieren. Einzig ein Reverbregler dürfte dem einen oder anderen Gitarristen fehlen.
Die Rock-Variante hat im Vergleich deutlich mehr Dampf unter der Haube hat und drückt den traditionell britischen VOX-Sound in eine etwas amerikanischere Richtung. Doch auch hier gilt: Das Teil ist erstaunlich nah an seinen viel größeren, viel schwereren und viel teureren Brüdern.


Fazit
Mit der MV50-Reihe gelingt es VOX, eine Mini-Version ihrer größten Amp-Klassiker im Hosentaschenformat zu produzieren, die klanglich traditionell, aber technisch absolut innovativ ist. Neben den offensichtlichen Vorteilen des geringeren Energiebedarfs und der im Vergleich zu „echten“ Röhren wesentlich längeren Lebensdauer ist auch das Preis-Leistungsverhältnis ein echtes Kaufargument. Für Studio-Gitarristen und als kleine Alternative zu Röhrenamps macht die MV50-Serie in jedem Fall eine ­außerordentlich gute Figur.


Dominik Sauter

 

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