Bleibt authentisch!

03.02.2017 11:36 | News, Gitarre

Was können wir nicht noch alles von den alten Bluesern lernen – für's Gitarrespielen, aber auch für's Leben. Warum man sich das fragen sollte, liegt auf der Hand: die Jungs haben damals mitunter den Grundstein für alles gelegt, was danach kommen sollte. Freilich, bei Malmsteen hört man nicht nicht mehr viel von Tampa Reds Melodieführung oder der schieren Gewalt, die ein Son House an den Tag legte. Nichtsdestotrotz sind diese Legenden quasi das Fundament des Rock’n’Roll. Man erinnere sich an das Zitat von Dick Waterman, dem Manager von Son House:

„Wenn der Blues ein Ozean wäre und man ihn auf einen Weiher herunterreduzierte, diesen Weiher dann immer weiter eindampfte, bis nur noch ein Tropfen übrig wäre, dieser Tropfen auf deiner Fingerspitze, das ist Son House: die Essenz, das Konzentrat.“

alten Blueser

Und der gute Dick hat nicht ganz Unrecht, auch wenn die Aufnahmen der frühen Bluesmen in ihrer Qualität für heutige Hörgewohnheiten schwer zugänglich sind, zu stark ist das Rauschen, das Kratzen, zu ungewohnt der Dynamikumfang. Lässt man dies aber alles hinter sich, taucht man wirklich ein in diese Welt, dann offenbart sich einem eine Unmittelbarkeit, eine Authentizität, ein wahrlich echtes Erleben, das einem unsere heutige Plastik-Popwelt schlicht nicht bieten kann.

Und wenn sogar die weißen Jungs der aktuellen Blues-Generation wie Bonamassa in Sachen Authentizität nichts auf die alten Meister kommen lassen, dann sollte man schon mal ein Ohr riskieren.

Letzten Endes bleibt einem nur eine Möglichkeit, wenn man wissen will, warum der Blues wohl die aufrichtigste und bewegendste Musik aller Epochen ist: Anhören, mitfühlen und den Geschichten lauschen – denn neben geilen Licks hatten die Jungs auch harte Storys im Gepäck.

Wer nicht nur mithören, sondern auch mitspielen will, dem seien unsere Best-of-Bluescafés ans Herz gelegt.
Optische Naturen sollten sich mal unseren guitar-acoustic-Kalender fürs Jahr 2017 ansehen.

Stephan Hildebrand

Foto: Getty Images

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