Slash im Interview

04.10.2018 16:15 | Gitarre


Slash, ihr habt euch mit den Conspirators für das neue Album wieder mit Michael Baskette zusammengetan …

Slash: Ich arbeite gerne öfters mit Leuten, mit denen ich gut auskomme. Außerdem enthält der Albumtitel Living the Dream einen gewissen ironischen Unterton. Es soll so etwas bedeuten wie „Mitgehangen, mitgefangen“ – auch wenn nichts auf dem Cover konkret darauf hinweist. Wir nehmen uns jedenfalls nicht zu ernst. [lacht]

Das Songwriting scheint ihr allerdings ernsthaft zu betreiben. Viele der Arrangements sind noch ausgefeilter und organischer als bei den Vorgängeralben. Wie konntet ihr als Band noch mehr zusammenwachsen?
Ich denke, das Ausschlaggebende ist, dass wir das meiste in den Jahren 2015 und 2016 geschrieben haben, als wir auf Tour waren und somit zusammen Eindrücke verarbeiten konnten. Das Prinzip ist in fast allen Fällen so: Aus einem intuitiven Groove entsteht ein Riff, daraus ein Melodiepattern und daraus dann irgendwann eine Gesangslinie mit Texten. Wir jammen bei jedem Soundcheck Ideen durch, was das Tourleben zu etwas Spannendem macht, da wir jeden Tag Ideen in unseren Köpfen reifen lassen können.

Der Riff des Songs „Serve You Right“ [Bsp. 1] erinnert von seinem Groove an frühe AC/DC oder Ted Nugent, der ja auch zu deinen Jugendhelden zählte. Sind das bewusste Zitate?
Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung. Es sind ja eher meditative Momente, in denen ich Riffs schreibe und bei denen etwas Unterbewusstes zum Vorschein kommt. Sogar im Tourbus oder noch viel öfter im Umkleideraum direkt vor dem Auftritt kommt es zu solchen Eingebungen.

Wie verhält es sich mit „The Great Pretender“ [Bsp. 2]? Das Gitarrenthema ist ja ähnlich ikonisch wie das Godfather-Theme oder einige Momente auf Use Your Illusion ausgestaltet.
Das ist wirklich der ausgefallenste Song auf dem Album. Ich hatte von vorneherein die Gitarrenmelodie im Kopf, die mich einfach nicht losließ. Ehrlich gesagt, war das in der ganzen Begeisterung dann aber auch ziemlich lange das einzige, das ich anzubieten hatte. Mir fehlte sogar ein passender Rhythmus. Es dauerte viele Jams, in denen wir als Band interagieren mussten, bis wir auf einmal diesen 4/4-Takt-Swing-Rhythmus heraushatten. Ich war in diesem Moment sehr begeistert, war aber noch nicht sicher, wie das Stück den anderen in den Kram passen würde und was genau aus dem Song werden sollte. Ich hatte schon Angst, einen zweiten Godfather-Instrumental-Spot in unserem Live-Programm heraufzubeschwören – obwohl mir die Melodie doch so sehr gefiel. Zum Glück hat sich Myles viel Mühe gegeben, den Song immer wieder mit frischen neuen Ansätzen umzuarrangieren, um eine Gesangmelodie darüberzusetzen. Die Bridge hat den Song dann so richtig ins Rollen gebracht. Das war der richtige Impuls, aus dem alles Weitere gedeihen konnte.

Da wir gerade bei Retroanwandlungen sind: Spielst du nach wie vor deine Marshall-2550-Silver-Jubilee-Verstärker aus dem Jahr 1987?
In der Tat spiele ich neue und alte Modelle des Silver Jubilee. Im Studio habe ich ein neues Modell von der Stange verwendet. Das ganze Album wurde bis auf einen Song mit diesem einen Amp aufgenommen – die Regler wurden einmal eingestellt und dann die kompletten Sessions so belassen. Der Silver Jubilee ist von seinem Sound her unter den Marshall-Verstärkern einzigartig – ein echter Klassiker sozusagen. Ich hatte in den vergangenen Jahren aufgrund der Verfügbarkeit auch JCM-800-Reissues gespielt, doch die musste ich modifizieren lassen, um sie meinem Sound anzupassen. Als Marshall dann den Sliver Jubilee wieder herstellte und mir ein paar Exemplare schickte, war es, wie nach Hause zu kommen – er klingt genau richtig.

Der Gitarren-Sound auf Living the Dream ist sehr dynamisch und klar – wie habt ihr aufgenommen?
Wir haben in meinem Privatstudio aufgenommen, das ich mir völlig neu einrichten ließ. Wir wollten ursprünglich sogar analog auf Band aufnehmen. Ich fühle mich selbst fast schon wie ein Relikt aus alter Zeit, da die ersten großen Aufnahmen meiner Karriere noch mit Bandmaschinen erstellt wurden. Weniger wegen des Sounds, sondern wegen der limitierten Editierbarkeit – diese Alles-oder-nichts-Chance beim Aufnehmen. Dann habe ich mir allerdings die Kalkulation angeschaut, was es bedeuten würde, meine kleine Studioinsel von Grund auf analog einzurichten sowie die Gerätschaften am Laufen zu halten – und musste schnell einsehen, dass nur ein Digitalstudio drin war …

Wer wissen will, wie es weitergeht, und was Slash zu Themen wie dem Sound des neuen Albums sowie der Möglichkeit eines neuen Guns-N’-Roses-Albums zu sagen hat, findet den kompletten Workshop mit Noten/TABs und Soundfiles in guitar 10/18.

Marcel Thenee

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