guitar-Legends-Special: Bob Marley

18.03.2020 15:12
Robert “Bob” Nesta Marley wird im Februar 1945 in dem kleinen jamaikanischen Ort Nine Miles geboren – oder im April, oder vielleicht doch schon 1944. Ganz einig sind sich die Quellen da nicht. Als Kind einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters, deren nur kurz haltende Ehe für Papa Norval Sinclair Marley sogar den Rausschmiss aus der britischen Armee bedeutet, zieht er mit seiner Mutter im Alter von zwölf Jahren nach Trenchtown, einem Armenviertel der Hauptstadt Kingston. Mit 16 bricht er die Schule ab und verdingt sich einige Jahre als Mechaniker, bevor er beginnt, ernsthaft an seiner Musikerkarriere zu arbeiten.

Der Offbeat
Da schreibt man gerade das Jahr 1961 und der Reggae hat noch nicht wirklich begonnen, sich als eigene Musikrichtung zu entwickeln. Der bei jungen Jamaikanern äußerst gefragte amerikanische Soul und R&B der Fünfziger, der über die Radiosender auf die Insel dringt, verliert auf dem Kontinent an Popularität – Rock’n’Roll ist angesagt. Da die schwarze Bevölkerung Jamaikas mit dieser vorwiegend weißen Jugendbewegung wenig anfangen – und noch weniger dazu tanzen – kann, beginnen „Sound System Operators“ wie Cosxone Dodd (quasi die damaligen DJs mit ihren selbstgebauten, oft auf Laster montierten mobilen Anlagen) zusammen mit jamaikanischen Musikern, die alten Soul- und R&B-Nummern mit der jamaikanischen Volks-Tanzmusik Mento zu vermischen. Was entsteht, ist ein flotter, tanzbarer Sound mit klarer Offbeat-Betonung, der uns heute als Ska bekannt ist.



Schweißfreier Groove
Mitte der Sechziger entwickelt sich daraus der langsamere Rocksteady und schließlich der Reggae – eine Entwicklung, an der Marley einen nicht unerheblichen Anteil hat. Angeblich ist eine besonders starke Hitzewelle dafür verantwortlich, dass man den zackigen Ska-Groove in den „Dancehalls“ Jamaikas um ein paar bpm reduziert, damit das Tanzen etwas schweißfreier von statten geht. Gerade in der britischen Skinhead-Szene, kommt diese Musik super an, weshalb sich der Reggae bis in die Siebziger in verschiedene Spielrichtungen spaltet. In England interpretieren Bands wie The Clash die neue Musikrichtung auf ihre Weise, während auf Jamaika die Texte, auch durch den starken Einfluss der christlich geprägten Rastafari-Religion, immer spiritueller werden. Diese Richtung bekommt schließlich das Label Roots-Reggae verpasst und ist wohl der Sound, den die meisten im Ohr haben, wenn sie an Reggae denken. Auch Bob Marley interessiert sich ab Mitte der Sechziger immer mehr für den Rastafari-Glauben und konvertiert schließlich 1967 vom Christentum, weshalb sich viele seiner Lyrics mit Gott („Jah“), Moral und den von den Rastas als wiedergekehrten Messias verehrten letzten äthiopischen König Haile Selassie I beschäftigen.

Die Geburtsstunde der Wailers
Marleys erste musikalische Kooperation begeht er mit dem Musikproduzenten Leslie Kong, mit dem er zwei Songs aufnimmt und veröffentlicht, die allerdings keine großen Erfolge erzielen – die beiden gehen daraufhin vorerst getrennte Wege, werden aber Ende der Sechziger nochmal für ein Album gemeinsame Sache machen. Zusammen mit seinem Kindheitskumpel Neville O’Reilly Livingston, besser bekannt als Bunny Wailer, wird auf selbstgebauten Instrumenten musiziert und geübt. Ab und an schauen die beiden auch bei dem ortsansässigen Musiker Joe Higgs für ein bisschen Nachhilfe vorbei. Higgs ist es auch, der Winston Hubert McIntosh aka Peter Tosh mit Bob und Bunny bekannt macht. Zusammen mit dem Dreigespann The Wailing Rudeboys (zwei Sängerinnen, ein Sänger) gründen die drei 1963 ihre erste Band The Wailing Wailers. Der Name wird bald auf das griffigere The Wailers verkürzt.

Text: Alexander Pozniak



Der Rest ist Geschichte, Bob Marley sollte mit seiner Band The Wailers die Musikwelt im Sturm erobern. In guitar 4/20 könnt ihr die ganze Geschichte im Legends-Workshop inklusive Noten, Tabs und Hörbeispielen nachlesen.
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