Tipps für den Umgang mit Mikrofonen

09.08.2017 12:16 | Musikproduktion

 

Aufgabe eines Mikrofons ist es, Schallwellen in elektrische Schwingungen zu wandeln. Mit welchen Methoden und Mitteln das genau geschehen sollte, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Wenn ihr euch an die folgenden Punkte haltet, verfügt ihr aber über ein gutes Fundament, von dem ausgehend sich dann auch gut experimentieren lässt.

1. «Achtet auf den Raumklang»

Schall breitet sich als Schwingung, beziehungsweise Welle, in einem elastischen Medium aus. Im Normalfall handelt es sich bei diesem Medium um Luft, die einen Raum füllt. Wieviel beziehungsweise welcher Schall vom Mikrofon aufgenommen wird, hängt daher nicht zuletzt von der Position des Mics im Raum ab. Am besten probiert ihr hier verschiedene Standpunkte aus. Tipp: Glatte und großflächige Wände, die parallel verlaufen, werden oft zum Problem. Notfalls gilt es, Stellwände aufzubauen oder Reflexionsfilter zu nutzen, um Flatterechos, stehende Wellen und Co. zu vermeiden oder wenigstens zu minimieren. Auch an die Wand gelehnte Matratzen, quer durch den Raum drapierte schwere Vorhänge oder umgestellte Regale können hier spontan genutzt werden und sorgen in vielen Fällen schon für einen deutlich besseren Klang (besonders im Bereich der hohen Frequenzen, in den Tiefen müssen meist spezielle Bassfallen zum Einsatz kommen).

2. «Platziert eure Mikrofone klug»

Seid euch bewusst, dass schon ein Zentimeter, um den man ein Mikrofon verschiebt, manchmal für drastische Sound-Unterschiede sorgen kann. Anstatt sich nach einem anderen Mikro umzuschauen, sollte man daher normalerweise erst einmal eine andere Mikro-Position ausprobieren. Wichtig: Der Abstand eines Mikrofons zur Schallquelle nimmt Einfluss auf das Verhältnis von trockenem Signal und Raumanteil.

Nehmen wir als Beispiel für Mikroplatzierungen die Gesangsaufnahme: Eine gute Ausgangsdistanz erhält man hier, wenn der Sänger sich so vor das Mikrofon stellt, dass der Abstand vom Mund zur Kapsel in etwa einer Handbreite (bei gespreizten Fingern) entspricht. Oft ergibt es Sinn, die Kapsel nicht direkt in einer Linie zum Mund, sondern leicht angewinkelt und in etwa Nasenhöhe zu positionieren. So fängt man mehr Volumen des Brustkorbs ein und verringert Zisch- und Popplaute. Die Verwendung eines Poppkillers ist dennoch angebracht. Habt auch ein Auge darauf, dass beim Einsingen kein Textblatt oder Ähnliches vor das Mikro kommt, denn dies führt zu unerwünschten Reflexionen.

Ganz andere Anforderungen stellt etwa die Abnahme eines Gitarren-Amps: Hier gilt es zunächst, sich für einen Lautsprecher des Cabinets zu entscheiden. Lasst diesbezüglich am besten eure Ohren entscheiden. Abgenommen wird dann für gewöhnlich recht nah. Ihr positioniert das Mikro zunächst direkt vor dem Lautsprechergitter und auf halber Distanz zwischen Mitte und Rand des Speakers, und zwar auf der Seite des Speakers, die den anderen Speakern des Cabinets abgewandt ist (um Übersprechen zu vermeiden). Von dieser Position ausgehend könnt ihr nun die Platzierung des Mikros in drei Dimensionen nach Wunsch verändern. Bewegt ihr das Mikro weiter zum Rand des Lautsprechers, wird der Sound weicher und wärmer, zur Mitte wird er aggressiver und heller. Entfernt man sich mit dem Mikro weiter vom Lautsprecher, wird mehr Raumklang eingefangen und der Nahbesprechungseffekt des Mikros nimmt ab. Auch eine Bewegung auf der dritten Achse (dem Winkel, in dem das Mikro auf den Speaker gerichtet ist) kann sich lohnen.

