Gain-Staging-Praxis bei der Aufnahme

13.07.2018 11:55 | Musikproduktion

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Bei der Aufnahme gibt es einige Dinge hinsichtlich der später zur Verfügung stehenden Dynamik zu beachten. Wir liefern einen kleinen Überblick.

Wer nicht lediglich mit virtuellen Klangerzeugern arbeitet, wird früher oder später Stimmen, natürliche Instrumente oder andere elektronische Geräte wie Synthesizer, Sampler oder Digitalpianos aufnehmen wollen. Die geschieht in der Regel per Mikrofon oder über den Linepegelausgang des betreffenden Geräts. Diese werden üblicherweise an das Audio-Interface oder den Mikrofonvorverstärker angeschlossen. Dort wandelt der AD-Wandler diese spannungsgesteuerten Signale in binären Code um, den der Studiocomputer verarbeiten kann. Dabei ist zu beachten, dass der Wandler nicht übersteuert und mit zu lautem Pegel überladen wird. Denn wenn dies geschieht, wird das Signal verzerrt aufgenommen und ist damit zerstört. Wie laut der Eingangspegel des Wandlers maximal sein darf, entnimmt man dem Handbuch seines Audio-Interfaces. Generell ist es nie verkehrt, sich näher mit den technischen Werten seines Arbeitsgeräts zu beschäftigen. Je besser man sein Gerät kennt, umso besser lässt sich damit auch arbeiten.

Der korrekte Aufnahmepegel

Früher wurde ein Pegel von 0 VU als gesund erachtet. Dies bot immer noch genug Aussteuerungsreserve, falls das Signal einmal lauter werden sollte, etwa während Schlagzeugaufnahmen. Daher ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass die durchschnittliche Lautstärke bei circa -18 dBFS liegt und der maximale Spitzenpegel (Peak) bei maximal circa -10 dBFS bis -8 dBFS. So bleiben noch immer 136 dB für die Dynamik des Audiosignals und eine ergänzende Aussteuerungsreserve von 8 dB. Je lauter Sie daher aufnehmen, desto weniger Reserve steht Ihnen zur Verfügung. Nehmen Sie etwas leiser auf, erhöhen Sie die Aussteuerungsreserve und haben nochmals einen Sicherheitsabstand zu 0 dBFS. Aber bedenken Sie: Hierbei handelt es sich nur um Richtwerte – ein bis zwei dBFS mehr oder eher weniger schaden nicht. Dieser Pegel sollte auch von allen handelsüblichen Audio-Interfaces ohne Wandlerübersteuerung verarbeitet werden können.

Einen guten Rauschabstand erreichen

Bitte sehen Sie nach der Aufnahme auch von einer Normalisierung ab. Diese bringt keinerlei Vorteile, wenn es um einen hohen Rauschabstand geht – die bestehende Aufnahme wird lediglich lauter gemacht und damit auch das Grundrauschen. Wesentlich sinnvoller ist es, den gewünschten Pegel und Rauschabstand mittels gesunder Aussteuerung zu erreichen. Sollte am Gerät kein VU-Meter zur Verfügung stehen und auch sonst keine Möglichkeit den durchschnittlichen Pegel zu messen, kann das Signal immer noch bis zum maximalen Spitzenpegel aufgenommen und dann nachträglich in der DAW über ein VU-Meter-Plug-in im Pegel gemessen sowie über ein Lautstärke-Plug-in im ersten Einschleifpunkt des virtuellen Mischpults abgesenkt werden. Oft existiert auch eine Lautstärke-Hüllkurve für die Audiodatei, sodass diese direkt leiser gemacht werden kann. Wer noch kein VU-Meter als Plug-in sein eigen nennt, kann beispielsweise das kostenlose mvMeter von TBProAudio (www.tb-software.com) verwenden.

Dieser Artikel stammt aus dem Gain-Staging-Special der KEYS-Ausgabe 07/18. Wenn Sie mehr über die Arbeit mit Dynamik und korrekten Pegeln während des Mischens erfahren wollen, können Sie einen Blick ins Heft werfen

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