Schwäbische Tradition im Boxen-Bau

29.10.2018 16:38 | Musikproduktion, Blog

Die HiFi-Branche ist das eigentliche Hauptgeschäftsfeld der Firma Nubert. Doch die Boxen des Herstellers aus Schwäbisch Gmünd überzeugen in ihrer Qualität nicht nur Musikenthusiasten und Heimkino-Liebhaber, auch im semiprofessionellen Studio-Bereich erhalten die Nubert-Lautsprecher mehr und mehr Einzug.

Lautsprecher Geschichte aus Schwaben
Die schwäbische Erfolgsgeschichte begann Ende der sechziger Jahre, Günther Nubert – von manchem auch als Elektronik-Wunderkind bezeichnet – begeisterte sich für neue Transistortechnik und entwickelte Verstärker und Mischpultelektronik für Studioanwendungen. Er erkannte ein Bedürfnis nach professionellen Lautsprechern und so entstanden die ersten Nubert-Boxen 388, 471 und 551, die im Bekannten- und Freundeskreis dankbare Abnehmer fanden. Das Geschäft mit den Boxen erwies sich als lukrativer, denn statt eines Verstärkers pro Woche konnte Günther Nubert in der elterlichen Garagen bis zu acht Boxen an einem Abend montieren. Im Januar 1975 kam es dann zur Gründung der Nubert electronic GmbH, im Zuge der „Legalisierung des Zustandes“, wie Günther Nubert selbst sagt. Es folgte die Eröffnung des ersten Nubert HiFi-Studios in Schwäbisch Gmünd, wo auf ca. 300 m² Boxen gebaut, vorgeführt und zusammen mit ausgesuchten HiFi-Komponenten an die Insider-Kundschaft verkauft wurden. 1979 wurde eine Filiale in Ellwangen eröffnet. Die Leitung übernahm der heutige Mitgeschäftsführer Roland Spiegler. 1983 kam die zweite Filiale in Aalen hinzu, die bereits drei Jahre später in größere Räumlichkeiten umzog. Bereits 1986 war schon das Stammhaus in Schwäbisch Gmünd in größere Gebäude – ehemals eine Uhrenfabrik – umgezogen, um dem expandierenden Unternehmen gerecht zu werden.

Die 90er Jahre waren für die Firma Nubert wegweisenden für ihren heutigen Erfolg. 1995 fällten die schwäbischen Boxenbauer die Entscheidung, für den Direktvertrieb. Nachdem mehrere Händler ihr Desinteresse an einer weiteren Boxenmarke bekräftigt hatten und die Annahme einer Nubert-Box zum Test von einem deutschlandweiten Vertrieb abhängig gemacht wurde, erfolgte der Entschluss zum heutigen Vertriebsweg. „Den Preisvorteil, den wir durch die Einsparung der Händlerspanne haben, haben wir immer an die Kunden weitergegeben. Wir sind dadurch gegenüber unseren Mitbewerbern sehr preisgünstig“, erklärt Rüdiger Steidle, Produkt Manager bei Nubert. Das Aufkommen des Internets trug seinen Teil zum Erfolg von Nubert bei. 1998 ging die erste Nubert-Internetseite ans Netz. Schon ein Jahr später wurde aus der Visitenkarte ein Online-Shop. Erfolg und Wachstum von Nubert hielten an. Das Stammgebäude wurde mehrfach renoviert und umgebaut, 2013 kam ein weiteres Nubert Hörstudio in Duisburg hinzu. Einen Schicksalsschlag erlebte das Unternehmen im Mai 2016. Nach sintflutartigem Sturzregen wurden das Stammhaus und das Versandlager innerhalb weniger Minuten überschwemmt. Ein Großteil des Inventars musste vernichtet werden. Die Aufräum- und Renovierungsarbeiten sollten bis zum Jahresende andauern.

Neubau mit eigenem Knowhow
Doch das neue Versand- und Entwicklungszentrum stand schon in den Startlöchern. Im Januar 2016 erfolgte der Spatenstich in der Nubertstraße 1 und bereits im April 2017 konnte das neue Gebäude bezogen werden. Auch die Mitarbeiter waren maßgeblich an der Planung des neuen Stammsitzes beteiligt - allen voran Geschäftsführer Roland Spiegler als studierter Bauingenieur. Der Neubau ist modernster Gebäudetechnik ausgestattet. Im Obergeschoss ist unter anderem der neue Vorführraum beheimatet, der in seinen Dimensionen, dem Nubert-Vorführraum auf der High-End-Messe in München entspricht. Auch bei der Planung des neuen Lagers waren die eigenen Mitarbeiter und Logistiker beteiligt um für einen reibungslosen Betrieb zu sorgen. Bis Hannover ist die Kundenbestellung am nächsten Tag vor Ort. Besonders stolz sind die Nubert-Ingenieure auf den neuen Messraum, den sie selbst entworfen und eingerichtet haben. Statt auf eine Komplettlösung eines Dienstleisters setzte man auf das eigene Knowhow. Der Messraum besitzt eine Deckenhöhe von über acht Metern und ist mit dreierlei verschiedenen Dämpfungsmatten für unterschiedliche Frequenzbereiche ausgestattet. Sie bestehen aus dem gleichen Dämmmaterial das Nubert auch für die eigenen Lautsprecher verwendet. Rund drei Tonnen des Materials füllen den Raum. Die Endabnahme ergab für den Messraum die Messgenauigkeitsklasse 1. Auch Wellenlängen um die 30 Hz können noch relativ zuverlässig gemessen werden. In dem neuen Messraum wurden auch die neuen Boxen der nuPro-Familie ausgiebig getestet.

Nubert wird aktiv
2011 stellt Nubert mit der nuPro-Serie erstmals eigene Aktivlautsprecher vor. Egal ob als aktive HiFi-Boxen, im Studio oder am Computer - die nuPro A-10 und A-20 schlagen sich überall hervorragend. Zwei Jahre später erhält die Familie Zuwachs. Auf A-10 und A-20 folgen die A-100 und die A-200. Die völlig neue A-300 rundete die Baureihe nach oben hin ab, dazu stößt mit dem AW-350 ein passender Kompakt-Subwoofer. Einer der größten Fortschritte war das volldigitale Verstärkerkonzept, das eine praktisch rauschfrei Wiedergabe von Digitalquellen garantiert. Günther Nubert ist noch immer stark in die Entwicklung involviert, seit der zweiten Boxen-Generation ist es aber vor allem Produktentwickler Markus Pedal, der die NuPro-Serie mit seinen Ideen vorangetrieben hat. So auch die brandneue NuPro X-Serie.

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