Feedbacks auf der Bühne vermeiden

27.09.2017 16:57 | Veranstaltungstechnik

Nichts ist bei einem Gig lästiger für Musiker und Publikum, als laute und schrille Feedbacks. Nebenbei sind diese Pfeiftöne auch gefährlich für Ohren und Lautsprecher.



Um Feedbacks zu vermeiden muss man sich erstmal klar machen, wie Feedbacks entstehen: Feedbacks sind akustische Rückkopplungen, die entstehen, wenn beispielsweise ein Mikrofon das soeben aufgenommene und vom Lautsprecher wiedergegebene Signal erneut aufnimmt und an die Boxen weitergibt. Einzelne Frequenzen werden durch diese Feedback-Schleife extrem verstärkt und als Pfeifton ausgegeben. Welche Frequenzen das sind, wird vor allem durch die Akustik des Raumes bestimmt.

Feedbacks bändigen

Sobald Feedbacks auftreten, oder sich durch ein noch leises Fiepen ankündigen, kann der erfahrene Tontechniker die betroffenen Frequenzen mit einem Equalizer absenken und die Feedbacks so im Zaum halten. Terzband-Equalizer mit 31 Bändern eigenen sich dazu hervorragend. Dazu gehört jedoch reichlich Übung um die gehörte Frequenz auch genau bestimmen zu können.  

Eine Alternative stellt der Feedback-Destroyer dar, der inzwischen von einigen Herstellern angeboten wird. Er findet die Feedback-Frequenz automatisch und bedient daraufhin den eingebauten Equalizer. Allerdings ist das mit Vorsicht zu genießen: Sind alle vom Feedback-Destroyer zur Verfügung gestellte EQ-Bänder aufgebraucht, dann wird es trotzdem pfeifen. Auch verbessern solche rein technisch eingesetzten EQs nicht wirklich den Sound der PA, sie schaffen nur einen Kompromiss. Zudem kann das Gerät auch nicht unterscheiden, ob ein Feedback störend, oder gewollt auftritt. Wie beispielsweise von einem Gitarrenamp als cooles Pfeif-Intermezzo. Auch mancher analoger Synthesizer-Sound könnte von einem Feedback-Destroyer missdeutet und versehentlich beseitigt werden.

Feedbacks vermeiden

Es ist also besser Feedbacks zu vermeiden, als sie zu bekämpfen. Damit kann man beim aufstellen der PA- und Monitor-Lautsprecher beginnen, indem man darauf achtet, dass Direktschall und Reflexionen von harten Wänden oder dem Boden nicht direkt zu den vorgesehenen Mikrofonpositionen gelangen – soweit es die Vorgaben für die Beschallung und die örtlichen Begebenheiten zulassen.

Auch die Mikrofonposition ist entscheidend. Um bei der Mikrofon-Positionierung flexibler zu sein, gibt es Mikrofone mit verschiedenen Richtcharakteristiken. Nieren-Richtcharakteristiken nehmen sehr wenig Schall auf der Mikrofon-Rückseite auf. Das hilft um Einstreuungen aus der PA und den Monitoren zu minimieren. Supernieren nehmen den Schall von vorne und hinten, jedoch kaum von der Seite auf.

Bei Handmikrofonen sollte der Sänger geschult werden, das Mikrofon nicht mit der schallempfindlichen Seite in die Lautsprecher zu halten. Auch das Abdecken der Kapsel ist kontraproduktiv, da sich dadurch die Richtcharakteristik zu einer Kugel formt – was bedeutet, dass das Mikrofon von allen Seiten gleich empfindlich wird. Mikrofone hält man ausschließlich am Griffstück, auch wenn der coole Ganster-Rapper das anders handhabt. Leisten können sich das nur die Stars mit ihren ausgeklügelten Monitoring-Systemen auf riesigen Bühnen.

Mikrofone richtig einpegeln ist für die Feedback-Vermeidung enorm wichtig. Nur so hat man das Mikrofonsignal immer im Griff. Auch mit dem Einsatz von Kompressoren sollte man vorsichtig sein. Kompressoren machen bekanntlich laute Signale leiser, um mehr Gesamtlautstärke gewinnen zu können. Aber so werden auch leise Feedbacks lauter gemacht – oder eben Frequenzen verstärkt die ohne Kompressor noch kein Feedback erzeugt hätten. 

Die Kanal-Equalizer in einem Mischpult können ebenfalls Feedbacks begünstigen, wenn mit ihnen viele Frequenzen verstärkt werden. Es ist ratsam Equalizer möglichst passiv einzusetzen, also eher Frequenzen damit abzusenken, als zu verstärken.

Natürlich sind diese Tipps kein Allheilmittel gegen Feedbacks und auch nicht immer zu 100 Prozent umsetzbar. Man wird ein Mikrofon immer nach dem gewünschten Sound und erst in zweiter Linie nach den Regeln zur Feedbackvermeidung ausrichten. Aber mit etwas Vorsicht und Mitdenken beim Aufbau können viele Feedbacks vermieden werden. Den Rest macht dann der Terzband-Equalizer.


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