Mars-Besiedlung als Senioren-WG?

20.12.2016 10:27 | News, Raumfahrt

Skeptiker haben es schon immer vorhergesagt: Der Zeitplan für die Besiedlung des Mars in Einwegflügen der Organisation "Mars One" wird weiter nach hinten verschoben. Die Landung einer unbemannten Sonde auf dem Roten Planeten als Pfadfinder wurde schon einmal von 2016 auf 2018 und jetzt auf die 2020er-Jahre verlegt. Als Grund wird der Anfang Dezember 2016 begonnene Handel von Anteilen von "Mars One" an der Frankfurter Aktienbörse zur Sicherung der Finanzierung angegeben.

mars one landung

Reise ohne Rückkehr
Das erste mit vier Personen bemannte Schiff hätte eigentlich 2022 auf dem Mars landen sollen, eine Rückkehr zur Erde ist nicht geplant. Die Besatzung soll dort die Ankunft weiterer interplanetarer Auswanderer vorbereiten und aus Modulen eine kleine Siedlung errichten. Der Landung dieser ersten Mission wurde jetzt auf das Jahr 2032 verschoben, die Ankunft weiterer Siedler kann erst nach dem Ausbau der Station erfolgen, der mehrere Jahre dauern wird. Im Zweijahrestakt sollen dann neue Kleingruppen von Siedlern eintreffen.

Freiwillige aus vielen Ländern
Nach Ankündigung des Projektes 2012 hatten sich nach Angaben von "Mars One" über 200 000 Menschen ernsthaft für die Marsreise eingetragen und einen kleinen finanziellen Einstand geleistet. Ausgewählt für die zweite Phase wurden ungefähr 1000 mögliche Aussiedler aus 107 Ländern. Davon blieben nach der dritten Auswahlrunde noch 100 übrig - je 50 Frauen und Männer. Diese waren bei der Auswahl zwischen 20 und 61 Jahre alt. Mit der Verschiebung der Siedlungspläne sind die medizinischen Auswahlkriterien bezüglich der Flugkandidaten hinfällig, wenn erst mindestens zwei Jahrzehnte nach dem Auswahlverfahren gestartet wird. Von der persönlichen Lebensplanung einmal völlig abgesehen.

mars one siedlung

Senioren-WG auf dem Mars
Die Siedler werden beim Eintreffen auf dem Mars mindestens Mitte 40 Jahre alt sein, meist aber wesentlich älter, bis über 80 Jahre. Damit wird der Plan einer lebensfähigen Kolonie mit eigenem Nachwuchs wohl etwas schwierig umzusetzen sein. Die auf dem Mars geborenen Kinder müssten sich aber auch in ihrem Bewegungsdrang stark einschränken. Das erste Mal vor die Tür könnten sie, wenn sie groß genug sind, um in einen Raumanzug zu passen. Mit der Sendung von Menschen jenseits des gebärfähigen Alters wird dieses Problem dann elegant umschifft. Damit wird das erste Infrastruktur-Projekt der Menschheit auf einem anderen Planeten vermutlich die Einrichtung eines Seniorenheimes sein müssen.

weitere Informationen: www.mars-one.com

Uwe W. Jack

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