Equalizer: Sinnvoll und richtig einsetzen

24.07.2017 16:54 | Veranstaltungstechnik

Den ersten Kontakt mit einem Equalizer (EQ) hat man meist an der heimischen Stereoanlage oder dem Mediaplayer auf dem Smartphone. Die einfachen EQs verfügen oft nur übern einen Bass- und Treble-Regler mit dem man die Bässe bzw. die Höhen des Musikmaterials anheben oder absenken kann. Am Sound kann man damit recht wenig kaputt machen – außer man dreht vielleicht die Höhen komplett raus und den Bass rein. Je mehr Möglichkeiten ein EQ bietet, desto mehr kann allerdings auch schief gehen.


31-Band Equalizer – Die Bänder gehen in Terz-Schritten durch den gesamten hörbaren Frequenzbereich

Grafische 31-Band-EQs (Terzband-Equalizer), die vorrangig zum Einmessen von Beschallungssystemen und Bühnenmonitoren benutzt werden, bieten schon recht umfangreiche Möglichkeiten zur Klangformung, denn man kann damit innerhalb des menschlichen Hörspektrums die Frequenzen in Terz-Abständen bearbeiten. Schraubt man ohne Sinn und Ziel an diesem EQ, kann ein sogenannter Kammfilter-Effekte auftreten, der an den Sound von Flangern oder Phasern erinnert und das Musiksignal topfig klingen lässt. Richtig eingesetzt kann man mit dem 31-Band-EQ gezielt störende Raum-Resonanzen bei PA-Systemen, oder lästige Rückkopplungen bei Monitoranlagen beseitigen.

Der parametrische EQ ist in Mischpultkanälen zu finden. Er bietet drei bis sechs Equalizer, die jeweils ein Frequenzband bearbeiten können. Die Frequenz kann dabei frei gewählt werden, bei professionellen Geräten auch die Filtergüte, die bestimmt, ob der EQ schmalbandig oder breitbandig arbeitet. Mit diesem EQ kann man sehr genau, fast schon chirurgisch, in das Material eingreifen.

Wie setzt man einen EQ richtig ein: Eliminieren von Resonanzen

Alleine die Tatsache, dass ein EQ vorhanden ist, bedeutet noch lange nicht, dass man ihn auch einsetzen muss! Klingt ein Musik- oder Sprachsignal so wie es soll, dann muss auch nicht daran geschraubt werden. Wenn ein Signal nicht optimal klingt, sollte man sich zuerst überlegen, was denn daran stört. Meist sind die Störenfriede Resonanzen, die durch die Bauform von Instrumenten oder Mikrofonen entstehen – bei Beschallungen können auch bauliche Begebenheiten der Location Resonanzen erzeugen. Allerdings sollte man auch bedenken, dass einige Instrumente nur durch ihre Resonanzen so klingen, wie sie sollen. Wir bearbeiten also nur störende Resonanzen!

Diese störenden Resonanzen gilt es zu finden und zu eliminieren. Mit einem parametrischen EQ ist das recht einfach zu bewerkstelligen: Man dreht den Gain des EQs vorsichtig auf, so dass man hört, was er gerade macht. Mit dem Frequenz-Regler sweept man nun langsam durch das Frequenzband, bis die unangenehm klingende Frequenz gefunden ist – diese ist meist kaum zu überhören. Nun dreht man mit dem EQ-Gain-Regler diese Freqenz so weit raus, wie nötig.


4-Band-Equalizer mit parametrischen Mitten in einem Mischpult, mit EQ-Gain-Reglern (Blau) und Frequenz-Reglern (Grün)

Mit einem 31-Band-EQ kann man diesen Trick ebenfalls anwenden. Da jede bearbeitbare Frequenz einen eigenen Regler hat, schiebt man jeden Regler einzeln nach oben (Verstärkung der Frequenz) und wieder zurück auf Null, bis man die Resonanz gefunden hat, die man nun raus zieht (Regler nach unten). Aber Vorsicht: Gerade bei lauten Beschallungssystemen kann es schnell zu Rückkopplungen kommen. Tritt eine Rückkopplung beim anheben einer Frequenz auf, kann man diese durch herausziehen mit dem EQ eliminieren. So „pfeifft“ man auch Bühnenmonitore ein.

Ist das Signal dann „sauber“, kann man eventuell noch etwas den Grundton verstärken oder zu scharfe Höhen absenken – je nach Gusto und gewünschtem Klang. Dabei kann man ebenso vorgehen, wie bei den Resonanzen: Die passende Frequenz suchen und bearbeiten. Mit der Zeit bekommt man die Erfahrung und das Gehör, um Equalizer auch ohne diesen Trick bedienen zu können. Professionelle Toningenieure können die Frequenz, die sie bearbeiten wollen nur durch das Hören zuordnen und drehen sie einfach raus ohne rumzuprobieren. Das erfordert jedoch jahrelange Übung.

Unser Tipp: Erst hören, dann denken, dann schrauben!


Mehr zu diesem Thema findet ihr im Buch Mixing Workshop - Leitfaden für Beschallung und Homerecording oder im pma Magazin.

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