Harriet Quimby - die schöne Pilotin starb jung

19.09.2019 10:47

harriett quimby, die erste pilotin der usa

Wird an Bord eines Verkehrsflugzeugs der Satz: „Your captain speaking“ mit weiblicher Stimme gesprochen, erzeugt dies noch immer enorme Aufmerksamkeit. Dabei war einer der ersten Menschen der die Bedeutung des Flugzeugs als zukünftiges Transportmittel für Passagiere und Fracht hervorgehoben hat, eine Frau und Pilotin. Harriet Quimby wurde am 11. Mai 1875 in Michigan, USA, geboren. Früh entdeckte sie ihr Talent als Reporterin und Fotografin. Für ein großes Magazin in New York schrieb sie illustrierte Berichte von ihren Reisen in alle Welt. Harriet war selbstbewusst und lernte schnell. 1905 entdeckte sie den Automobilsport für sich und fuhr halsbrecherische Touren mit Rennwagen – und berichtete natürlich darüber.
1910 wurde Harriet Quimby als Berichterstatterin sie zu einer Flugveranstaltung geschickt und war sofort von der Fliegerei begeistert. Sie freundete sich mit dem Piloten John Moisant an, der auch eine eigene Flugschule betrieb. Sie überzeugte ihn, seine Schwester Matilde und sich als Flugschülerinnen anzunehmen. Für die USA war dies ein gewagtes Unterfangen, denn die Brüder Wright behaupteten damals, Frauen seien für Fliegerei körperlich völlig ungeeignet. In Deutschland begann etwa zur gleichen Zeit Melli Beese mit ihrem Flugunterricht und musste sich gegen den starken Widerstand der männlichen Fluglehrer und -schüler behaupten. Auch die beiden Flugschülerinnen in Amerika mussten mit Gegenwehr der Männer leben. Aber sogar als ihr Fluglehrer (und Bruder) im Dezember 1910 tödlich abstürzte, gaben die beiden nicht auf und suchten sich einen neuen Fluglehrer. Harriet Quimby erhielt am 1. August 1911 als erste Frau in den USA ihr Pilotenzeugnis. Die Ausbildung hatte ihr Arbeitgeber bezahlt, als Gegenleistung veröffentlichte sie regelmäßig Artikel über ihre Erlebnisse als Flugschülerin und Pilotin. In der ersten Folge wies sie alle weiblichen Leser, die vielleicht ebenfalls mit dem Gedanken spielten, Fliegen zu lernen, darauf hin, dass die übliche weibliche Kleidung für ein Flugzeug ungeeignet ist. Harriet Quimby entwarf für sich einen seidenen Overall, trug um den Hals einen engen Seidenschal und einen festsitzenden Hut auf dem Kopf. So wurde sie zu einer Mode-Ikone des Motorsports und war jetzt auch ein Star vor der Kamera. Gutaussehend und mutig, rissen sich die Zeitschriften um Fotos von ihr.

harriet quimby im selbst entworfenen Flugdress und mit einer Freundin bei einer Veranstaltung.

Harriet Quimby in ihrem selbst entworfenen Flugdress und rechts mit der Pilotin Matilde Moisant

In der nächsten Zeit nahm Harriet an verschiedenen Flugwettbewerben teil und gewann einige davon. Als erste Frau der Welt unternahm sie auch einen Nachtflug. Sie nahm dann Kontakt zum berühmten französischen Piloten und Flugzeugkonstrukteur Louis Blériot auf. Seine Leistung, als erster den Ärmelkanal überflogen zu haben, wollte sie als erste Frau wiederholen. Im geheimen bereitete sie ihren Start von England aus in einem geliehenen Blériot-Eindecker vor. Diesen Flugzeugtyp hatte sie nie zuvor geflogen. Der Konstrukteur selbst ging davon aus, dass eine Frau diesen Flug niemals schaffen werde. Ihr Fluglehrer war zur Unterstützung mit nach England gekommen. Er schlug ihr vor, in ihrer Kleidung den Flug zu unternehmen, da sie als Frau in den sicheren Tod fliegen würde. Doch am frühen Morgen des 16. April 1912 startete Harriet Quimby, um 40 Kilometer und 59 Flugminuten später in Frankreich zu landen.
In einem Interview sagte Sie: „Es gibt keinen Grund, warum ein Flugzeug nicht auch Frauen offenstehen sollte. Ich sehe keinen Grund, warum sie nicht ein ausreichendes Einkommen dadurch erzielen sollten, indem sie Passagiere zwischen naheliegenden Städten befördern, Fracht ausliefern, Fotografien anfertigen oder eine Flugschule betreiben sollten. Jetzt sind alle diese Dinge möglich.“ Quimby bewies Weitsicht, als die meisten männlichen Piloten die Luftfahrt noch als eine Art ritterlichen Sport betrachteten. Ihre Leistung der Überquerung des Ärmelkanals ging aber in dem Medienrummel unter, der durch das Unglück der Titanic einen Tag zuvor ausgelöst wurde. Dennoch strömten große Menschenmengen zusammen, wenn ihre Teilnahme bei einer Flugveranstaltung angekündigt wurde.
 

harriet quimby in einem flugzeug von bleriot

Harriet Quimby in einem Flugzeug vom Typ Blériot, in dem sie den Tod finden sollte.


Zum Luftfahrttreffen nach Boston in Massachusetts am 16. Juli 1912 wurde sie durch eine Prämie von 100 000 Dollar gelockt. Nach endlosen Interviews und Fototerminen lud sie den Veranstalter zu einem Rundflug mit ihrer Blériot ein. Harriet Quimby galt als außerordentlich disziplinierte Pilotin. Vor jedem Flug untersuchte sie ihre Maschine sorgfältig. Auch flog sie sonst immer angeschnallt, eine bei männlichen Piloten eher verpönte Angewohnheit. Der Flug ging über das Meer hinaus. Beim Flug zurück, kurz vor Überqueren der Küstenlinie in etwa 350 Metern Höhe, stellte sich das Flugzeug plötzlich auf das Heck, um dann rasch nach vorn abzukippen. Der Passagier, William Willard, wurde aus seinem Sitz gehoben, gefolgt von Harriet Quimby. Vor tausenden Zuschauern stürzten Flugzeug und beide Insassen getrennt voneinander in das flache Wasser. Beide Menschen waren sofort tot. Was auch immer die Ursache dieses Unglücks war, die Luftfahrt hatte eine engagierte Vorkämpferin für weibliche Piloten verloren.
Einige, sehr energische Frauen konnten in den nächsten Jahren zwar ihren Platz im Cockpit erkämpfen, aber die Fliegerei blieb eine Männerdomäne. Dies sollte sich mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 ändern. In höchster Bedrängnis beschloss die UDSSR, drei rein weibliche Kampfgeschwader aufzustellen. In den halbmilitärischen Luftfahrtclubs des Landes waren damals Frauen zahlreich vertreten. Daraus rekrutierten sich Besatzungen und Bodenpersonal für ein Jagd-, ein Bomben- und ein Nachtschlachtgeschwader. Unter schweren Verlusten trugen die Frauen zur Verteidigung ihrer Heimat mit bei.
Dieses einmalige Kapitel der Luftfahrt wird ausführlich in der FliegerRevue X Nr. 79 mit vielen Fotos geschildert.

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