Virtual Soundcheck – Soundcheck ganz ohne Band!?

01.12.2017 16:11 | Veranstaltungstechnik

Das Zauberwort für die Befreiung von öden Checks heißt „Virtual Soundcheck“ und ist mit modernen Digitalmischpulten problemlos möglich. Allerdings mit ein paar Einschränkungen.

Der Trick hinter den virtuellen Checks ist ganz einfach. Die einzelnen Mischpult-Kanäle werden mit einem Mehrspur-Recorder oder einem Computer mit DAW-Software einfach während der Proben, eines ausführlichen Soundchecks oder während eines Gigs mitgeschnitten – ohne Bearbeitung und Effekte. Für den Soundcheck werden diese Signale wiederum einzeln in die Mischpultkanäle zurück gespielt und dort so bearbeitet, wie die Mikrofon- bzw. DI-Signale von der Bühne.

Einige Mischpulte bieten für einen Mehrspur-Mitschnitt bereits eingebaute USB-Audio-Interfaces für Notebooks an. Ist das nicht der Fall, kann die Funktion mit günstigen Digital-Interfaces nachgerüstet werden. Gerade mit der Verbreitung von Audionetzwerken wird das immer einfacher und kostengünstiger. Ein Mischpult mit Dante-Interface kann mit einem einfachen Netzwerkkabel an den Computer angeschlossen werden. Dazu ist lediglich die Software „Virtual Soundcard“ auf dem Rechner nötig. Und natürlich eine DAW wie u.a. Cubase, Logic oder ProTools.

Die Vorteile sind enorm. Der Tonmann kann ungestört am Sound schrauben während die Band sich schon am Catering bedient. Der Stresslevel sinkt deutlich. Allerdings funktioniert der virtuelle Soundchek nicht immer.

Gerade auf kleinen Bühnen kann ein Check ohne Band problematisch sein, da in diesem Fall viel Direktschall von der Backline, den Drums oder Gitarrenamps auf der Bühne kommt. Bei einem Virtual Soundcheck ist die Backline stumm. In kleinen Venues muss der PA-Sound um den Backline-Sound herum gestrickt werden. Dazu muss die Band auf der Bühne sein.

Trotzdem kann auch hier ein virtueller Check Sinn machen. zum Beispiel um in Ruhe spezielle Effekte zu programmieren.

Ein Virtual Soundcheck ersetzt auch nicht den Line-Check, der sicherstellt, dass alle Signale von der Bühne auch richtig am Pult ankommen. Line-Checks können in diesem Fall jedoch auch problemlos von den Roadies durchgeführt werden.

Auch das Monitoring für die Musiker bleibt bei einem reinen Virtual Soundcheck ungeprüft. Zwar kann man sich einigermaßen auf das im Pult gespeicherte Setup vom letzten Gig verlassen, sollte aber die Monitore – egal ob In-Ear oder Lautsprecher – vor jedem Gig ausführlich prüfen. Jeder Club, jede Halle ist akustisch unterschiedlich. Ebenso die Tagesform der Musiker, die einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die Wahrnehmung des Monitor-Sounds hat.

Im Idealfall kommt die Band trotz der Möglichkeit des virtuellen Soundcheks kurz auf die Bühne um die Lines und das Monitoring zu checken. Die filigrane Arbeit am Sound kann der Techniker dann alleine am Pult weiter führen.



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