Sound-Design mit Effekten

06.06.2017 09:33 | Musikproduktion

Sound-Design mit Effekten

Das Spiel mit verschiedenen Klangfarben ist ein subtiles Element im Mix, kann aber entscheidend sein. Wir zeigen euch, welche Möglichkeiten es gibt und wie ihr eure Tracks richtig einfärbt.

 

Amateurproduktionen können heute sehr, sehr nah an die Qualität von Profi-Arbeit herankommen. So kann man heute oft nicht mehr auf Anhieb sagen, ob ein Song im heimischen Wohnzimmerstudio oder in einem großen Aufnahmetempel in Klang gegossen wurde. Doch wenn man genauer hinhört, erkennt man doch meistens noch Unterschiede – obwohl man sie oft nicht genau benennen kann. Diese subtilen Qualitäten professioneller Produktionen haben viele Gründe, aber ein ganz entscheidender ist der sehr bewusste Umgang mit Klangfarben. Jeder kennt die Worte, die zu ihrer Beschreibung verwendet werden – harter Sound, weiche Klänge, und natürlich die berühmte Wärme. Aber nur wenige machen sich bewusst, was diese Worte tatsächlich zu beschreiben versuchen und wie man einen Klang ganz gezielt in die eine oder andere Richtung entwickeln kann. 

Subtile Färbung

Das liegt natürlich oft auch daran, dass die Arbeit mit Klangfarben keine sofort offensichtlichen Verbesserungen bewirkt. Die Färbung tanzt auf leisen Sohlen durch die Produktion und ist kaum zu bemerken, und doch ist es ihr Tanz, der die Musik erst vollkommen macht. Dabei liegt eine besondere Schwierigkeit in eben der Unterschwelligkeit, die Klangfarben zugleich so effektiv machen. Wer mit Effekten eingreift, um bei einem Sound die Farbe zu wechseln, der braucht viel Fingerspitzengefühl – ansonsten richtet man vielleicht sogar Schaden an. 
 

Die Summe der Teile

Auch ist die Klangfarbe nicht etwa eine einzelne Stellschraube, an der man dreht, um das gesamte Bild zu verändern. Ja, manche Geräte und Plug-ins besitzen einen Colour-Regler, in Wirklichkeit besteht die Farbe einer Produktion aber aus ganz vielen kleinen Elementen, die für sich genommen nicht großartig ins Gewicht fallen, die in der Summe aber den Unterschied zwischen einer guten und einer herausragenden Produktion ausmachen können. Die perfekte Produktion, diesem Ziel streben die meisten Musiker entgegen. Man sollte sich aber mal einen Moment Zeit nehmen, um die Perfektion von Sound zu hinterfragen. Was bedeutet „perfekt“ bei Musik? Die Entwicklungen der Tontechnik haben zu einer Situation geführt, in der technische Perfektion für erfahrene Engineers kein Wunschtraum mehr ist, sondern Tagewerk. Doch wenn eine Produktion in jeder Hinsicht technisch perfekt ist, dann ist sie viel zu oft auch: Leblos. Statisch. Langweilig. Ein guter Produzent verzichtet daher auch mal auf die eine oder andere Akkuratesse und lässt dem Stück dafür etwas mehr Luft zum Atmen. Man könnte sagen: Wahre Perfektion bedeutet, das richtige Maß an Imperfektion zuzulassen. 
 

Makellos aber farblos

Genau an dieser Stelle kommen die Klangfarben ins Spiel. Ein technisch makelloser Sound lässt sich auch als farblos bezeichnen. Wir sprechen gerne bei Mikrofonen und Lautsprechern davon, dass sie ein Signal nicht färben, und meinen das als Kompliment. Zurecht! Unsere Arbeitswerkzeuge sollen schließlich nicht verfälschen, wie wir arbeiten. Aber unsere Produktionen dürfen Farbe bekennen, und es gibt jede Menge Möglichkeiten, Klänge bunt zu bemalen. So wird die Musik lebendig!

Tipps und Tricks, wie ihr eurer Produktion mehr Leben einhaucht, findet ihr in der KEYS-Ausgabe 07/17

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