3. «Wählt eure Mikros der Anwendung entsprechend»

Von Experimenten einmal abgesehen, ist es aber in der Regel ratsam, zu wissen, auf welche Standard-Mics man sich bei bestimmten Anwendungen verlassen kann. Für Vocals im Studio empfehlen sich Großmembran-Kondensator-Mics, live kommen meist dynamische Modelle zum Einsatz. Bei Drums geht man mit dynamischen Modellen an den Trommeln auf Nummer sicher. Condenser sind aber an Toms, Snare und selbst Kick einen Versuch wert; und bei der Bassdrum sollte man, wenn vorhanden, auch eine Grenzfläche oder ein spezielles Subkick-Mikro ausprobieren. Für die Hi-Hat ist in den meisten Fällen ein Kleinmembran-Condenser die richtige Wahl, und die Becken können per Overhead-Mikrofonierung mit einem (matched) Paar Groß- oder Kleinmembran-Kondensator-Mikros abgenommen werden. Mit dynamischen Standards wie Shure SM57 oder Sennheiser MD 421 macht man hingegen am Gitarren-Amp so gut wie nie etwas falsch. Auch Bändchen-Mikros sind wertvolle Tools. Wenn ihr noch einen Großmembran-Condenser übrig habt, kann es sich auch lohnen, dieses – mit etwas mehr Abstand – am Cabinet einzusetzen. Dynamische Kondensator-Mics sind für Akustikgitarren die erste Wahl, aber auch Großmembraner oder Bändchen sind einen Versuch wert. Pianos werden häufig in Stereo mit zwei Großmembranern abgenommen. Tipp: Probiert einen Großmembraner an den tiefen und einen Kleinmembraner an den hohen Saiten. Bei Streichinstrumenten wie Geigen, Celli oder Ähnlichem sind ebenfalls Kondenser (Groß- oder Kleinmembran), aber auch Bändchenmikros empfehlenswert.

4. «Wählt das richtige Stereo-Verfahren»

Nicht alle Stereofonie-Techniken liefern gleiche Ergebnisse. Wenn ihr eine Stereoaufnahme erstellen wollt, solltet ihr euch daher zuerst überlegen, welches Verfahren im jeweiligen Fall das geeignetste ist. Bei einem sehr großen Klangkörper, sagen wir einem Kirchenchor, empfiehlt sich oft das Groß-AB-Verfahren. Hier erhaltet ihr mit zwei Kugelmikrofonen normalerweise die beste Raumabbildung und ein entsprechend großes Klangvolumen. Ist besonders gute Ortung gewünscht, etwa bei der Abnahme eines Drumkits, könnte sich dagegen das XY-Verfahren mit zwei Nierenmikros als bestes Mittel herausstellen. Beachtet aber, dass der jeweilige Raum enormen Ein-fluss auf das Endergebnis einer Stereoaufnahme hat. Macht des-halb Probeaufnahmen vor der eigenltichen Session. Hier entscheidet sich meist recht schnell, ob AB oder XY angebracht ist. Seid ihr euch dennoch unklar, ist ein ORTF-Verfahren als Kompromiss zwischen AB und XY meist eine gute Lösung. Damit erzielt ihr einen Mix aus Laufzeit- und Intensitätsunterschieden. Raumanteil und Ortung kommen gleichermaßen zum Tragen.

5. «Arbeitet auch mal mit wenigen Mikros»

Ihr besitzt nur wenige Mikros, wollt aber eine Klangquelle mikrofonieren, die gewöhnlich mit vielen Mics abgenommen wird? Meist ist das kein Problem, sondern kann sogar zu puristischem, oft interessantem Sound verhelfen – das richtige Genre und der passende Song vorausgesetzt. Setups mit wenigen Mikros sorgen für einen eher offenen Sound, der vielen Aufnahmen sehr gut steht. Nehmen wir als Beispiel die Basic-Abnahme eines Drumsets mit vier Mikros: Hier bietet es sich an, zwei Overheads, ein Snare- sowie ein Bassdrum-Mic zu wählen. Ordnet die Mikrofone wie folgt an: Das erste Overhead-Mic über der Snare (Mitte des Kits), der Abstand sollte ca. 80 bis 120 cm betragen und das Mikro nach unten gerichtet sein. Ziel ist, ein möglichst ausgewogenes Klang-bild des Drumsets einzufangen. Hört euch den ersten Mikrofonkanal an und justiert bei Bedarf nach. Das zweite Overhead wird rechts neben das Floor-Tom im Abstand von circa 15 bis 30 cm über dem Rand der Trommel positioniert und auf Snare beziehungsweise Hi-Hat gerichtet. Dieses zweite Mikro fungiert nicht wirklich als Overhead, sondern übernimmt eher die Rolle eines Side-Fills. Wichtig: Damit es nicht zu Phasenproblemen kommt, muss die Membran des zweiten Mikros denselben Abstand zur Snare-Mitte haben wie die des ersten. Um die Tiefen der Kick und erweitertes Snare-Volumen zu bekommen, verwendet ihr zwei Stützmikrofone. Eines wird vor oder in der Bassdrum platziert, das andere ordnet ihr an der Snare mit zwei bis 10 cm Abstand an.

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