Nord Grand von Clavia im Test

13.09.2019 16:56

Mit dem neuen Nord Grand visiert Clavia die Premiumklasse im Segment der Bühnenpianos an: Das aus dem Nord Piano 4 bewährte Konzept aus einfacher Bedienung und hervorragendem Klang wird nun durch eine Premiumtastatur ergänzt, die interessanterweise vom Mitbewerber Kawai stammt.


Die breite Auflagefläche des Nord Grand lässt sich hervorragend zum Abspielen längerer „Notentapeten“ verwenden. © Clavia

Für Pianisten, die ein Bühneninstrument mit akustischen und elektrischen Pianos, einfachster Bedienung und exzellenten Sounds und Effekten suchen, hat Clavia die Nord-Piano-Serie im Programm. Diese reduziert die bewährten Elemente der Stage-Modelle sinnvoll auf eine Piano- und eine Sample-Synth-Sektion, mit großer Bandbreite an „Brot-und-Butter“-Sounds für Layer oder Splits.

Obwohl im Nord Piano 4 eine durchaus ansprechende Fatar-Klaviatur verbaut war, wollte man nunmehr auch höchste Ansprüche an Spielverhalten und Haptik in diesem Bereich zufriedenstellen. Entsprechend wird im Nord Grand die viel gelobte Responsive-Hammer-Klaviatur der Firma Kawai verbaut, die von Clavia aber noch modifiziert wird. Mit den optional erhältlichen Nord-Piano-Monitoren gibt es zudem noch maßgeschneiderte kompakte Lautsprecher, die klanglich abgestimmt aus dem Nord Grand eine Komplettlösung für den Heim- oder Studiogebrauch machen können.

Gewohnte Optik mit viel Retrocharme

Das Nord Grand ist deutlich höher und optisch auch wesentlich wuchtiger als das Nord Piano, ist aber mit 20,9 Kilogramm immer noch recht gut transportabel. Der hohe Aufbau ist durch die langen Waagebalken der Tastatur bedingt und rückt das Instrument auch durch die leicht angeschrägte Frontplatte mit den Bedienelementen optisch in die Nähe zu Klassikern wie Fender Rhodes oder Wurlitzer. Das rot gemaserte Trademark-Design weist aber unverkennbar auf die schwedische Herkunft hin.

Die Anordnung der Bedienelemente birgt die Gefahr, beim Spielen versehentlich Einstellungen zu verändern, Abhilfe schafft in diesem Fall der Panel-Lock-Taster. Die breite Auflagefläche lässt sich hervorragend zum Abspielen längerer „Notentapeten“ verwenden und macht die optionale Notenhalterung in vielen Fällen überflüssig. Pianofunktionen stehen klar im Fokus des Geräts, Pitchbender und Modulationsregler sind daher nicht an Bord. Wie bei Bühnenpianos üblich, ist das Display eher klein, dank OLED-Technologie aber gestochen scharf und aus jeder Position gut ablesbar.

Konventionelle Ausstattung mit Anschlüssen

Wenig Überraschung bietet das rückseitige Anschlussfeld. Audiosignale werden per Kopfhörer oder über die beiden Klinkenausgänge ausgespielt, entweder als Stereosignal oder, getrennt nach Piano und Sample Synth, in mono. Auf symmetrische XLR-Anschlüsse, die im Stage-Piano-Segment zunehmend zur Standardausstattung werden, muss man leider verzichten. Externe Signale können per Stereo-Miniklinke eingespeist werden, allerdings ohne separaten Eingangsregler.

Das mitgelieferte Nord-Triple-Pedal wird an die Sustain-Buchse angeschlossen. Es bietet Halte-, Soft- und Sostenuto-Funktionen und erlaubt es, mechanische Pedalgeräusche zu imitieren. Zudem werden Halbpedaleffekte unterstützt, die in den meisten Pianos – wenn auch nur in wenigen Stufen – gesampelt sind. Zur Steuerung von Effekten lässt sich ein Control-Pedal anschließen. Weitere Pedalanschlüsse bietet das Nord Grand nicht, man vermisst sie aber auch nicht. Immerhin handelt es sich um einen digitalen Bühnenflügel und nicht wie das Nord Stage um ein Stage-Piano. Volumen- und Sustain-Pedal lassen sich bei Bedarf per Tastendruck deaktivieren.

Per USB nimmt das Nord Grand Kontakt zum Rechner auf und kann dann nicht nur per MIDI kommunizieren, sondern auch Sounds in den Gerätespeicher laden, klassische MIDI-Ein- und -Ausgänge sind aber ebenfalls vorhanden.

Hervorragend spielbare Klaviatur

Der Zukauf der Kawai-Tastatur hat sich auf ganzer Linie gelohnt: Kaum ein Stage-Piano bietet derzeit ein authentischeres Flügelgefühl. Die Responsive-Hammerklaviatur mit Ivory Touch, also aufgerauter Oberfläche der weißen und schwarzen Tasten, bietet eine elfenbeinartige Maserung, die für stabilen Halt sorgt und schwitziges Fingergefühl vermeidet, wie es im hellen Bühnenlicht schnell aufkommen kann. Gleichzeitig wird man durch eine herrlich konkrete Rückmeldung der Druckpunktsimulation unterstützt.

Das Spielverhalten ist überzeugend authentisch und nur in Nuancen vom echten Flügel entfernt. Die Gewichtung ist eher leichtgängig und ermöglicht flüssiges Spiel, kommt aber auch kraftvollen Spielern entgegen. Dabei gestattet die optische Dreifachsensorik eine exzellente Ausdrucksfähigkeit über den gesamten Dynamikbereich, natürlich immer in Abhängigkeit von den verwendeten Piano-Samples: Um in den Genuss der vollen Bandbreite zu kommen, sollte man entsprechend die besonders akribisch gesampelten XL-Flügelmodelle benutzen.

Frei veränderbarer Soundspeicher

Die Klänge des Nord Grand werden in zwei Sektionen mit jeweils eigenständiger Polyphonie erzeugt. Für die Pianos stehen 120 Stimmen zur Verfügung, bei den Sample Synths ist man mit 48 Stimmen ebenfalls ausreichend versorgt. Der Soundvorrat des Nord Grand ist mit gelungenen Presets vorkonfiguriert, bei Bedarf lässt sich der Speicher aber auch komplett neu bestücken, indem per USB Sounds der Nord-Piano- beziehungsweise der Nord-Sound-Library vom Computer geladen werden, die sich auf der Nord-Website übersichtlich nach Kategorien gefiltert anzeigen und vorhören lassen.

Die Pianosektion unterteilt sich in sechs Kategorien für Flügel, Klaviere, elektrische und digitale Pianos, Clavinets und beliebige weitere Klänge. Auch diese Kategorien können nach Belieben neu mit Sounds belegt werden.

Den vollständigen Testbericht lesen Sie in KEYS 10/2019 – die Ausgabe können Sie gleich hier im Shop bestellen!


Text: Klaus Tenner

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