Do it Yourself - selbst ist der Gitarrist!

06.07.2018 10:00 | Gitarre


Die ganze Welt versucht einem konstant einzutrichtern: selbst gekocht schmeckt besser! Handarbeit hält länger! Arbeit ist die wärmste Jacke! Wenn man aber als Teenager über viele Jahre so bekifft ist, dass man selbst Tiefkühlpizza für Arbeit hält, dann ist es mit dem Eifer oft nicht weit her. Ich musste mich somit diverse Male von Gitarrenhändlern verarschen lassen, um endlich aufzuwachen. Geld ist wie heute ein seltener Gast.

Es tut sich also die Frage auf: Spart man durch DIY wirklich was? Frisst das nicht wie jedes Hobby eher Geld? Ich will ehrlich sein, ich habe beides schon erlebt. Manches Projekt geschieht einfach wirklich nur aus Spaß an der Freud. Insbesondere das Bauen von Bodentretern ist hier ein gutes Beispiel. Die bekannten Bausätze, wie Big Muffs, Tube Screamer, Phaser et cetera sind auch für Anfänger leicht umzusetzen, und ihr Sound das Teil allerdings erst mal lackiert ist, die gewünschten Knöpfe verbaut sind und man sich noch das eine oder andere Extra gegönnt hat, fällt einem relativ schnell auf, dass man sich oft für das gleiche Geld das Teil auch inklusive Garantie nach Industriestandard hätte kaufen können. Oder gar gleich gebraucht, da bleibt sogar noch Geld für Bier.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Wenn der momentan heiß begehrte Klon Centaur (wenn man denn einen kriegt!) heute in neu etwa so viel kostet wie eine Monatsmiete oder sechsmal Liebe-Machen aufm Kiez und ein guter Rip-off dem Original zumindest sehr, sehr nahe kommt, dann wird das Lötkolbenschwingen ganz schnell auch zum finanziellen Aspekt. Ein weiteres gutes Beispiel, wo sich Selbermachen lohnen kann: gleich ganze Gitarren nach eigenem Wunsch selber zusammenbauen. Man muss natürlich wissen, woher man seine Materialien bezieht und vor allem: was man will. Ich führe gern zwei göttliche Gitarren an, die ich letztes Jahr selbst mit Materialien von Warmoth zusammengebaut habe und bei denen ich nach all der Mühe und Liebe zum Detail und vor allem aufgrund der Qualität der Hölzer Stein, und Bein schwöre, dass sie locker mit vielen aktuellen Custom-Shop-Modellen namhafter Hersteller mithalten können. Und das locker für die Hälfte des Preises. Und dann gibt es noch so Dinge wie Bausätze für eine Cigar-Box-Gitarre ...

Und dass man sich natürlich bei allen Komponenten komplett ausleben kann, versteht sich von selbst. Machen wir uns nichts vor: Der Homo sapiens ist und war immer genussfreudig. Mit dem Bedürfnis nach Zerstreuung im Alltag zwischen dem Jagen und Sammeln. Ich glaube, man nennt es Spaß. Und genau darum geht es! Es ist ein wahnsinnig erhebendes Gefühl, auf sein FX-Board zu schauen und Treter zu sehen, die kein anderer hat, auch wenn sie vielleicht genauso klingen. Man kann enorm viel rumprobieren und schon mit wenigen Handgriffen und Bauteilen mannigfaltige Soundvariationen schaffen. Von den endlosen Designmöglichkeiten ganz zu schweigen.

Hanno Klänhardt

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