Die musikalische Hauptstadt Europas

13.09.2018 09:32 | Gitarre


Schon 1620 bauten die Kaiser Ferdinand I. und II. die königliche Hofkapelle zu einem der führenden Orchester Europas aus, dessen Nimbus der Einzigartigkeit weit über die Grenzen des Reichs getragen wurde. Neben Musikern zog es auch zahlreiche Komponisten in die Donaumetropole, wie Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert, die sogenannte „Erste Wiener Schule“. Im Zeitalter der Romantik folgten Brahms, Bruckner und Mahler. Im 19. Jahrhundert bildete sich ein „musikalischer Markt“, da das Musikwesen zunehmend auch im bürgerlichen Ambiente stattfand: Neben den Palais der Aristokratie fanden Konzerte (sogenannte Akademien) auch in den Salons und Wohnstuben der Bürger statt. Im Gegensatz zur feudalen Abhängigkeit bildete sich der Typus des unabhängigen Berufsmusikers heraus, der häufig auch unterrichtete und seine Werke verlegte. Die „Zweite Wiener Schule“ von Schönberg, Berg und Webern läutete schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts eine musikalische Revolution mit der Zwölftonmusik ein.

Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine lebendige Gitarrenszene in der Donaumetropole. Der zweifellos brillanteste Vertreter der Zunft war Mauro Giuliani, zu dessen Andenken es sogar ein Gitarrenmagazin mit dem Namen Giulianidad gab. Sein Schüler Antonio Spina gab eine Gitarrenschule nach seiner Methode heraus. Auch Franz Schubert besaß eine Gitarre aus der renommierten Staufer-Werkstadt, vermutlich jedoch, weil er sich kein Klavier leisten konnte. Gitarrenwerke hat er leider nicht komponiert, 1824 schrieb er jedoch eine Sonate für die „Arpeggione“, die ein Zwitterinstrument zwischen Gitarre und Cello war. Zu gitarristischem Ruhm kam ebenfalls der Böhme Wenzel Matieka, dessen „Notturno op. 21“ Schubert als Vorlage für ein weiteres Werk diente und das bis heute populär ist.

Wer Wien besucht, hat die Gelegenheit, diverse Musentempel in Augenschein zu nehmen. Hier eine kleine Auswahl: An der Domgasse existiert die einzig noch erhaltene Wohnung Mozarts, das sogenannte „Figarohaus“, in dem der Maestro seine erfolgreiche Oper „Die Hochzeit des Figaro“ komponierte. Im interaktiven „Haus der Musik“ besteht die Möglichkeit, die legendären Wiener Philharmoniker virtuell zu dirigieren und mit einem Würfelspiel einen Walzer zu komponieren. Ferner gilt das Haus des Musikvereins, das 1869 fertiggestellt wurde, als einer der schönsten Konzertsäle der Welt. Das „Schuhschachtel“-Prinzip war Vorbild für viele weitere Konzerthäuser und bietet eine hervorragende Akustik mit vielen schallstreuenden Flächen, Reflexionen von den Seitenwänden und einer Nachhallzeit von zwei Sekunden. Ein weiteres Haus von Weltrang ist die Wiener Staatsoper, in der sich die renommiertesten Dirigenten den Taktstock und bekannte Sänger die Klinke in die Hand geben.

Mauro Giulianis Allegro findet ihr in zwei Teilen in guitar acoustic 4/18 und 5/18!
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Text: Jens Müller
Foto: Hulton Archive/Getty Images

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