Jean-Michel Jarre

26.09.2019 15:38

Mit „Oxygene“ schuf Jean-Michel Jarre 1976 ein Werk, mit der rein elektronische Musik eine Hörerschaft sowie einen festen Platz in der Populärmusik fand. Wir trafen den französischen Elektronikpionier anlässlich der Veröffentlichung seines Albums „Planet Jarre“ zum Interview.


Jean-Michel Jarre ist einer der großen Pioniere der elektronischen Musik. © Constantin Mashinskiy

In einer nunmehr fünfzig Jahre andauernden Karriere hat der Wahlpariser mehr erreicht, als sich selbst ein erfolgreicher Musiker erträumen kann – von millionenfach verkauften Alben bis hin zu einmaligen Konzertereignissen an ungewöhnlichen Stätten und von immenser Größe. Jarre studierte Klavier und Komposition, lernte am GRM (Groupe de Recherches Musicales) unter Pierre Schaeffer die Musique concrète schätzen und begann Anfang der Siebziger seine eigene Reise.

Mit „Oxygene“, das er in der eigenen Küche auf einem 8-Spur-Tonbandgerät aufnahm, schuf er eine damals noch ungewohnte Komposition aus Synthesizerklängen, die in zugänglicher Art Sequenzen, harmonische und melodische Klänge miteinander verwoben. Über inzwischen 14 Studioalben griff Jarre immer wieder neue Konzepte auf, folgte den rasanten Fortentwicklungen im Instrumentenbau und ist bis heute für Überraschungen gut.

KEYS: Unsere Gratulation zum 50-jährigen Musikjubiläum und zu „Planet Jarre“.
Jean-Michel Jarre: Besten Dank. Tatsächlich bin ich kein Freund von Best-of-Alben. Meist ist es so, als würde man auf so einer Veröffentlichung Kapitel aus unterschiedlichen Büchern mischen. Das ist wenig sinnvoll, denn jedes Album hat eine eigene Geschichte und ein Konzept. Als die Plattenfirma mit dem Wunsch einer Jubiläumsveröffentlichung auf mich zukam, habe ich mich entschlossen, zunächst nach genau so einem Konzept zu suchen. Bei „Planet Jarre“ geht es darum, meine innere Welt mit meinen Hörern zu teilen. Ich stellte fest, dass ich offenbar vier unterschiedliche Ansätze in mir trage, um neue Kompositionen anzugehen. Diese vier Bereiche habe ich „Soundscapes“, „Themes“, „Sequences“ und „Explorations & Early Works“ getauft, die die Unterteilung von „Planet Jarre“ vorgeben.

KEYS: Wie lief die Titelauswahl ab?
Jean-Michel Jarre: Nun, ich habe nicht unbedingt die Titel gewählt, die mir explizit die liebsten sind. Vielmehr habe ich die Titel entsprechend ihrer Eignung für die genannten vier Bereiche selektiert. Im Prinzip habe ich auf diese Weise vier Alben oder auch Playlists zusammengestellt, die in sich jeweils stimmig sein sollten.

KEYS: Haben Sie die die Tracks für das Album nachbearbeitet?
Jean-Michel Jarre: Nein, nicht wirklich. Ich habe mich allerdings sehr aufmerksam dem Mastering gewidmet. Heute geht man in der digitalen Welt oftmals zu weit, was die Lautheit betrifft. Für „Planet Jarre“ gibt es unterschiedliche Mastering-Versionen für die CD, die Vinylausgabe bis hin zum Streaming. Das Album gibt es zudem auch in Kassettenform und als 5.1-Version – wir decken also die wichtigsten Stationen der Aufnahmetechnik ab, die es in den letzten 50 Jahren gab. Die 5.1-Mischung nutzt Techniken des Herstellers 3D Sound Labs (www.3dsoundlabs.com), mit dem ich schon längere Zeit zusammenarbeite. Dabei wird ein Surround-Feld auf der Basis einer Stereodatei generiert.

KEYS: Was können Sie zum neuen Titel „Coachella Opening“ sagen?
Jean-Michel Jarre: Den Titel habe ich für mein nächstes Studioalbum komponiert. Ich wollte aber noch nichts darüber preisgeben (Anmerkung der Redaktion: Das 14. Studioalbum „Equinoxe Infinity“ wurde erst am Abend des Interviews angekündigt und dann am 16. November 2018 weltweit veröffentlicht). Gleichzeitig gefiel mir der neue Titel aber als passende Eröffnung für meine letzte US-Tournee und das Coachella Valley Festival. Ich habe den Titel also bereits live präsentiert. Entsprechend habe ich mich dazu entschieden, dass „Coachella Opening“ einen Platz auf „Planet Jarre erhalten“ soll. Mir gefällt zudem die Idee, dass „Planet Jarre“ eben nicht nur ein Rückblick ist, sondern auch eine Verbindung zur Zukunft herstellt. So findet sich hier also ein Titel des kommenden Albums, obwohl dieses noch gar nicht existiert.

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Text: Ulf Kaiser

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