Gehörtraining für Tontechniker

26.01.2017 15:20 | Musikproduktion

Besser hören heißt besser mixen. Wie und warum die Ohren angehender Tontechniker am Abbey Road Institute, am HOFA-College, am SAE Institute und an der SET-School geschult werden, haben wir für euch rausgefunden.

 

Wie wichtig ist Gehörtraining während der Ausbildung zum Tontechniker?

In der Ausbildung zum Sound-Engineer kommt man um Gehörtraining nicht herum. „Unumgänglich“ sei es, „ein geschultes Gehör in Bezug auf die Wahrnehmung von Frequenzen, Amplitude und Bandbreite zu entwickeln“, wie Jens Kleinhuis, Head Lecturer und Head Coach am Frankfurter Abbey Road Institute, bestätigt. Auch bei HOFA ist man sich dessen sicher: „Die Gehörbildung beziehungsweise das Gehörtraining stellt einen der Grundpfeiler im professionellen Umgang mit Audiomaterial dar“, sagt der dortige Senior-Tutor Raphael Isenhuth.

Das Gehör schulen - Methoden

Gehörtraining begleitet die Studenten also über die gesamte Zeit ihres Studiums – auch am SAE Institute. In der Vergangenheit hat man dort das Golden-Ears-Programm von Moulton Laboratories verwendet. Das hat sich jedoch geändert, wie uns Sebastian ­Metzner, Headinstructor Audio Engineering am SAE Ins­titute Berlin wissen lässt: „Seit kurzer Zeit benutzen wir ein eigenes System, das wir weiter ausbauen wollen.“ Das SAE Institute empfiehlt den Studenten außerdem zusätzliche Apps und Programme anderer Hersteller. Ähnliche Computer-basierte ­Methoden werden an der SET-School eingesetzt. ­Simon ­Osterhold, dortiger Studiengangsleiter Musik­produktion B.A., erklärt: „Zum einen haben wir eigene Übungen für abstrakte sowie angewandte Gehörbildung in verschiedenen Schwierigkeitsgraden als E-Learnings programmiert, zum anderen gibt es etliche Recording-, Editing- und Mixing-Übungen mit Beispielsongs.“ Bei aller Theorie ist es also auch die Praxis, die das Gehör schult. Am Abbey Road Institute folgt dem Theorieunterricht „ein aufbauendes Gehörtraining, das die in der Theorie behandelten Begriffe in der praktischen Gehörbildung wieder aufgreift“, so Kleinhuis. Dabei absolvieren die Studenten unter anderem Songanalysen und arbeiten mit Vorlagen. Kleinhuis weist hier auf einen weiteren Vorteil hin: Dies schule nicht nur das technische, sondern auch das musikalische Gehör. Gute Ohren können eine gute Abhörumgebung noch effizienter nutzen.

Musikalische Gehörbildung

Einig ist man sich bei den vier Ausbildungsstätten über den maßgeblichen Einfluss musikalischer Gehörbildung, die in Form von Musiktheorie- und Arranging-Unterricht stattfindet. Denn es ergäbe keinen Sinn, so Jens Kleinhuis, „sich stundenlang mit einer exakten Frequenzstaffelung im Mix zu beschäftigen, wenn die Intonation des Sängers nicht passt. Die musikalische Gehörbildung befähigt den Engineer beziehungsweise Producer nämlich auch dazu, moderne Intonations- und Timing-Korrekturwerkzeuge sinnvoll zu bedienen.“ Bessere Ergebnisse „Nur wer eine Mischung oder auch eine musikalische Stilistik versteht, weiß, worauf bei der Aufnahme, dem Mix und auch im Mastering zu achten ist“, gibt Isenhuth zu verstehen. „Wann muss eine Bassdrum basslastig sein und wann eher nicht? Wie verhält sich dann der Bass? Und warum verliert eine Mischung in diesen Frequenzbereichen vielleicht an Attack? Was hat es mit Frequenzmaskierung und der Balance auf sich?“, gibt er einige Beispielfragen an, die sich durch Gehörtraining einfacher beantworten lassen. Bis zum perfekten Resultat gibt es einiges zu beachten, betont auch Osterhold: „Viele Aspekte spielen zusammen, um den gewünschten Sound zu formen. Ein gutes Gehör ist hierbei wichtig, die richtigen Entscheidungen über das Instrument und dessen Positionierung, Wahl der Mikrofone, Preamps und so weiter zu treffen“. Auch Sebastian Metzner ist sich sicher, dass Gehörtraining die Arbeit eines Tontechnikers verbessert: „Nur wer hören kann was er tut, kann auch beurteilen, ob seine Arbeit gut ist oder nicht. Ein Tontechniker muss in der Lage sein, auch kleine Unterschiede zu hören und muss aufgrund des Gehörten ein qualifiziertes Urteil fällen können.“ Es klingt nach Plattitüde, ist wohl aber wirklich so: Die Ohren sind das wichtigste Werkzeug eines Tontechnikers.

(Sebastian Obermeir)

Abbey Road Institute: www.abbeyroadinstitute.de
HOFA-College: www.hofa-college.de
SAE Institute - Deutschland - www.sae.edu
SET School of entertainment and technology - www.set-school.de

Noch mehr Tipps!

Weitere Tipps und Tricks zur Gehörbildung für Tontechniker finden Sie im Recording Magazin, Ausgabe 6/16.

Auch als PDF erhältlich.

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