Workshop: Metal-Mixdown – Bus-Gruppen

04.07.2019 13:33

Bereits seit Ausgabe 4/2019 finden Sie in der KEYS regelmäßig den Metal-Mixdown-Workshop. Diesmal möchten wir Ihnen näherbringen, wie Sie die instrumentalen Fundamente Schlagzeug, Bass und E-Gitarre in Einklang bringen und diesen mit einigen Mixtricks noch mehr Leben und Druck verleihen.

Drum-Bus-Signalfluss
Auf dem Drum-Bus finden sich verschiedene Kompressoren und Equalizer mitunter zur Klangfärbung wieder.

Natürlich spielen die Vocals auch in der härteren Musikrichtung die wohl wichtigste Rolle in einem Song. Im Gegensatz zur Popmusik beispielsweise ist aber auch der Klang der übrigen Instrumente eine besonders wichtige Komponente. Maßgeblich sind die im Metal häufig komplex und schnell gespielten Rhythmus- und Lead-Gitarren in Einklang mit den lebhaften Schlagzeugpassagen (etwa mit Double-Bassdrum gespielt) zu bringen. Dazu dürfen Kickdrum und E-Bass nicht in einen Kampf um die tiefen Frequenzen geraten und im besten Fall ergeben E-Gitarre und E-Bass ein „fettes Brett“.

Grundsätzlich geht es im Metal-Genre lauter und aggressiver zur Sache als in anderen Musikrichtungen. Dennoch muss ein Metal-Mix spannend sein und über einen abwechslungsreichen dynamischen Bogen verfügen. Hier liegt also eine besondere Herausforderung, im eingeschränkten Dynamikbereich Spannung zu erzeugen. Durch Bus-Summierungen erreicht man den sogenannten „Glue“ innerhalb der Instrumentengruppe. Außerdem versucht man in der Bus-Gruppierung, allen Signalen gemeinsam weitere Klangfarben durch färbende Plug-ins zu verleihen.

Schlussendlich ist das Ziel, dass sich alle Signale gut durchsetzen und zu einer Einheit zusammenwachsen. Im Vorfeld sollten die Einzelsignale (etwa bei den Drums) natürlich schon gelevelt, gepannt und gemischt sein. Ansonsten können auch die beste Bus-Summierung und Signalkette keine Wunder bewirken.

Drums

In KEYS 4/2019 haben wir uns mit dem Mixdown der einzelnen Schlagzeugkomponenten wie Kickdrum, Snaredrum, Overheads, Toms und anderen beschäftigt. Nun möchten Sie sicherlich aus dieser Ansammlung an einzelnen Signalen eine homogene Einheit erzeugen. Dies funktioniert sehr praktisch über den Drum-Bus, die Methode Parallelkompression und verschiedene Effekte. Darüber hinaus beabsichtigt man, allen Schlagzeugsignalen über die verschiedenen Busse Saturation (Färbung) hinzuzufügen.

Saturation ist ein Anglizismus und steht für den Prozess, analoge Wärme durch digitale Plug-ins in den Mix zu bringen. Plug-ins, wie der Plugin Alliance „Vertigo VSM-3“ oder diverse SSL-Channel-Emulationen, simulieren den Einfluss der analogen Bauteile auf das Signal auf sehr authentische Art und Weise. Natürlich kann der Einsatz von echtem und real existierendem Analogequipment noch einen Funken mehr analoge Wärme verleihen. Wir wollen uns in dieser Workshop-Reihe aber auf die digitale Produktion fokussieren.

Drum-Bus

Zunächst schicken Sie alle Schlagzeugkomponenten über den Ausgang (Output) jeder einzelnen Spur auf einen Drum-Bus. Wenn Sie diesen Drum-Bus beispielsweise muten, sollte im Gesamtmix kein einziges Schlagzeugsignal zu hören sein. Wenn doch, haben Sie entweder Spuren übersehen oder schon Effekte (Reverb) auf den einzelnen Signalen hinzugefügt. Letzteres wäre natürlich kein Problem. Ganz wichtig ist nun, die Pegelanzeige des Drum-Bus im Blick zu behalten. Es darf nicht clippen. Vor allem sollte auch noch etwas Headroom zur Verfügung stehen, um die gesamte Lautheit des Drum-Busses erhöhen zu können.

