Country is' geil!

22.03.2017 09:29 | Blog, Gitarre

Ich war vor ein paar Tagen auf einem Konzert von Blackberry Smoke. Was für ’n geiler Gig. Ausverkaufte Show im Backstage Werk zu München. Die Band spielte einen Hit nach dem anderen, Topsound, Hits und Hooks am laufenden Band, der Saal kochte, und das Grinsen stand einem ins Gesicht gemeißelt. Bin also nach dem Konzert direkt nach Hause, hab’ den Amp angeschmissen und mir die Telecaster umgeschnallt.

Kurz bevor ich lauthals zu „Waiting for the Thunder“ mitsingen konnte, stand meine Freundin im Zimmer und fragte mich ungläubig, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte. Gut, ich muss zugeben, dass mir in meinem leidenschaftlichen Anfall von beseelter „Riffitis“ etwas das Gefühl für die Zeit abhanden gekommen sein muss – 0:30 Uhr Montag in der Früh.

Zurück in der Redaktion. Im Zuge der Recherche zu unserem großen Country-Special bin ich völlig einem Song von Keith Urban verfallen. Das Hauptriff seines Songs „Good Thing“ (die restlichen Songs seines Albums Fuse sind bedauerlicherweise ziemlich überproduzierter Kaugummi-Country) ist einfach zum Niederknien. Die Soli, die Licks, es stimmt einfach alles, da ist kein Ton zuviel. Schlicht und genial.

Wie im Falle von Blackberry 
Smoke drückt das bei mir die richtigen Knöpfe. Auslöser für den „Good Thing“-Hype bei mir war ein einziges Youtube-Video. Keith Urban zieht einen Fan aus der ersten Reihe auf die Bühne, um ihm vor versammeltem Stadionspublikum eine Geburtstagüberraschung zu bereiten. Augenblicke später staunt selbst Keith nicht schlecht, als der Fan „Good Thing“ mit kompletter Band runterzockt. Und das so, als hätte er sein ganzes Leben lang nichts anderes gemacht. Gott, hatte das Eier! Wollte ich auch können – unbedingt!

Na ja, also, hier in der Redaktion der guitar sind zwar zwei, drei Leute weniger als bei einem Stadionkonzert, aber wenn der Kollege Hildebrand erst einmal richtig auf Touren kommt – dachte ich mir jedenfalls. Einen Tag später schmettere ich das Riff ins Rund, quasi in freudiger Erwartung auf einen Sturm der Begeisterung bezüglich meiner neuen Country-Künste. Die Reaktionen halten sich in Grenzen. „Schon wieder Blues?“, ist die müde Antwort von Chef-Redakteur Jürgen. Alex telefoniert, und Natalie hat ebenfalls jemanden an der Strippe. Na ja, denke ich mir, ist ja auch völlig normal. Mittwochs um 10:00 Uhr hat halt keiner Zeit für Country.

„Die Musikredaktion, die hat mal wieder Zeit …“, donnert es plötzlich hinter Hildebrands Schreibtisch hervor. „Zeit hat man nicht, die nimmt man sich“, kontere ich schnippisch. „Ach ja? Und für was bitte?“ Endlich habe ich die Aufmerksamkeit meines Lieblings-Schwaben geweckt. „Für Country!“, antworte ich und versuche mich in einem melodischen Chickenpicking, was mir zu meiner eigenen Überraschung ganz gut aus den Fingern flutscht. Kein Kommentar vom Schwaben.

Erst ein paar Stunden später, nachdem er sich unser schmuckes Country-Special im Heft durchgelesen hat, scheint es ihm zu dämmern. „Hey Tenke!“, heißt es dann, „spiel’ noch mal dieses Riff, du Country-Knecht! War scho’ biss’l geil, das Teil …“ Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Marcel Thenée

Kommentar eingeben

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.