Vocals professionell mischen

03.12.2019 17:30

Eines der wichtigsten Elemente eurer Songs ist die Stimme. Dieser widmen wir uns in Recording Magazin 01/2020. In diesem Workshop zeigen wir euch, wie ihr überzeugende Gesangsspuren mischt und geben euch wertvolle Tipps an die Hand, mit denen der Vocal-Mixdown in Zukunft zum Kinderspiel wird.


Foto: Nomad_Soul/Shutterstock.com

Bevor wir mit dem Mischen einsteigen, müssen die Grund­voraussetzungen für einen funktionierenden Mixdown gewährleistet sein. Denn: „Fix it in the mix“ funktioniert nur, wenn die Spuren sauber editiert, ordentlich gepegelt und ohne Clippings vorliegen.

Mit der folgenden Checkliste könnt ihr schnell überprüfen, ob eure Vocal-Spuren für den Mix überhaupt schon fertig sind. Los geht’s!

1. Sauberer Edit

Zunächst sollte der Edit der Files im Vorfeld für den Mix erledigt sein! Die einzelnen Spuren dürfen nicht mehr gestückelt, sondern müssen jeweils als komplette Mono- oder Stereospuren vorliegen.

Sollte der Edit im Vorfeld in eurer Hand liegen, so arbeitet bei den Vocals ultra-sauber. Setzt immer kurze Fade-ins und Fade-outs. Dies lässt sich in jeder DAW ganz einfach für mehrere (oder alle) Regions erledigen. Zerstückelt die Region in viele Teile und schneidet sämtliche Schmatzer, Störgeräusche, Nebengeräusche und so weiter manuell raus. Wenn ihr nur wenig Zeit und Budget  zur Verfügung habt, spart euch diese Arbeit allenfalls bei den Backing-Vocals; nicht aber bei den Main-Vocals! Wer auf einem hohen Level abliefern möchte, bringt auch die harten Konsonanten und S-/F-Laute manuell auf ein Level, sodass hier keine vereinzelt hervorstechen. Sicherlich gibt es De-Esser, doch diese können auch nicht zaubern und reduzieren immer auch etwas Präsenz. 

Es ist äußerst ratsam, Recording-, Edit- und Mixdown-Phase voneinander zu trennen und dafür auch unterschiedliche Sessions in eurer DAW anzulegen (Recording und Edit dürfen allerdings auch gern in einer Session passieren). So startet ihr den Mix in einem leeren und übersichtlichen Fenster, wo keine Recording-bezogenen Einstellungen oder sonstige für den Mixdown erstellten Parameter vorliegen. Ein guter Mixdown sollte mit einer frischen Session und frischen Ohren beginnen!

2. Einfache und sinnvolle Beschriftung

Aufzählungen wie „Audio 1“, „Audio 2“ oder Ähnliches sind verwirrend und nichtssagend. Natürlich könnte man durch Erhören (nervig) gerade die Close-Mic-Signale wie Bassdrum oder Snaredrum einigermaßen erkennen. Aber bei unterschiedlichen Räumen (Close-Room, Far-Room und so weiter) oder Overheads wird die Identifikation schon schwieriger. Und wenn die Session irgendwann größer wird, verliert man den kompletten Überblick. No-Go!

Wenn ihr die Audiofiles vor dem Import in die neue Mixdown-Session benennt, werden diese Benennungen in den meisten DAWs automatisch in den Spurnamen übertragen. Schreibt nur die nötigsten Infos in die Dateinamen.

Gängige Beschriftungen sind Kick-in, Kick-out, Kick-Sub, SD-Top, SD-Bottom, HH, OH, Ride, ROCL, ROMO, ROFAR. Benutzte Mikros sind keine wichtige Info für den Spurnamen. Für den Mixdown können diese Infos allerdings schon eine Rolle spielen, sodass ihr solche Details am besten in einer Word-/Office-Datei aufführt. Viele DAWs bieten auch eine Art Infobereich an, sodass man Details innerhalb der Session anlegen kann.

3. Signale sichten

Importiert nun die Files in die „frische“ Session. Die meisten DAWs bieten sowas wie Pre-Fader-Metering an. So erkennt ihr im Mixfenster, ob die Signale schon von vornherein übersteuern. Stark clippende Signale sind meist nicht mehr zu retten.

Eventuell ist euch ein Fehler beim Exportieren passiert und ihr könnt die übersteuernde Spur nochmals bouncen. Wenn ihr Material von anderen Kunden mischen sollt, was ihr nicht selbst aufgenommen habt, hakt auf jeden Fall nach und informiert diese, dass es ein oder mehrere übersteuernde Signale gibt.

Manche Stellen lassen sich durch Austauschen reparieren. Dazu prüft ihr die Spuren im Solomodus und im Gesamtkontext, für jeweils mindestens einen kompletten Songdurchlauf.Falls ihr einfach nur wenig Headroom habt, bieten sich vor allem passive EQs anstatt aktiver an.

4. Lautstärke und Panorama mischen

Wenn alle Signale vernünftig vorliegen und richtig angelegt sind, mischt als Erstes das grobe Lautstärkeverhältnis und das Panorama. Ihr müsst dazu alle (wichtigen) Signale hören, um die Vocals im Gesamtkontext beurteilen zu können.

5. Basic-EQ

Bearbeitet die Stimmen nun mit schmalbandigen Absenkungen, um Störfrequenzen zu reduzieren. Senkt breitbandig Frequenzbereiche ab.

Den vollständigen Workshop lest ihr in Recording Magazin 01/2020 – die Ausgabe könnt ihr gleich hier im Shop bestellen!


Text: Tobias Mertens

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