Einfacher Tipp: Wenn es im Bus clippt, ziehen Sie einfach alle Fader der Schlagzeugsignale im gleichen Verhältnis herunter. Dies macht man entweder so, dass man alle Spuren markiert und dann einen Fader herunterfährt, sodass alle markierten Spuren im gleichen Verhältnis reduziert werden, oder Sie erstellen eine Mixgruppe. Dazu recherchieren Sie am besten für Ihre jeweilige DAW im Handbuch oder online. Für alle Logic-X-User empfehlen wir den Recording-Magazin-Workshop, beginnend ab Ausgabe 1/2019, wo es um solche Tipps & Tricks geht.

Sollten Sie auch schon Raumsignale vorliegen haben, wäre es denkbar, diese nicht auf den Drum-Bus zu routen. Somit behandelt man auf dem Drum-Bus nur die Einzelsignale Kick, Snare, Toms und das einzige Stereosignal – Overheads; quasi fast nur Close-Micing-Signale. Die separaten Drum-Room-Spuren können Sie dann individuell mischen und zum Drum-Bus zufahren. Auch die Erstellung eines Room-Busses bei mehreren Raumsignalen (zum Beispiel Mono, Stereo-Close, Stereo-Far) ist dann empfehlenswert. Oft werden aber auch die Room-Spuren auf den Drum-Bus geschickt. Auf diesem Drum-Bus platziert man meist EQs und Kompressoren, die hohen Analogcharakter in sich tragen.

Unter den EQs gibt es die API-Serie (API-550A/API-550B) aus dem Hause Waves, die für Klarheit sowie Durchsetzungskraft im Mix sorgen kann. Gerade die festgesetzten Bänder sind „magische“ Frequenzen, um im Mix gleichermaßen zu reduzieren oder zu boosten. Mit dem Fabfilter Pro-Q3 kann man bis ins kleinste Detail mit 24 Bändern analytisch/technisch mischen, aber auch durch die verschiedenen Kompressor-Styles wie Classic, Punch, Mastering et cetera Färbung reinbringen.

Zu weiteren Favoriten gehören SSL-Emulationen verschiedener Hersteller. Dazu zählen der Native Instruments „Solid Bus Comp“, der Waves „SSL Comp“ und der Brainworx „SSL4000E“-Channel. Doch wie geht man nun mit dieser Menge an Plug-ins um beziehungsweise wie hantiert man mit diesen? Grundsätzlich sollte man bei einem Bus die Peaks bei maximal –6 dB ansetzen, sodass beim Master-Bus noch etwas Headroom für die Master-Kette ist. Schließlich kommen noch weitere Signale wie Gitarren-Bus, Vocal-Bus, Synth-Bus, Bass et cetera auf der der Master-Summe an. Versuchen Sie zunächst, mit dem Fabfilter Pro-Q3 einige störende Frequenzbereiche zu reduzieren und dadurch indirekt anderen ein größeres Feature zu geben.

Schlussendlich müssen Sie nun entscheiden, was für ein Soundgewand für die Drums gewünscht ist. Im Metal geht es um Druck und Klarheit. Deshalb sind die SSL- und API-Plug-ins unter anderem so beliebt. In der Abbildung (S. 92/93) ist die Reihenfolge eines klassischen Aufbaus meiner persönlichen Präferenz für Drum-Busse zu erkennen. Sie sollten die verschiedenen oben genannten Plug-ins kennenlernen und diese subtil einsetzen. Es geht meist nicht so sehr darum, ein einziges Tool zu nutzen, sondern die Färbung verschiedener gekonnt in den Mix einzubringen.

Legen Sie einfach mal mehrere EQs und Kompressoren auf einen Drum-Bus, ohne die Settings einzustellen. Hören Sie darauf, was diese Signale mit dem Drumkit machen. Versuchen Sie nun, kleine Nuancen mit den einzelnen Plug-ins zu machen, um das Gesamtsignal Schritt für Schritt im Klang zu färben. Diese Prozedur ist natürlich ein länger andauernder Lernprozess, bei dem Sie die Plug-ins besser kennenlernen. Diese Erkenntnisse können Sie auch auf weitere Busse (Gitarre, Vocals et cetera) projizieren.

Den vollständigen Workshop lesen Sie in KEYS 08/2019 – die Ausgabe können Sie direkt hier im Shop bestellen.

Text: Tobias Mertens

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