MSM – Dolby Atmos Home Studio

25.06.2020 14:00

Immersive Audioformate gewinnen langsam an Beliebtheit in der Musikproduktion. David Merkl ist Mixing und Mastering Engineer bei MSM, dem ersten Dolby-Atmos-Home-zertifizierten Tonstudio Europas. Im Interview erklärt er, welche Chancen die neue Technologie birgt.


MSM in München ist das erste Tonstudio Europas mit Dolby-Atmos-Home-Zertifizierung. Foto: Hanna Fischer

Immersive Audio, auch als 3D- oder Spatial Audio bezeichnet, ist wie Surround-Sound mit zusätzlichen Höhenlautsprechern. Während Lautsprecherangaben wie 5.1 oder 7.1 geläufig sind, hat ein immersives Audiosystem eine zusätzliche Stellenangabe, die die Anzahl der Decken-/Höhenlautsprecher angibt. Studio F des MSM Studios München verfügt über eine 9.1.4-Konfiguration: neun Surround-Lautsprecher, einen Subwoofer und vier Höhenlautsprecher. Dies ist der Arbeitsplatz von David Merkl, Head of Audio und Partner bei MM. Er erklärt im Interview, was es mit der Dolby-Atmos-Zertifizierung auf sich hat und welche Möglichkeiten die zusätzliche Höhendimension eröffnet.

KEYS: Mit welchen Formaten arbeitet ihr? 
David Merkl: Wir arbeiten hier bei MSM mit allen gängigen Formaten wie Dolby Atmos Home, Auro 3D und Fraunhofer Spatial Sound Wave. Was immersives Mixing und Mastering angeht, arbeite ich im Schwerpunkt in Dolby Atmos.

KEYS: Hat das einen besonderen Grund?
Merkl: Zum einen schafft das Arbeiten in Dolby Atmos einen klanglichen und damit künstlerischen Mehrwert für die Produktion. Darüber hinaus hat das Format eine hohe Reichweite bei den Hörern: Musik in Dolby Atmos kann sowohl über physische Tonträger als auch über Streaming-Dienstleister gehört werden. Beispiele sind hier die Pure-Audio-Blu-ray oder Amazon Music HD.

KEYS: Bietet dir Dolby Atmos in punkto Workflow gegenüber anderen Formaten einen speziellen Vorteil? 
Merkl: Jedes Format hat seine eigenen Workflow-Eigenheiten. Ich arbeite sehr gerne in diesem Format, weil die klanglichen Eigenschaften hervorragend sind und die Bedienung sehr intuitiv.

KEYS: Aber du produzierst hauptsächlich für das Atmos-Format? 
Merkl: Viele Projekte sind tatsächlich ausschließlich in Dolby Atmos produziert. Es kommt aber genauso vor, dass wir für eine Produktion vier unterschiedliche Tonformate liefern. Wir müssen nicht unbedingt in Dolby Atmos arbeiten, sondern haben auch die Möglichkeit, nativ immersiv zu mischen.


David Merkl ist Mixing und Mastering Engineer bei MSM. Foto: Hanna Fischer

KEYS: Was meinst du mit nativ immersiv mischen?
Merkl: Um immersiv arbeiten zu können, ist man nicht zwingend auf ein Format wie Dolby Atmos angewiesen. Beispielsweise können wir in Nuendo nativ und damit formatunabhängig immersiv mischen. Die Bus-Struktur und der Panner bieten dazu alle Möglichkeiten. Solch eine native Produktion können wir dann in einem weiteren Schritt ins gewünschte Audioformat wie beispielsweise Auro 3D oder Dolby Atmos übertragen.

KEYS: 3D-Audioformate gibt es bereits seit einigen Jahren. Dolby Atmos zum Beispiel seit 2012. Warum wird die Technologie erst jetzt in der Musikproduktion eingesetzt? 
Merkl: Das erste Studioalbum wurde schon im Jahr 2016 in Dolby Atmos gemischt. Im Laufe der Zeit wurden für den Hörer immer mehr Möglichkeiten geschaffen, immersives Audio auf unterschiedlichen Endgeräten wiederzugeben. Ein Beispiel sind hier die aktuellen Soundbars. Hinzu kommt, dass das Thema Binauralisierung immer weiter vorangeht und man sogar jetzt schon mit entsprechender Software immersives Audio binauralisiert über Kopfhörer wiedergeben kann. Vergangenes Jahr hat die Recording Academy übrigens die Auszeichnung für das beste Surround-Album umbenannt in „Grammy Award for Best Immersive Audio Album“. Da zeigt sich, dass die Resonanz für immersives Audio mittlerweile sehr hoch ist.

KEYS: Du arbeitest hier im ersten zertifizierten Dolby Atmos Home Studio Europas, was genau hat es mit der Zertifizierung auf sich?
Merkl: Genau. Wichtig ist das „Home“, da wir für den Hörer für zu Hause produzieren und nicht etwa für die Wiedergabe im Kino. Wenn ein Master unser Studio verlässt, muss gewährleistet sein, dass es auch beim Konsumenten überall funktioniert, sich also auf Soundbars, Kopfhörern und allen anderen Wiedergabesystemen bestmöglich überträgt. Deswegen ist die Zertifizierung für uns wichtig, denn Raum­akustik, Wandler und Lautsprecher müssen optimal aufeinander abgestimmt sein.

Das vollständige Interview lesen Sie in KEYS 07/2020 – die Ausgabe können Sie gleich hier im Shop bestellen!


Text: Christoph Strauß

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